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Potsdam-Mittelmark Ein Weihnachtsengel auf Hausbesuch
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein Weihnachtsengel auf Hausbesuch
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20:48 17.07.2017
Gehören zu den Hausbesuchern: Sabine Schultz und Kurt Baller. Für ihre Mission wurden sie gut vorbereitet. Quelle: J. Steglich
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Nuthetal

Normalerweise besucht Sabine Schultz jedes Jahr die Menschen auf dem Adventsmarkt in Bergholz-Rehbrücke. Sie ist der Weihnachtsengel, der im Engelskostüm vorbeischaut und den Prolog vorträgt – das Begrüßungsgedicht, mit dem der Adventsmarkt traditionell eröffnet wird. Neu ist, dass der Weinachtsengel jetzt das ganze Jahr in Bergholz-Rehbrücke unterwegs ist. Nicht im Engelskostüm, aber in einer Mission, die auch von einem Engel erfunden sein könnte. Die 39-Jährige gehört zu 15 Freiwilligen aus den Nuthetaler Ortsteilen Bergholz-Rehbrücke und Saarmund, die Hausbesuche machen, um älteren, hilfebedürftigen Menschen im Heimatort, über passende Hilfsangebote zu informieren. „Wir wollen ihnen Möglichkeiten aufzeigen, sich selbst zu helfen. Wir sind die Türöffner für die Wege, die sich bei Problemen bieten“, sagt Sabine Schultz. Man könnte auch sagen: Sie sollen im Wirrwarr der Unterstützungsangebote Orientierung geben und die passenden finden und empfehlen.

Erfunden hat die Aktion die Rehbrückerin Antje Sachs. „Füreinander – vorbeugende Hausbesuche von und für Senioren“ hat sie ihr Projekt genannt und damit eine Jury der Robert-Bosch-Stiftung überzeugt, die ihr Vorhaben aus mehr als 100 Bewerbungen für das Programm „Neulandgewinner – Zukunft erfinden vor Ort“ ausgewählt hat.

Mit dem Programm fördert die Bosch-Stiftung seit 2013 lokale Bürgerinitiativen in ländlichen Regionen Ostdeutschlands, die mit unkonventionellen Ideen die Lebensqualität vor Ort verbessern wollen. Für die vorbeugenden Hausbesuche gibt die Stiftung für die nächsten zwei Jahre 38 000 Euro aus. Geld, mit dem etwa die Schulungen der Ehrenamtler finanziert wurden, die nun mit den nötigen Informationen für ihre Hausbesuche ausgestattet sind.

Sabine Schultz (39) ist die jüngste unter den Hausbesuchern, Kurt Baller (69) der einzige Mann. Die beiden haben schon vor dem Leben als ehrenamtliche Besucher miteinander zu tun gehabt. Kurt Baller, der Historiker und Autor, schreibt dem Weihnachtsengel jedes Jahr das Begrüßungsgedicht für den Adventsmarkt. Besuche bei älteren Leuten kennt er von seinen Buchrecherchen, wenn er Zeitzeugen aufsucht, um spannende Geschichten aus der Ortshistorie zu erfahren. „Dabei habe ich gemerkt, dass es einen Bedarf gibt“, sagt Baller. Einen Bedarf, über andere Themen zu reden, zum Beispiel darüber, wie man an einen Behindertausweis bekommt, eine Patientenverfügung verfasst und was zu beachten ist, wenn es in der Familie einen Pflegefall gibt. Oder ganz einfach: Wo es passende Angebote in der Gemeinde gibt, um wieder unter Menschen zu kommen. „Beim ersten Gespräch wird man erst einmal ausloten, was überhaupt gebraucht wird“, so Baller. Er sieht jedes Gespräch als Abenteuer. „Man weiß nicht, was auf einen zukommt. Das allein ist schon reizvoll“, sagt er und glaubt, dass er und seine Kollegen nicht nur Berater sein werden, sondern ein bisschen auch Seelsorger. Damit die eigene Seele heil bleibt, werden die Hausbesucher von einem Mentor begleitet. „Es geht darum, wie wir uns schützen können und nicht mit dem Ballast nach Hause gehen. Sonst sind wir am Ende unsere besten Kunden und brauchen selbst Hilfe“, sagt Sabine Schultz, die Versicherungskauffrau und Mutter von drei Kindern ist. „Mir war es zu ruhig. Ich brauchte eine neue Herausforderung“, sagt sie mit einem Schuss Humor. Das Angebot für ältere Leute, sich per Telefon Beratung und Hilfe ins Haus zu holen, gilt für Bergholz-Rehbrücke und Saarmund. „Wir können nicht die ganze Welt retten“, sagt Baller. Die Beratungen sind kostenlos. „Wir bekommen kein Geld, aber ein gutes Gefühl“, sagt Sabine Schultz, der Weihnachtsengel.

Der Hausbesuch wird per Telefon bestellt

Ältere Menschen in Bergholz-Rehbrücke und Saarmund können per Telefon Beratungsbedarf anmelden. In den beiden Ortsteilen Nuthetals wohnen die 15 Freiwilligen, die ab sofort zu Hausbesuchen aufbrechen werden.

Anmeldungen werden über das Telefon 0152/56 05 31 04 angenommen.

Die ehrenamtlichen Hausbesucher sind in den vergangenen Wochen auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. Es gab mehrere Schulungen, auch ein Besuch beim sozialpsychiatrischen Dienst stand auf dem Programm.

Von Jens Steglich

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