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Potsdam-Mittelmark Ein berauschendes Erlebnis
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein berauschendes Erlebnis
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20:16 07.12.2017
Moderatorin Celine Graubaum (l.) klärt Schüler an der „Tabak-Station“ des Mitmach-Parcours zum Thema Rauchen auf. Quelle: H. Helwig
Beelitz

Für zwei Tage hat sich die Solar-Oberschule Beelitz den Mitmach-Parcours „KlarSicht“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ins Haus geholt. An fünf interaktiven Stationen klären sieben Moderatoren insgesamt rund 300 Schüler zum Thema Alkohol- und Nikotinsucht auf, diskutieren mit ihnen Gefahren und Vorbeugung und lassen sie am „Tor der Entscheidung“ eigene Schlussfolgerungen für ihr weiteres Leben ziehen. Die Schüler der siebten und achten Klassen befassten sich am Donnerstag mit dem Trinken und Rauchen. Die neunten und zehnten Klassen durchlaufen an diesem Freitag den Parcours. Für die Eltern der Schüler sowie für andere interessierte Jugendarbeiter gab es am Donnerstagabend eine Führung.

„Wir freuen uns, dass wir dieses Projekt an unsere Schule holen konnten. Wir nehmen seit drei Jahren am Landesprogramm ’Gute gesunde Schule’ teil und haben seit kurzem auch eine Schulkrankenschwester. Der Mitmach-Parcours ist eine wichtige Ergänzung dazu“, sagt Schulleiterin Michaela Brückner. Schulsozialarbeiterin Sina Kossack von der Stiftung „Job“, einem freien Träger der Jugendhilfe, hatte den Tipp im Herbst von ihrer Kollegin Silvana Bröhl von der Krause-Tschetschog-Oberschule in Bad Belzig erhalten. Von dort war das Projekt nach Beelitz gekommen.

„Es geht nicht darum, den Jugendlichen Alkohol und Tabak ganz zu verbieten. Wir möchten ihnen aber helfen, sich selbstbewusst kritisch mit den Gefahren auseinanderzusetzen, auch wenn sie unter einem Gruppenzwang stehen“, sagt Moderator Max Knospe. Mit seinem Kollegen Christian Sick und den anderen Moderatoren holt er die Schüler in deren Lebenslagen ab und spricht ihre Sprache. „Das kommt besser an, als ein steifer Vortrag mit erhobenem Zeigefinger“, ergänzt Sick. Die Schüler sind interessiert, bringen sich ein und erzählen eventuell auch mal von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen.

Die müssen nicht unbedingt als Beispiel in der „Talkshow“ herhalten, in der Ursache, Verlauf, Folge und Lösung eines Suchtproblems analysiert beziehungsweise erarbeitet werden. Mit kleinen Magnetbildern entwerfen die Jugendlichen frei erfundene Geschichten, an denen sie sich mit dem Thema auseinandersetzen. In der „Trinkbar“ und der „Tabak-Station“ erhalten sie wichtige Fakten zur Wirkung und Schädlichkeit von Alkohol und Tabak und können bei einem Quiz ihr Wissen testen. Die berühmte Rauschbrille, der so genannte „Drunk-Buster“ vermittelt den Schülern auch nüchtern einen Eindruck, wie dramatisch sich 1,5 Promille Alkohol im Blut aufs Reaktionsvermögen auswirken können. „Der Parcours wurde ganz bewusst so entwickelt, dass sich Wissens- und Kreativstationen abwechseln. Dadurch bleiben die Schüler aufmerksam am Thema“, so Knospe.

Die Moderatoren sind meist freie Mitarbeiter mit Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit und gehören oft wie Knospe und Sick einer Agentur für Personalkommunikation an. Vor ihrem Einsatz werden die Sozial- und Jugendarbeiter oder Lehrer in der Moderation geschult und mit Fachwissen ausgestattet.

Auch nach den beiden Aktionstagen kann die Solar-Oberschule Beelitz ihre Aufklärungsarbeit zum Thema Suchtprävention selbstständig mit einem „KlarSicht-Koffer“ der BZgA fortsetzen. Er ist mit etwa 400 Euro nicht gerade preiswert, enthält dafür aber sämtliche Materialien im Kleinformat, die die Moderatoren an den jeweiligen Stationen eingesetzt haben.

Suchtprävention läuft bereits seit 2004

Das Projekt wurde im Jahr 2004 von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gestartet. Es wird vom Verband der Privaten Krankenversicherungen finanziell unterstützt.

Der Mitmach-Parcours „KlarSicht“ richtet sich an Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren.

In den Gruppen arbeiten jeweils zehn bis zwölf Schüler mit.

Die Moderatoren waren in diesem Jahr bundesweit an 32 Schulen unterwegs. Fürs nächste Jahr sind Einsätze an etwa 40 Schulen geplant.

Für Zigaretten geben Raucher im Durchschnitt im Jahr annähernd 2000 Euro für bis zu 7000 „Glimmstengel“ aus.

Der Rauch einer Zigarette enthält nach Angaben der Moderatoren etwa 4800 Giftstoffe.

Von Heinz Helwig

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