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Potsdam-Mittelmark Ein ganzer Turm voller Geschichten
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein ganzer Turm voller Geschichten
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00:19 16.12.2017
Wolfgang Ucksche leitet das Heimatmuseum der Stadt Treuenbrietzen. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen

Nein, eine Winterpause gibt es für Museumsleiter Wolfgang Ucksche nicht. Auch wenn seit November das Heimatmuseum in Treuenbrietzen geschlossen ist. Es ist zu kalt im alten Turm, die Heizungen geben das nicht her. Aber die Arbeit in dem Museum „ist viel mehr als Eintrittskarten abzureißen“, sagt Ucksche. Dass dieses Ehrenamt dem gelernten Zerspanungsfacharbeiter sehr am Herzen liegt, ist beim Rundgang – mit Schal und Mantel – sofort zu merken. Ucksche zeigt zunächst auf die vielen Aktenordner: „Es muss recherchiert werden.“ Zeiten und Geschichten müssen zugeordnet werden, einige Exponate ausgebessert oder repariert werden, und die Anfragen von Geschichtsinteressierten wollen auch noch beantwortet sein.

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Das Heimatmuseum der Stadt Treuenbrietzen wird vom Heimatverein betrieben.

Bürgermeister Michael Knape freut sich, dass die Stadt in der Nähe von Potsdam, Berlin und Leipzig wieder wächst. Bis zur Wende wohnten hier etwa 9000 Menschen, danach wurden es weniger. Jetzt geht es wieder aufwärts. Vor allem zahlreiche Fachkliniken sorgen für einen guten Ruf und Arbeit.

Ursprünglich war das Heimatmuseum in der Großstraße 1 a hauptamtlich besetzt, denn ab 1990 flossen Fördermittel, doch 2012 war die Haushaltslage schwierig. Knape erinnert sich: „Seit 1996 war die Stadt pleite. Da stehen dann die kulturellen Dinge zuerst auf dem Prüfstand.“ Wie dem Rechnung tragen? Der Bürgermeister setzte auf die Bürgerschaft. Es war wohl richtig. Der örtliche Heimatverein übernahm ehrenamtlich die Betreuung und Leitung des Museums, bekommt dafür von der Stadt zum Beispiel einen Anteil an den Betriebskosten.

Ab März wieder geöffnet

Das Heimatmuseum liegt Großstraße 1 a in 14929 Treuenbrietzen. Das Stadt im Landkreis Potsdam-Mittelmark liegt an den Bundesstraßen 2 und 102 und ist auch mit der Bahn zu gut erreichen.

Es ist von März bis Oktober geöffnet, immer am Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

Wolfgang Ucksche als Museumsleiter und Vorsitzender des Heimatvereins Treuenbrietzen ist für besondere Anfragen und spezielle Führungen erreichbar unter 0172/1979891.

Auf diese Weise konnte auch das denkmalgeschützte ehemalige Kino „Kammerspiele“ gerettet werden und auch das Freibad. Die Philosophie von Michael Knape ist einfach, aber überzeugend: „Wer von den Treuenbrietzener Einwohnern nicht hingeht, die kulturellen Angebote nutzt, wird irgendwann vor verschlossenen Türen stehen, weil das Geld zur Instandhaltung fehlt.“ Das Heimatmuseum wird zum Beispiel auch genutzt, um Lesungen, Ausstellungen und Vorträge, verbunden mit gemütlichem Beisammensein, anzubieten. Im oberen Stockwerk stehen reichlich Tische und Stühle bereit.

Der historische Stadtkern von Treuenbrietzen ist umgeben von Parkanlagen. Im Zentrum der Altstadt ist auch das Heimatmuseum zu finden, ursprünglich ein Turm an der Stadtmauer. Das Haus wurde 1352 erstmals als Heilig-Geist-Kapelle erwähnt. Das Gebäude diente als Religionsstätte für arme Handwerksburschen und Durchreisende. Nach dem 30-jährigen Krieg verfiel die Kapelle, und das für lange Zeit. Erst 1936 wurde die Ruine wieder ausgebaut. Sie erhielt ein Fachwerkgeschoss und ein Kegeldach. Der Lehrer Oskar Brachwitz richtete sich mit seiner Sammlung heimatgeschichtlicher Gegenstände ein. Eröffnet wurde das Haus 1939 als Heimatmuseum. In DDR-Zeiten war dann „nicht mehr viel los dort“, sagt Ucksche. Die Aufarbeitung begann mit dem Ende der DDR.

Die größte Sammlung der Stein- und Bronzezeit im Kreis

Nach der vollständigen Rekonstruktion des altehrwürdigen Gebäudes im Jahr 1991 gibt es bis heute viel zu bestaunen. So ist Wolfgang Ucksche stolz darauf, die größte Sammlung der Stein- und Bronzezeit, die es im Landkreis Potsdam-Mittelmark gebe, hier zu präsentieren. Er hat die Kästen mit den Funden bewusst so gelassen, wie sie einst für die Ausstellung gedacht waren. Es gibt weitere Besonderheiten. So ist der alte Feuerwehrwagen nicht zu übersehen, 1876 wurde der Turnverein Feuerwehr im Ort gegründet. Vereine präsentieren sich im Heimatmuseum anschaulich und zahlreich.

Michael Knape ist stolz auf diese Zeitdokumente, Wolfgang Ucksche auch, weiß aber, was noch an Arbeit auf ihn und den Heimatverein zukommt: Über 50 Traditionsvereine, der älteste, die Schützengilde, ist über 600 Jahre alt. Der Turnverein MTV 1861 existiert heute noch, allerdings, schmunzelt Uckscher, „turnen da heute mehr Frauen aus Treuenbrietzen als Männer.“ Aber die Pyramide, wie sie auf alten schwarz-weiß-Aufnahmen zu sehen ist, wird heute noch geprobt.

Exponate von wichtigen Gilden

Viel ist auch über die Gewerke zu erfahren. In Treuenbrietzen und Umgebung gehörten zu den wichtigen Gilden neben Tuchmachern, Leinenwebern und Blaudruckfärbern auch Weinbauern und Bierbrauer. Um das Leben vergangener Zeiten anschaulich darzustellen, helfen Exponate wie die alte Registrierkasse als Blickfang. Zwei Zentner schwer und raffiniert konstruiert. Sie wurde vom Kaufmannsladen Karl Masswig übernommen, der bis 1994 „eigentlich fast durchgehend geöffnet hatte“, berichtet Ucksche. Da wurde nicht nur verkauft, sondern auch geredet und erklärt, zum Beispiel wie ein guter Wein zu erkennen ist.

Interessant anzusehen ist ein Teil einer Musterapotheke. Carl August Pauckert war nicht nur ein weit bekannter Apotheker. Vor allem erkundete er die Botanik und schrieb über seine Erkenntnisse nützliche Bücher. Der Musterapotheker soll auch bekannt für seine gute Handschrift gewesen sein.

Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam

Es ist ein hoher Anspruch an das kleine Heimatmuseum einer kleinen Stadt, qualitativ gute Ausstellungen zu präsentieren. Darauf achtet Bürgermeister Michael Knape. Aber es sei mit dem Ehrenamt allein kein wissenschaftlicher Anspruch zu bewältigen. Deshalb schätzen er und der Museumsleiter die Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam. Es sei eine Wechselwirkung, die jungen Forschenden zu Gute kommt, die hier originale Geschichten zu lesen und zu sehen bekommen und das Museum profitiere von den historischen und architektonischen Erkenntnissen.

„Jetzt beginnen wir mit dem Feinschliff“, sagt Wolfgang Ucksche. Er nennt auch den wichtigen Punkt der Aufarbeitung um das Jahr 1945. Die Gegend um Treuenbrietzen gelangte zu trauriger Berühmtheit, es gab zahlreiche Erschießungen, auch durch die Rote Armee. Einiges sei sehr undurchsichtig und muss aufgearbeitet werden, sagt der Museumsleiter. Schritt für Schritt, Dokument für Dokument. „Keiner wollte sterben“, sagt Ucksche, „wir wollen erfahren, was dazu geführt hat. Dabei geht es nicht um politische Wertungen, sondern um humanistische Aspekte.“

Lange kann man Wolfgang Ucksche zuhören, was er mit seinen Vereinsmitgliedern in naheliegender Zeit schaffen will. Und dafür kann man ihm nur einen langen Winter wünschen.

Von Brigitte Einbrodt

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