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„Ein großer Sprung für den Tierschutz“

MAZ-Interview „Ein großer Sprung für den Tierschutz“

Wie viele Straßenkatzen es in Bad Belzig gibt, weiß niemand. Aber mehrere Tierschutzvereine engagieren sich dafür, dass sie wenigstens kastriert werden. Die Tierärztin Birgit Heßler opfert dafür ihre Freizeit. Sie erklärt im MAZ-Interview unter anderem wie es ist, 40 Katzen an nur einem Wochenende einzufangen.

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Birgit Heßler

Bad Belzig. Birgit Heßler hat vor rund zehn Jahren den Verein Tierfreunde im Fläming gegründet, der gemeinsam mit der Bad Belziger Tiertafel und einem noch in Gründung befindlichen Gnadenhof freilaufende Katzen medizinisch versorgt und kastriert. Die Tierärztin betreibt in Bad Belzig eine Praxis.

Sie haben am vergangenen Wochenende 40 freilaufende Katzen kastriert. Wie gehen Sie und die weiteren Beteiligten an eine solche Aktion heran?

Birgit Heßler: Die Tiere sind jetzt im Herbst ausgehungert, daher ist es relativ einfach, sie mit Futter in Fallen zu locken. Darin werden sie in unsere Bad Belziger Praxis gebracht. Mein Kollege Frank Gerlach und ich und noch eine weitere Ärztin kastrieren die Katzen dann. Einige bekommen auch noch Vitamine und Mittel gegen Parasiten.

Wie wird ein solcher Einsatz finanziert, schließlich kosten die Operationen Geld?

Heßler: Zunächst kostet es eine Menge Zeit. Sowohl unsere als auch die der anderen Freiwilligen, welche die Tiere einfangen. Wir Tierärzte arbeiten unentgeltlich. Die Materialkosten werden von den Vereinen getragen.

Warum gibt es überhaupt so viele Straßenkatzen?

Heßler: Das sind alleingelassene Hauskatzen oder deren Nachkommen. Katzen sind mittlerweile die beliebtesten Haustiere in Deutschland. Wenn die Besitzer sich dann nicht mehr kümmern können oder wollen, manchmal auch nur, weil sie umziehen, landen die Tiere auf der Straße und vermehren sich dann unkontrolliert.

Und wo leben die Tiere?

Heßler: Grundsätzlich kann man sagen, dass dort, wo Ratten sind, auch Katzen leben. In Bad Belzig finden wir die Tiere vor allem im Gewerbepark, in der Nähe der Supermärkte oder des Kraftfutterwerks oder im Klinkengrund. Auf den Dörfern sind dort, wo Tierfutter und Heu gelagert werden.

Man sieht an diesen Orten manchmal Futter, das Anwohner für die Katzen bereitstellen. Was halten Sie davon?

Heßler: Ich bin ein klarer Verfechter dieser Futterstellen. Sie geben uns die Möglichkeit, überhaupt einen Überblick über die Population zu bekommen und diese in den Griff zu kriegen. Es ist Unsinn zu glauben, dass mit dem Futter auch die Tiere verschwinden würden. Denn nur weil man sie nicht sieht, heißt das nicht, dass sie weg sind.

Sollte man denn grundsätzlich alle Haustiere kastrieren?

Heßler: Nein, das nicht. Wenn die Katzen nicht rausgehen, müssen sie auch nicht steril sein. Allerdings sollte jedem bewusst sein, dass eine rollige Katze durchaus nächtelang schreien kann und dass ein unkastrierter Kater eine heftige Geruchsentwicklung mit sich bringt. Aber wenn die Tiere draußen sind, sollte man sie kastrieren lassen.

Wie geht es mit der Kastration der Straßenkatzen weiter?


Heßler: Wir sind in Bad Belzig noch nicht fertig, an mindestens zwei Standorten sind auf jeden Fall noch viele unkastrierte Katzen. Darüber hinaus werden wir uns auch weiter um die umliegenden Orte kümmern. Die Einführung des Paderborner Modells, nach dem alle Freigänger ab einem Alter von fünf Monaten kastriert sein sollen, ist für den Tierschutz ein großer Sprung.


Von Saskia Kirf

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