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Potsdam-Mittelmark Ein kleines Dorf will ganz groß rauskommen
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein kleines Dorf will ganz groß rauskommen
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19:52 26.06.2018
Rädigke ist das kleinste Dorf, das am Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" teilnimmt. Beim Dorfrundgang haben sich dennoch alle Bewohner ins Zeug gelegt. Quelle: Andreas Trunschke
Rädigke

Es kommt nicht auf die Größe an. Freundlich, engagiert und überaus humorvoll haben die Rädigker die „Unser Dorf hat Zukunft“-Jury am Montag empfangen. Rädigke ist das kleinste Dorf, das in diesem Jahr am Landeswettbewerb teilnimmt. Mit einem Augenzwinkern und dennoch selbstbewusst hat der Moderator des Rundgangs, Bernd Fredrich, gleich zu Beginn die Jury aufgefordert, Rädigke beim nächsten Mal als letztes zu besuchen – denn: „Den Höhepunkt hebt man sich für den Schluss auf.“

Begonnen hat die zweieinhalbstündige Ortsbegehung auf dem Gelände der Agrargenossenschaft „Hoher Fläming“, wo Öl-Baron Florian Schulze seine Rapsöle verkosten ließ. Als er erläutert hat, wie die Gülle seiner Kühe zur Erzeugung von Strom und Wärme für seinen Betreib und den Ort genutzt wird, gab es spontan Applaus – und das nicht zum letzten Mal an diesem Tag.

Mühe mit dem Zeitplan

Im Eiltempo ging es anschließend weiter. Das älteste Dorf im Hohen Fläming bot so viele Verführungen, dass die Jury Mühe mit ihrem Zeitplan hatte. Zunächst galt die Aufmerksamkeit dem Weg unter den Füßen. Im Jahr 2011 hatten ihn die Rädigker in 880 freiwilligen Arbeitsstunden selbst angelegt. Für die Alte Stellmacherei, um deren Fortbestand gerade gerungen wird, blieb kaum Zeit. Denn auf dem Dornberger Hof gegenüber zeigte Ruth Neumeister, wie das heutige Schmuckstück 1990 aussah, als es noch einer Ruine glich. Dort hat auch die „Trefiori Seifenmanufaktur“ ihr Zuhause. Unter diesem Label stellt Ingrid Loebel hochwertige Seifen her.

In der alten, vor 1250 gebauten Kirche, demonstrierte Pfarrer Matthias Stephan, was Rädigke vor allem ausmacht: In sieben Arbeitseinsätzen mit jeweils etwa zwanzig Leuten wurde mühselig der alte Latexanstrich entfernt, bevor die Restauratoren an die Arbeit konnten. Auch der „Platz für alle“ nebenan entstand in 560 Stunden durch die Dorfbewohner selbst.

Insgesamt zweieinhalb Stunden hat der Rundgang durchs Dorf gedauert. Quelle: Andreas Trunschke

Der Jury-Vorsitzende Tobias Wienand hat zwar nicht verraten, wo er Rädigke im Wettbewerb sieht – aber er zeigte sich durchaus beeindruckt. „Es ist toll, was dieses sehr kleine Dorf auf die Beine stellt“, lobte Wienand. Das hänge seiner Meinung nach mit dem ehrenamtlichen Engagement zusammen – und davon hat Rädigke tatsächlich reichlich.

Wenn es etwas zu erledigen gibt, dann steckt Ortsvorsteher Siegfried Frenzel kleine Zettel in die Briefkästen und kann immer sicher auf etwa zwanzig Leute zählen. Bis auf Feuerwehr und Bibliothek funktioniert alles ohne feste Strukturen, wie die Jurymitglieder überrascht erfuhren.

Bibliothek wird zum dörflichen Wohnzimmer

Am Schluss der Tour trafen sich alle in der Fläming-Bibliothek. „Etwas, das man sonst nirgends findet – eine Bibliothek in der Kneipe.“ Die Rädigker behandeln den Saal jetzt wie ihr eigenes Wohnzimmer, berichtete der Vorsitzende des Bibliotheksvereins, Steffen Gommel.

Tatsächlich fiel den Rädigkern zuerst die Bibliothek ein, als sie abschließend aufzählen sollten, was Rädigke für sie besonders macht. Aber auch, dass hier jeder Hinzugekommene schnell in die Dorfgemeinschaft integriert wird.

Als Herausforderungen sehen sie den Erhalt ihres Campingplatzes, die Sanierung von Dorfteich und Feuerwehrhaus sowie einen Grill- und einen Boule-Platz. Rabensteins Bürgermeister Ralf Rafelt hofft, dass Rädigke gewinnt – ist aber auch überzeugt: „Die Dorfgemeinschaft wurde schon jetzt durch den Wettbewerb gestärkt.“

Von Andreas Trunschke

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