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Potsdam-Mittelmark Ein kurvenreiches Leben
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20:34 06.07.2017
Pit Pikus bei der Lesung in der Bornholmer Straße in Berlin, wo am 18. März sein neues Buch „Lämmels Syndrom oder Die fünf Dimensionen der Wahrheit“ präsentiert wurde. Quelle: privat
Wildenbruch

Beim Blick zurück ist es mitunter verblüffend zu sehen, wie viele Kurven ein Mensch im Leben schlagen kann. Pit Pikus hat viele Kurven geschlagen und ist doch ans Ziel gekommen. Er lernte den Beruf eines Optikers, fuhr bei der Marine zur See, studierte Jura, lehrte als Hochschullehrer Völkerrecht, ging für die DDR als Entwicklungshelfer nach Afrika und stieg später auf den Kilimandscharo. Heute ist er Buchautor, schreibt unter dem Pseudonym Pit Pikus und möchte auch so genannt werden, weil er die Schriftstellerei vom Privatleben getrennt sehen will. Vielleicht nervt den 76-Jährigen, der seit 1984 in Wildenbruch lebt, ja auch die Frage: Was ist denn nun autobiografisch an dem Buch? So schreibt er gute Bücher unter dem Namen einer Tierfigur von Friedrich Wolf, jenem Specht Pit Pikus, der die Möwe Leila rettet.

Man könnte meinen, hinter all dem steckt ein Plan. Der Wildenbrucher würde lieber sagen: Die Träume aus der Kindheit vergisst man nicht. Seine erste Idee in Kindheitstagen war es, Schriftsteller zu werden, weil man Astronaut so kurz nach dem Krieg nicht werden konnte. Von den Eltern bekommt er das Buch „Mit vollen Segeln durch die Ozeane“ geschenkt. Den Vater fragt er noch, wie der russische Autor beschreiben kann, was die Eingeborenen auf der Insel gesagt und getan haben, obwohl er nie dort war. Der Vater antwortet: „Das sind Gedankenschiffe, die kannst du selber bauen und mit deiner Mannschaft besetzen. Du kannst auch den Kurs festlegen. Und meistens bis du auch der Kapitän.“ Wenig später gilt es, in der Schule einen Aufsatz über ein Naturerlebnis zu schreiben. Pit Pikus beschreibt den Sonnenuntergang an der Ostsee, obwohl der im sächsischen Grüna geborene Junge noch nie an der Ostsee war. Für den Aufsatz gibt es eine eins, was zum Entschluss führt, Schriftsteller zu werden.

Wie das Leben so spielt, ist er auch Mitglied im Filmaktiv für Kinder, die Kinobetreiber ins Leben riefen. Kinder konnten dort Kinostreifen vorher sehen und danach Werbung für sie machen. Er entschied sich um und wollte Filme machen. Mit 14 Jahren schreibt er an die Defa, bekommt dort indes den Rat, ins Kopierwerk nach Köpenick zu gehen oder eine Lehre als Optiker bei Zeiss in Jena zu machen, um die Technik erst einmal kennenzulernen. „Wer das geschrieben hat, den würde ich den Hals umdrehen“, sagt Pit Pikus. Die Optikerlehre ist ein Versehen. „Wie das aber so war: Eine Lehre wird nicht abgebrochen.“ Der gelernte Optiker will danach Jura studieren, muss dafür aber erst zur Armee gehen und meldet sich bei der Marine. Er hätte dort gern die Navigation übernommen, da er aber nicht dauerhaft bleiben wollte, sagt man ihm: „Dann machst du etwas, was man immer gebrauchen kann.“

Pit Pikus wird Smutje, ein Beikoch an Bord. Was er dort lernt, kann er in der Tat sein ganzes Leben gebrauchen. „Ich konnte mich immer selbst verpflegen, egal wo ich in der Welt unterwegs war“, sagt er. Damals sangen sie „vor Kap Horn weht der Wind, aber das macht uns nichts aus“ und lagen mit ihrem Marineboot vor Rügen. Der Beikoch dachte schon als 18-Jähriger: „Du musst mal Kap Horn sehen.“ Vor zwei Jahren, mit 74, hat er den Vorsatz in die Tat umgesetzt und mit einem Kreuzfahrtschiff das Kap Horn umrundet – die Südspitze Chiles, an der die Winde von Atlantik, Pazifik und aus der Antarktis aufeinandertreffen und schon viele Schiffe kentern ließen.

Noch so ein Traum war, den Kilimandscharo zu besteigen. Mit 55 Jahren tut er es. Den 5895 Meter hohen Berg hatte er früher häufig aus der Ferne gesehen – in seiner Zeit in Tansania. „Man braucht aber einen Koch, einen Träger, einen Führer und Dollars dafür.“ 1995 hatte er alles beisammen. Beim harten Aufstieg hört Pit Pikus noch, wie der Koch zum Bergführer in Kisuaheli sagt: „Wie lange wird der Alte es noch machen?“ Auf dem Rückweg erwidert Pit Pikus in der Sprache der Einheimischen: „Seht mal, der Alte hat es doch geschafft.“ Als der Wildenbrucher in der Heimat ankommt, sagt seine Frau: „Du siehst aus wie eine Mischung aus Frankenstein und Hardy Krüger.“

Der heute 76-Jährige war schon zu DDR-Zeiten ein weit gereister Mann. Nach seinem Jura-Studium arbeitet er als Hochschullehrer am Institut für Internationale Beziehungen und habilitiert zum „Staatsrecht junger Nationalstaaten“. 1976 geht er das erste Mal als Entwicklungshelfer in so einen jungen Nationalstaat nach Afrika – nach Mosambik, das gerade unabhängig geworden war. Dort brauchten sie Lehrer. Die Studenten in Mosambik und ab 1979 in Tansania lehrt er Völkerrecht und Rechtsgeschichte. Zur Wendezeit in der DDR ist er wieder in Afrika. Nach seiner Rückkehr werden die Akademie-Institute des Landes aufgelöst und die Leute, die dort arbeiteten „in alle Himmelsrichtungen weggepustet“. Pit Pikus schlägt sich fortan als freier Dozent durch, berät Firmen in Werberecht und Marketingfragen. Bis sich der Kreis schließt und sein Leben als Autor beginnt. In seinem ersten Buch „Das schöne Land“, das 1996 erscheint, verarbeitet er seine Welt- und Lebenserfahrung. Es ist ein metaphernreiches Märchen, das in Afrika spielt und doch an die untergegangene DDR erinnert. Vier weitere Bücher folgten, in denen etwas versteckt auch ein Stück Heimat zu finden ist. In allen seinen Büchern taucht das Haus in Wildenbruch und die hohe Linde im Garten auf. In Wildenbruch ist er gelandet, als die Familie 1984 auf der Suche nach einer Datsche ist, die Datschenwelt in der DDR aber schon vergeben war. Er liest dann in der Zeitung eine Anzeige, dass einer in Wildenbruch sein Haus verkaufen will. Zu DDR-Zeiten kaufte man keine alten Häuser. Pit Pikus tut es doch: „Wie sich herausstellte, war es die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt er.

Anna Seghers las seine Liebesgedichte

Pit Pikus wurde am 19. September 1940 im sächsischen Grüna bei Chemnitz geboren. Der Vater zweier Söhne lebt seit 1984 in Wildenbruch.

Die Helden seiner Bücher sind Menschen, die in Konflikte geraten, die sich mit den Gegebenheiten, in die sie gestellt werden, auseinandersetzen und ihre Schwierigkeiten haben, sich darin zurechtzufinden.

Bücher aschreiben wollte er schon als Kind, sein Leben als Buchautor begann in den 1990er Jahren.

1964 begegnete er bei einem Treffen der „schreibenden Studenten“, die es in der DDR wie die „schreibenden Arbeiter“ auch gab, der Schriftstellerin Anna Seghers. Sie hatte sich damals bereiterklärt, seine Verse und Liebesgedichte anzusehen. Danach sagte sie ihm, seine Liebesgedichte seien wunderbar traurig, er solle sich aber Themen suchen, „an denen man sich reiben kann wie das Wildschwein an der Eiche“. Diesen Rat habe er immer noch im Hinterkopf, sagt er.

Von Jens Steglich

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