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Ein sicheres Heim für junge Flüchtlinge

Zuflucht in Lehnin Ein sicheres Heim für junge Flüchtlinge

Einrichtungsleiter Mario Gose hat nichts zu verbergen. Bereitwillig öffnet er die Türen zu allen Zimmern. Es gibt nichts besonders zu sehen: Zwei Betten, zwei Stühle, ein Tisch, eingebaute Schränke. Trotzdem sind viele Lehniner neugierig. Sie wollen am Tag der offenen Tür wissen, was sich ab Montag hinter den Wänden des ehemaligen Jugendwerkhofs abspielt.

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Einrichtungsleiter Mario Gose führt Waltraud und Hubert Krause durch das Haus.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Lehnin. Mario Gose hat nichts zu verbergen. Bereitwillig öffnet er die Türen zu allen Zimmern. Es gibt nichts besonders zu sehen: Zwei Betten, zwei Stühle, ein Tisch und im Vorraum eingebaute Schränke. Eine karge, aber sichere Unterkunft. Trotzdem sind viele Lehniner aus der Nachbarschaft neugierig. Sie wollen wissen, was sich ab Montag hinter den Wänden des ehemaligen Jugendwerkhofs in der Gohlitzstraße 23 abspielt.

Das nach der Wende in Jugendheim umbenannte Haus ist ab sofort eine Aufnahmeeinrichtung für minderjährige Flüchtlinge, die es ohne Eltern aus ihrer Heimat bis nach Deutschland geschafft haben. Die Betreuung in Lehnin übernimmt die Arbeiterwohlfahrt Potsdam. Gose ist der Einrichtungsleiter. Geduldig erklärt der Sozialpädagoge beim Tag der offenen Tür immer wieder die vielen Fragen der Besucher. Die Stimmung am Donnerstag ist ruhig und entspannt. Es gibt Bratwurst, Getränke und belegte Brötchen.

Blick in ein Zweibettzimmer

Blick in ein Zweibettzimmer.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Unter den Anwohnern sind Waltraud und Hubert Krause. Das Rentnerehepaar wohnt seit zwölf Jahren neben der Jugendeinrichtung, die allerdings seit 2012 leer stand. Und sie machen sich ihre Gedanken: „Früher erlebten wir so einiges mit den Bewohnern. Wir haben keinen Argwohn gegenüber Flüchtlingen. Aber man darf gespannt sein, wie sich alles entwickelt.“ Andere Lehniner wollen wissen, wie die Betreuer das Sprachenproblem meistern, wie die Verpflegung funktioniert, und ob jugendliche Muslime weibliche Sozialarbeiter akzeptieren.

Am Montag werden im Haupthaus des einstigen Jugendwerkhofs die ersten jugendlichen Flüchtlinge erwartet

Am Montag werden im Haupthaus des einstigen Jugendwerkhofs die ersten jugendlichen Flüchtlinge erwartet.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Erfahrungen auf diesem Gebiet gibt es bisher keine. „Wir stampfen das hier gerade aus dem Boden. Auch dank zahlreicher im Ort ansässiger Handwerksfirmen“, räumt Einrichtungsleiter Gose ein. Optimistisch stimme ihn die große Hilfsbereitsschaft, die er am Vorabend bei einem Treffen freiwilliger Helfer im Rathaus erlebt habe. Die Arbeitsgemeinschaft, die sich im Juni in Damsdorf gegründet hat, ist inzwischen auf rund 60 Männer und Frauen angewachsen. Lehnin gehört zu den ersten Orten in Brandenburg mit einer Aufnahmeeinrichtung speziell für geflüchtete Jugendliche. Davon gibt es immer mehr. Nach derzeitigen Prognosen muss das Land im kommenden Jahr 1500 von ihnen aufnehmen. Diese werden von den Jugendämtern auf die Standorte verteilt.

Noch keine Entscheidung zu Damsdorf

Die Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam als Eigentümerin der Immobilie hat der Awo Potsdam die Trägerschaft für die Betreuung jugendlicher Flüchtlinge in Lehnin übertragen.

Der alte Jugendwerkhof ist der erste Standort für ein Flüchtlingsquartier in der Gemeinde Kloster Lehnin.

Die Schulpflicht ist für die Ankömmlinge in den ersten drei Monaten ausgesetzt. Sie sollen erst Deutsch lernen.

Zudem hat die Kommune dem Landkreis ein Angebot für die ehemalige Kaserne Damsdorf unterbreitet für die Unterbringung von 200 Personen. Der Kreis hat noch keine Entscheidung getroffen.

In Lehnin erwartet die Hausleitung am Montag zunächst neun Jugendliche aus dem Erstaufnahmelager Ferch. Acht stammen aus Afghanistan, einer aus Pakistan. Maximal 32 Personen im Alter von 14 bis 18 Jahren sollen es einmal sein; aufgeteilt in drei Wohngruppen, untergebracht in 13 renovierten und mit Bädern ausgestatteten Doppelzimmern und zwei Dreibettzimmern. „Jede Wohngruppe hat eine eigene Küche. Zunächst werden wir Sammelbestellungen aufnehmen, später üben wir mit den Jugendlichen das Einkaufen“, erklärt Einrichtungsleiter Gose, der sich bei voller Auslastung auf 17 pädagogische Fachkräfte stützen kann. Noch immer sucht der Träger Personal.

Die Bewohner werden rund um die Uhr betreut. In der Nacht bestreift stündlich der Wachschutz das Gelände. „Allerdings ist unser Haus kein Gefängnis. Die Jugendlichen dürfen das Objekt verlassen. Dafür gibt es Regeln“, so Gose. Gemeinsam sollen die Bewohner aufstehen, frühstücken, Deutschkurse besuchen und ihre Freizeit gestalten. Am Ende steht das Ziel die jugendlichen Flüchtlinge auf die Selbstständigkeit in Deutschland vorzubereiten. In der Regel ist das bis zur ersten eigenen Wohnung.

Von Frank Bürstenbinder

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