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Potsdam-Mittelmark Ein völlig neuer Klang erschallt vom Kirchturm
Lokales Potsdam-Mittelmark Ein völlig neuer Klang erschallt vom Kirchturm
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00:17 20.03.2017
Die Glocken hängen wieder sicher. Den Umbau erledigten Thomas Walter (re.) und Nico Schlönert. Quelle: Christiane Sommer
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Mörz

Thomas Walter und Nico Schlönert hatten dieser Tage den höchst gelegenen Arbeitsplatz in Mörz. Lediglich die Geräuschkulisse von Akku-Schraubern, Sägen, Bohrmaschinen und Hämmern verriet den Einheimischen, dass die beiden Männer unter dem Dach im Kirchturm arbeiteten. Die Firmenaufschrift am abgestellten Wagen vor der Kirche wiederum ließ sie hoffen, dass die Zeit ohne das gewohnte Abendläuten der Kirchenglocken endlich zu Ende geht.

Schon seit dem vorigen November musste die Gemeinde darauf verzichten. Grund waren sich vergrößernde Risse in einem Stahljoch, dass die größte der vorhandenen drei Glocken im Turm trug (MAZ berichtete). Eine Stilllegung war unumgänglich geworden. Das eigentliche Vorhaben der Mörzer, in diesem Jahr eine neue Kirchenglocke gießen zu lassen, um das vorhandene Geläut zu vervollständigen, wurde so plötzlich um einige Aufgabenstellungen erweitert.

Vierte Glocke geplant

Im Turm der Mörzer Kirche hängen drei Glocken. Die kleinste und zugleich älteste aus dem 12. Jahrhundert blieb bei den nun erfolgten Arbeiten unangetastet.

Sie ist aufgrund ihres Klangbildes nicht in das Geläut integrierbar und wird deshalb auch künftig nur allein zu Taufen geläutet.

Zu den beiden spätmittelalterlichen Glocken, die jetzt eine neue Aufhängung erhalten haben, soll eine weitere hinzukommen.

Die neue Glocke soll noch in diesem Jahr gegossen werden und das Geläut vervollständigen.

Weil 1917 beim Herunterholen einer Glocke, die zu Kriegszwecken abgegeben werden musste, kurzerhand ein Balken aus dem Gebälk im Turm gesägt wurde, hatte der sich zwischenzeitlich beträchtlich geneigt. Deshalb musste in den zurückliegenden zwei Monaten zuerst der Glockenstuhl neu gerichtet werden. Im Anschluss konnte man daran gehen, die stillgelegten beiden Glocken an neuen Jochen aufhängen zu lassen und damit eine Sünde zu beseitigen, die über Jahrzehnte für Klangeinbußen sorgte.

Die zu DDR-Zeiten erfolgte „gekröpfte“ Aufhängung an Stahljochen wurde rückgängig gemacht. An deren Stelle installierten Thomas Walter und Nico Schlönert von der Firma Walter Glockenläuteanlagen und Turmuhren KG aus Luckau-Uckro (Dahme-Spreewald) jetzt Holzjoche in Zigarrenform. Wie die Experten erklären, war diese Form bereits vor Jahrhunderten gebräuchlich. „So ein Holzjoch kann bis zu 1500 Kilo Last tragen“, sagt Firmenchef Walter.

Die Mörzer Kirche ist eine der größten Dorfkirchen im Fläming. Quelle: Christiane Sommer

Die beiden Mörzer spätmittelalterlichen Glocken mit einem Gewicht von jeweils mehr als 500 Kilogramm sind für die bereit liegenden Eichenjoche somit kein Problem. Hand in Hand arbeiten die Männer zwei Tage lang auf dem zugigen Turm. Teilweise mit hochmodernen Geräten – wie einem Laser – zwischen den Jahrhunderten. Die machen sich im Mörzer Kirchturm immer wieder an alter Glockenschmiere bemerkbar, mit der das Geläut einst gepflegt wurde. Steinhart geworden, kleben Unmengen davon am Gebälk und behindern den Fortgang der Arbeiten.

Walter und Schlönert müssen dann zu Spachteln greifen, um die verklebten Überreste dort zu entfernen, wo sie stören. Die Handwerker müssen für die Glockenaufhängung Tischler, Schlosser und Elektriker zugleich sein. „Wir nennen uns eigentlich Glockenmonteure“, sagt der 29-jährige Nico Schlönert. „Einen richtigen Ausbildungsberuf gibt es für unsere Arbeit jedoch nicht“, ergänzt sein Chef.

Die Aufhängung ist wieder stabil. Quelle: Christiane Sommer

Für die beiden Männer ist der Auftrag in der Mörzer Kirche einer unter vielen. Unter anderem haben sie auch die Neuaufhängung der Glocken in der Potsdamer Erlöserkirche erledigt.

Endlich kann in Mörz nun der Flaschenzug zum Einsatz kommen. Nacheinander werden die beiden kostbaren Glocken aus dem Spätmittelalter wieder in die Höhe gezogen. Jetzt müssen die Handwerks-Allrounder nur noch die neuen Klöppel anbauen. „Das sind Schirmklöppel“, erläutert Thomas Walter den Unterschied zu den bisherigen. Auch sie sollen zu einer Verbesserung des Klangbildes beitragen und durch den flächenmäßigen Anschlag beim Läuten die alten Bronzeglocken besser schützen.

„Ein sehr kräftiges Geläut ist zu erwarten“, sagt Pfarrer Jörg Frenzel. Am Mittwochabend, als Thomas Walter und Nico Schlönert längst den Heimweg angetreten hatten, war es erstmals wieder zu hören. Nun fehlt nur noch die vierte Glocke im Turm.

Von Christiane Sommer

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