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Potsdam-Mittelmark Eine Frau mit mehreren Gesichtern
Lokales Potsdam-Mittelmark Eine Frau mit mehreren Gesichtern
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17:29 10.04.2018
Sybille Hofmann (l.) mit Gisela in einer der Behindertenwerkstätten, in der nach ganz eigenem Tempo gearbeitet wird. Quelle: Foto: Jens Steglich
Nuthetal

„Nein, die Menschen bei uns in der Werkstatt haben kein Handicap, wir spielen hier nicht Golf.“ Sybille Hofmann ist eine Verfechterin der direkten Sprache. „Die Leute sollen mich ja verstehen“, sagt sie. Die 52-Jährige wurde in Nuthetal bekannt als Gemeindevertreterin, die bis 2014 für PDS und Linke um Lösungen rang. Als Vorsitzende der Verbandsversammlung im Zweckverband Mittelgraben polarisierte sie mit ihren Positionen zuweilen. Was kaum einer wahrnahm: Hinter der unverblümten Sprache steckt eine hilfsbreite Frau mit einem bemerkenswerten Leben.

Socken für den Nachwuchs

Sybille Hofmann war schon Bewährungshelferin, ist Imkerin und seit fünf Jahren pädagogische Leiterin der Wünsdorfer Werkstätten für behinderte Menschen. Und abends, vorm Fernseher, strickt sie für den Nuthetaler Nachwuchs Socken. Sie sind Teil des Begrüßungsgeschenks für Neugeborene. 60 bis 70 Sockenpaare strickt sie jedes Jahr. So viele Menschen erblicken jährlich in Nuthetal das Licht der Welt. „Stricken beruhigt. Und das Fernsehprogramm ist ja auch nicht so, dass man immer hingucken muss“, sagt sie. Beim Stricken vorm TV-Gerät verschwimmen die Dinge: „Manchmal frage ich mich: Sind das noch die Heute-Nachrichten oder ist das schon die Heute-Show?“

Dass die Apfel- und Kirschbäume auf der Streuobstwiese an der Feldstraße Früchte tragen, ist Sybille Hofmann und ihren Bienen zu verdanken. 15 Bienenvölker hat die Familie in einem Wagen an der Wiese stehen. Den Honig und Kerzen aus Bienenwachs gibt es zum Bergholzer Adventsmarkt. „Mein Vater war schon Imker, mein Onkel hatte sogar einen Wanderwagen“, erzählt sie. Seit 20 Jahren ist sie selbst Imkerin, die Schulkindern auf der Streuobstwiese erzählt, was Bienen so treiben und warum sie so wichtig sind.

Nach eigenem Tempo arbeiten

In ihrem Element ist die 52-Jährige auch, wenn sie über ihre Schützlinge in den Behinderten-Werkstätten erzählt. Sie nennt sie Werkstatt-Beschäftigte, die hier in einem geschützten Raum wirken, der es erlaubt, nach eigenem Tempo zu arbeiten. Für Firmen in der Region werden Produkte verpackt und etikettiert oder Dichtgummis in Wasserarmaturen eingesetzt. Die Werkstatt-Beschäftigten bekommen dafür ein Entgelt. Lohn ist für sie aber vor allem die Anerkennung, die mit der Arbeit verbunden ist, und das Wissen darum, dazuzugehören.

„Ohne die Werkstatt hätten einige auch keine Tagesstruktur und keinen Grund, morgens aufzustehen“, sagt die Sozialpädagogin. „Ziel ist es, dass sie so selbstständig wie möglich leben können.“ Den Übergang in den „allgemeinen Arbeitsmarkt“ schaffen nicht viele: Einem bis zweien von 350 Werkstatt-Beschäftigten pro Jahr gelingt das. Manche kehren wieder zurück in den geschützten Raum, weil sie dem Druck draußen nicht gewachsen sind.

„Ohne Ellenbogen durchs Leben“

Wenn Sybille Hofmann darüber erzählt, hört man heraus, dass sie den geschützten Raum auch selbst genießt – als Kontrastprogramm, bei dem Etikette und Eitelkeiten kaum eine Rolle spielen und Ellenbogen nicht zum Einsatz kommen. „Als grundehrlich, dankbar, authentisch und häufig freundlich“ beschreibt sie ihre Werkstatt-Beschäftigten, die manchmal eine halbe Stunde vorher an der Haltestelle stehen, um den Bus zur Arbeit nicht zu verpassen. In dem besonderen Betrieb wird nicht nur gearbeitet, sondern auch gefeiert: Sommer- und Herbstfest, Weihnachten und Fasching.

Zum Karneval ist Sybille Hofmann zuständig für die Faschingshochzeiten. Nach so einer Hochzeit mit Küsschen und Fanta-Limo verlangte ein Faschingspärchen mal ein gemeinsames Zimmer in der betreuten Wohnstätte. „Das hat nicht geklappt, Faschingshochzeiten gelten nicht.“ Anders sieht die Sache bei Jasmin und Sven aus. Sybille Hofmann „vermählte“ sie beim Fasching vor fünf Jahren. „Die beiden wiederholen das jetzt im richtigen Leben.“ Am 29. Juni wird Hochzeit gefeiert.

Von Jens Steglich

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