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Eine Meisterin feiert Jubiläum

Teltow Eine Meisterin feiert Jubiläum

Seit vier Generationen ist der Teltower Steinmetzbetrieb Scheefer in Familienhand. Jetzt feiert Chefin Beate Scheefer ihr Meister-Jubiläum. Vor 25 Jahren hat die 49-Jährige die Prüfung abgelegt. Ihr Meisterstück ist in einem Potsdamer Schloss verbaut, wo genau, weiß sie selbst nicht.

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Steinmetzin Beate Scheefer hat sich inzwischen auf Grabdenkmale spezialisiert. Doch die Begräbniskultur hat sich stark verändert.

Quelle: Laude

Teltow. Das Meisterstück hatte es in sich: Ungefähr 1,60 Meter hoch war das gebogene Gesimsstück mit Zahnschnitt. In den Kolonnaden am Neuen Palais ist es eingebaut. Wo genau, das weiß die Meisterin nicht. „Schade eigentlich“, sagt Beate Scheefer. Aber es gibt noch Fotos, auf denen zu sehen ist, wie sie den unhandlichen Sandstein bearbeitet. Dann kam die Meisterprüfungskommission, mit kritischem Blick und unbestechlichen Messgeräten. Die zulässigen Maßtoleranzen bei Steinmetzarbeiten sind gering. Zur Prüfung gehörte nicht nur das fertige Stück, sondern auch die Vorlage in Form einer Zeichnung. Und eine Zeitkalkulation. Beliebig lange darf man nicht arbeiten an seinem Meisterstück. Das alles ist gut 25 Jahre her. Am 25. Februar 1993 erhielt Beate Scheefer ihren Meisterbrief.

Beate Scheefers Meisterstück ist ein Gesimsstück, das im Neuen Palais in Potsdam verbaut wurde

Beate Scheefers Meisterstück ist ein Gesimsstück, das im Neuen Palais in Potsdam verbaut wurde.

Quelle: Laude

Beate Scheefer stammt aus einer alten Steinmetzerfamilie. Vor bald 100 Jahren hatte ihr Urgroßvater die Firma gegründet. Ihre Berufsausbildung hatte sie aber nicht bei ihrem Vater gemacht, sondern in der Naturstein Potsdam GmbH. Fünf Auszubildende gab es damals, darunter immerhin zwei junge Frauen. Obwohl die Arbeit mit solchen Werkzeugen wie Knüpfeln, Schlägeln, Scharrier- und Zahneisen nicht leicht ist, Beate Scheefer liebt ihren Beruf. Ihrem Lehrmeister Bernhard Cornely ist sie heute noch dankbar. „Er hatte eine sehr gute Art, Wissen zu vermitteln, gab viele Tipps“, sagt die Meisterin. Es wurde viel für das Neue Palais gearbeitet, zum Schluss der Ausbildung kam Beate Scheefer auch in die Grabmal-Abteilung.

Seit vier Generationen in Familienhand

Die Firma „Grabdenkmale Beate Scheefer“ befindet sich seit vier Generationen in Familienbesitz. Firmengründer war Fritz Scheefer im Jahr 1922. Sein Sohn Fritz wurde 1951 Steinmetzmeister, Enkel Werner 1968. Als erste Frau führt Beate Scheefer die Firma seit zwei Jahrzehnten.

Spezialisiert ist der Betrieb auf die Fertigung von Grabmalen. Dazu kommen Grabschmuck und auch Grabdenkmale für verstorbene Haustiere.

Vor allem Grabdenkmale sind es auch, die der Familienbetrieb mit Sitz in Teltow und Kleinmachnow anbietet. Da hat die Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin weniger mit Sandstein zu tun, sondern vor allem mit Granit und Marmor. Granit bleibt sehr lange gut erhalten – einmal drüberwischen und der Stein erhält wieder seinen alten Glanz. Marmor dagegen verwittert recht schnell, Sandstein sowieso. Der Katalog hält eine ganze Reihe von Materialien, Formen und Farben bereit. Manche Kunden entscheiden sich für einen Findling, zum Beispiel für Verstorbene mit besonderer Liebe zur Natur.

Die fünfte Generation steht schon in den Startlöchern

Wie ihr Vater glücklich war, in seiner Tochter eine Nachfolgerin für die Firma gefunden zu haben, so freut sich Beate Scheefer, dass auch ihre Tochter Lucie Steinmetzin geworden ist. Und nicht nur das: Die 23-Jährige ist bereits auf der Meisterschule.

Aber die Bestattungskultur ist heute nicht mehr die alte. Viele Familien entscheiden sich für Beisetzungen auf der „grünen Wiese“. Beate Scheefer bedauert das sehr – und keineswegs nur, weil den Steinmetzbetrieben dadurch Aufträge verloren gehen. Die 49-Jährige hat das nicht nur einmal beobachtet: Menschen, die mit Blumen in der Hand suchend über die Wiese mit den Urnen gehen, ein paar Schritte nach vorn, nach hinten, nach rechts, nach links.

Trauernde irren über den Friedhof

Manchmal spüren Angehörige erst wenn es zu spät ist, dass ihnen ein traditionell gestalteter Erinnerungsort fehlt. Außerdem: Das Betreten der Wiese ist nicht erlaubt; es gilt als Störung der Totenruhe. Immer wieder müssten Friedhofsmitarbeiter Angehörige bitten, das zu respektieren, erzählt Beate Scheefer. Sie empfiehlt allen Familien, solche Themen nicht zu verdrängen, sondern frühzeitig darüber zu sprechen.

Von Stephan Laude

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