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Eine Stunde im Fünf-Minuten-Museum

Das kleine Schäpe hat eine neue Attraktion Eine Stunde im Fünf-Minuten-Museum

Es ist eingerichtet wie Großmutters Wohnstube und besticht durch seine Winzigkeit. Das Fünf-Minuten-Museum, von dem hier die Rede ist, ist die neue Attraktion im kleinen Schäpe. Die Ortsbewohner gaben ihrem Museum diesen Namen, weil der Besucher die Schau fünf Minuten absolvieren kann. Doch wer sich genauer umschaut, braucht ein Stunde.

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Hartwig Remy mit Fotoalbum auf dem Sofa in Schäpes Fünf-Minuten-Museum.

Quelle: Jens Steglich

Schäpe. So stellt man sich das Landleben vor gut 100 Jahren vor: Der Dorflehrer hält sich Bienen, um sich mit dem Honigverkauf sein mageres Gehalt aufzubessern, auf der Dorfstraße läuft eine Kuhherde und im Schäper Gasthof schläft ein Mann in Schräglage auf seinem Stuhl, weil er zu tief ins Glas geschaut hat.

Solche und viele andere Bilder aus der Schäper Vergangenheit können sich Besucher jetzt in der neuen Attraktion des kleinen Ortes anschauen – im Fünf-Minuten-Museum, das durch seine Winzigkeit besticht. Gäbe es nicht schon in Nudow ein Mini-Museum, könnte man ohne Bedenken sagen: Schäpe hat das kleinste in Brandenburg. So aber bleibt die Frage unentschieden. Für die Schäper ist sie auch nicht von Bedeutung, schließlich heißt ihre Historien-Galerie mit Bedacht Fünf-Minuten-Museum, weil der Besucher die Schau in fünf Minuten absolvieren kann, wenn er will.

Er kann freilich auch genauer hinsehen, dann braucht er eine Stunde. Die Schäper haben ihr gerade eröffnetes Museum wie Großmutters Stube eingerichtet – mit alten Sofa, Sessel, Tisch und Kommode. Wer auf dem Sofa Platz nimmt, kann im Schäper Fotoalbum blättern, das auf dem Tisch liegt. Und wer von den Bildern nicht genug kriegen kann – im Museum gibt es fünf Fotoalben.

Hereinspaziert

Hereinspaziert: Schäpes kleines Museum hat in der Saison täglich geöffnet. Bis 1964 war dort die alte Schmiede drin.

Quelle: Jens Steglich

Das Museums-Häuschen war bis 1964 Schäpes alte Schmiede. Spargelbauer Josef Jakobs, dem das Gebäude heute gehört, hat es kostenfrei zur Verfügung gestellt, sagt Hartwig Remy, Vorsitzender des Fördervereins Schinkel-Kirche Schäpe. Mitstreiter des Vereins waren maßgeblich an der Verwandlung der alten Schmiede in ein Museum beteiligt. In der Saison ist es täglich geöffnet. „An den ersten Wochenenden war schon großer Andrang, manchmal bildeten sich sogar Schlangen“, so Remy. Gestaltet hat das Museum vor allem die Schäperin Susanne Noé. Auf den Geschichtstafeln an der Wand hat sie die Ortshistorie ins große Weltgeschehen eingebettet. Wie es sich gehört, steht oben die Dorf- und unten die Weltgeschichte. So erfährt der Besucher, dass Friedrich der Große 1773 in Schäpe 60 Maulbeerbäume zur Seidenraupenzucht pflanzen lässt und 1797 der erste Gasthof im Ort eröffnet. Zugleich überquert James Cook als erster Mensch den südlichen Polarkreis und in Venedig dankt der letzte Doge ab. Und während in Schäpe Mitte des 19. Jahrhunderts eine Schule gebaut und der Kirchturm eingeweiht wird, kommt es in München wegen einer Bierpreiserhöhung zu schweren Ausschreitungen und in Großbritannien geschieht der erste Mord in einem Zugabteil.

Eine schöne Geschichte, die man noch nicht nachlesen kann, rankt sich um das neue Fenster im Museum, das den Blick auf die Schinkel-Kirche freigibt. Glaser Gauruhn aus Brück hat es gemacht, ein Nachfahre von Albert Gauruhn, den die Schäper 1948 fragten, ob er die im Krieg zerstörten Fenster ihres Gotteshauses durch neue ersetzen könnte. Unter einer Bedingung sagte er zu: Die Schäper sollten das Geld vorher geben, schließlich musste er das Glas bezahlen. 800 Mark sammelten sie für ihn zusammen. Dann kam die Währungsreform und aus 800 Mark wurden 80 Mark. Der Glaser wollte eine Nachzahlung haben, die Schäper lehnten ab. Hartwig Remy weiß, wie der Streit ausging: „Am 1. Oktober 1949 kam Herr Gauruhn und setzte die Scheiben trotzdem ein.“

Von Jens Steglich

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