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„Eine Umgehungsstraße hat nicht nur Vorteile“

Geltows Ortsvorsteher im Interview „Eine Umgehungsstraße hat nicht nur Vorteile“

Die Bundesstraße 1 ist für Geltow seit jeher Fluch und Segen. Seit dem Start des Modellversuchs Zeppelinstraße und den teils kilometerlangen Staus geht in dem Ortsteil die Angst um, dass der Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“, für den lange gekämpft werden musste, auf der Kippe steht. Ortsvorsteher Heinz Ofcsarik erklärt, was auf dem Spiel steht.

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Der Stau auf der Zeppelinstraße weitet sich speziell im Berufsverkehr oft auch nach Geltow aus.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Geltow. Seit 2012 ist der Ortsteil Geltow „Staatlich anerkannter Erholungsort“ – Ferch und Caputh tragen den Titel schon zwei Jahre länger. Grund für die Verspätung war die Belastung durch die Bundesstraße 1, die mitten durch Geltow führt und für viel Lärm und Abgase sorgt. Der Landesfachbeirat für Kur- und Erholungsorte hatte nach einer einjährigen Messung an der B 1 festgestellt, dass die Abgaswerte unter der erlaubten Grenze liegen. Im Nachgang dieser Untersuchung wurde das Tempolimit in der Nacht auf 30 Stundenkilometer reduziert. Nun geht in Geltow die Sorge um, dass der Titel mit dem durch den Modellversuch Zeppelinstraße verursachten Stau, auf der Kippe steht. Ortvorsteher Heinz Ofcsarik (Bürgerbündnis) erklärt im MAZ-Interview, wie bedeutend der Titel ist.

Ortsvorsteher Heinz Ofcsarik kennt die Problematik B 1 und Zeppelinstraße schon seit vielen Jahren

Ortsvorsteher Heinz Ofcsarik kennt die Problematik B 1 und Zeppelinstraße schon seit vielen Jahren.

Quelle: Luise Fröhlich

Wie sehr leidet Geltow unter dem Stau an der Zeppelinstraße?

Natürlich sind die Geltower, besonders die Bewohner an der B 1, in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Wie ich es mitbekommen habe, gibt es zwei Stoßzeiten am Morgen, ganz früh und ab 8.30 Uhr. Ob die Autos jedes Mal bis nach Geltow rein stehen, weiß ich nicht, da ich selbst meist nicht um diese Zeit unterwegs bin. Ob und wann die Luftschadstoffbelastung bei der Verteidigung des Titels staatlich anerkannter Erholungsort noch mal überprüft werden muss, weiß ich auch noch nicht. Wir waren jedenfalls damals, als es darum ging, dass alle drei Orte in Schwielowsee gleichzeitig den Titel bekommen sollten, sehr enttäuscht, als wir zurückgestellt wurden.

Haben Sie denn Verständnis für den Modellversuch?

Ich verstehe es schon, aber ich hoffe, dass der Baubeigeordnete von Potsdam, Bernd Rubelt, gemerkt hat, dass die Gemeinde Schwielowsee auch bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen. Ich hoffe, dass in Zukunft bessere Vorabsprachen stattfinden. Ob der Versuch erfolgreich ist, wird am Ende die Zeit zeigen.

Viele Pendler aus dem Umland sehen die letzte Hoffnung in einer Umgehungsstraße. Seit vielen Jahren wird schon darüber diskutiert. Wie denken Sie darüber?

Schon 1959, als ich nach Geltow kam und hier als Lehrer angefangen habe, gab es die Überlegung südlich der B 1 eine Straße zu bauen, aber das wäre viel zu teuer gewesen, da man erst hätte eine Trasse legen müssen. Mittlerweile sind viele Häuser gebaut worden, nördlich der B 1 müsste man eine Brücke über die Havel spannen – wo soll die Straße also hin? Deshalb ist die Sache aus meiner Sicht gestorben. Eine Umgehung hat außerdem nicht nur Vorteile.

Wie meinen Sie das?

Na ja, wenn jemand ein Geschäft eröffnet, dann an der B 1. Für die Gewerbetreibenden ist es einfach eine Handelsstraße. Als die B 1 im Zuge der Sanierung mal voll gesperrt war und die Autos über Wildpark-West umgeleitet wurden, hat sich das für sie schon sehr bemerkbar gemacht. Rewe baut auch nur in Geltow, weil der Standort direkt an der B 1 ist. Für die Unternehmer ist die Straße nicht schlecht, für die Anwohner ist sie hingegen belastend.

In Geltow mangelt es an Gasthäusern

Was stünde für Geltow auf dem Spiel, sollte der Titel Erholungsort verloren gehen?

Ein staatlich anerkannter Erholungsort hat schon ein gewisses Renommee. Man bekommt bestimmte Fördermittel, die den Tourismus unterstützen, nur mit diesem Titel. Aber auch die Kurtaxe lässt sich nur mit ihm begründen. Die Einnahmen aus der Kurtaxe fließen wiederum ausschließlich in die Förderung des Tourismus, zum Beispiel in die Sanierung der Radbrücken. Ich sage immer, was für den Tourismus gut ist, ist auch für den Bürger gut. Außerdem ist der Titel Erholungsort ein Aushängeschild für Hotels, es zieht natürlich viele Radfahrer und auch andere Individualtouristen nach Geltow.

Welche Kriterien haben dafür gesorgt, dass Geltow den Titel bekam?

Das Highlight in unserem Ort ist die Handweberei, das ist einfach was Besonderes, nicht nur als touristisches Ziel. Wir haben außerdem kulturelle Veranstaltungen in der Kirche, drei bis vier Chorauftritte und auch der Heimatverein sorgt für Kultur, indem er die nunmehr dritte Ausstellungen im Heimathaus zeigt. Der Sportverein zum Beispiel bietet Freizeitkegeln an. Dennoch: Caputh und Ferch sind stärker als wir, sie haben die Caputher Musiken, den Bonsaigarten oder die vielen Künstler. Wir haben jetzt versucht, mit einer Leihgabe des Künstlers Hans-Ulrich Kittelmann den Wimmerplatz etwas aufzuwerten. Nach meiner Auffassung mangelt es in Geltow allerdings noch an Ferienwohnungen und Hotels.

Der Modellversuch Zeppelinstraße

Für sechs Monate

Im Juni begannen die Markierungsarbeiten, seit Juli läuft der Modellversuch offiziell. Versuche aus der Politik, die Einengung auf drei Monate zu verkürzen, scheiterten.

Seit Jahren hat die Stadt Potsdam Probleme mit der Luftschadstoffbelastung in der Zeppelinstraße. Mit der Einengung sollen Pendler dazu bewegt werden, das Auto stehenzulassen und auf Bus, Bahn oder Fahrrad umzusteigen.

Heftige Kritik gab es aus dem Umland, unter anderem auch vom Landrat Wolfgang Blasig (SPD).


Von Luise Fröhlich

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