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Potsdam-Mittelmark Eine grüne Insel für die Feldlerche
Lokales Potsdam-Mittelmark Eine grüne Insel für die Feldlerche
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13:21 06.06.2017
Am enthüllten Schild der Feldlerchen-Oase: Ornithologe Manfred Pohl, Flächenpächterin Nadine Adrian und Landwirt Gerhard Jochen (v.l.). Quelle: Jens Steglich
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Beelitz

Das hat Ornithologe Manfred Pohl noch nicht erlebt: Ein Landwirt ruft an und erzählt, er wolle etwas für die Feldlerche tun und dauerhaft vier Hektar als Lebensraum für den bedrohten Bodenbrüter zur Verfügung stellen. Der Anruf löst Freude aus: „Als ich das hörte, dachte ich: Da muss ich hin“, erzählt Pohl, der stellvertretender Vorsitzender des Potsdamer Naturschutzbundes (Nabu) ist. Jetzt wurde die Ankündigung wahr: Der Beelitzer Landwirt Gerhard Jochen übergab vier Hektar in der Nähe der B 2 an Jung-Landwirtin Nadine Adrian. Im Pachtvertrag hat er die Bedingung formuliert, dass vom 1. April bis 30. Juni die Fläche nicht genutzt werden darf. Das ist die Zeit, in der Feldlerchen brüten. Danach kann die Pächterin, eine studierte Agrarwissenschaftlerin, auf den Wiesen ihre Pferde weiden lassen. Der Pachtvertrag gilt unbefristet und ist nur hinfällig, wenn gegen die Bedingungen verstoßen wird.

Auf den Flächen, auf denen Jochen ursprünglich eine Streuobstwiese anlegen wollte, bekommen die Feldlerchen einen dauerhaften Rückzugsort. Die vier Hektar sind bereits eine grüne Insel zwischen folienüberspannten Spargelfeld und Roggenschlag. Auf Jochens Wildblumen-Wiese lebt die Feldlerche längst, und nicht nur sie. „Bei so einem Anblick geht einem das Herz auf“, sagt Ornithologe Pohl. Der Vogelexperte lenkt beim Übergabe-Termin immer wieder die Aufmerksamkeit auf die Vogelwelt, die sich dort breit gemacht hat: „Sehen Sie das, dort sitzt eine Schafstelze.“ Zwei Minuten später: „Da, eine Feldlerche, und hinten hört man eine Grauammer.“ Und dann schwebt auch noch ein Roter Milan über der Wiese. „Frisst der kleine Feldlerchen“, fragt der Landwirt. Nein, sagt der Ornithologe: Der Milan frisst Mäuse.

Gerhard Jochen hatte in einem MAZ-Artikel den Alarmruf des Vogelexperten gelesen: Der Bestand der Feldlerchen sei in der Region um 90 Prozent zurückgegangen. „Ich habe erstmal nach Schuldigen gesucht“, erzählt Jochen. Die Suche hat er aufgeben. Stattdessen schaltete er eine Anzeige: Suche Fläche für Feldlerchen-Projekt. „Niemand hat sich gemeldet.“ Daraufhin entschließt er sich, eigene Flächen bereitzustellen. An der Weide steht jetzt ein Schild: „Feldlerche! Bitte die Flächen nicht betreten und Hunde anleinen!“ Warum die Feldlerche rar geworden ist, weiß Pohl: Eine Ursache ist die intensive Landwirtschaft, die kaum noch Raum für sie lässt Der wirtschaftliche Druck führt etwa dazu, dass Weiden mehrfach gemäht werden. Das Grün wird fürs Vieh oder die Biogasanlage gebraucht. Beim Mähen werden Gelege oft zerstört oder freigelegt. Dann schlagen Fuchs oder Waschbär zu. „Waschbären sind zur Bedrohung der Vogelwelt geworden“, so Pohl.

Dass die mit Büschen durchsetzte Wiese zum Tummelplatz für Vögel geworden ist, liegt auch an den Insekten, die auf Blühflächen unterwegs sind. Der Ornithologe nennt den Einsatz des Landwirts „eine Pionierleistung“. Jochen gibt der Pächterin noch den Rat: „Immer auf den enkeltauglichen Umgang mit der Erde achten.“ Was Pohl für einen Namensvorschlag für die Feldlerchen-Oase nutzte: Sie sollte „Rubi-Wiese“ heißen. Rubi ist der Name seiner Enkelin, die Freitagnacht das Licht der Welt erblickt hat. „Rubi soll die Feldlerche auch noch in natura kennenlernen“, sagt ihr Opa.

Feldlerche steht seit 2007 auf der Roten Liste

Die Feldlerche wird etwa 18 bis 19 Zentimeter groß und ernährt sich von Insekten, Spinnen und Pflanzenteilen.

Der Feldlerchenbestand nimmt europaweit ab. In Deutschland steht die Feldlerche seit 2007 auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel.

Der Bodenbrüter findet auf landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht mehr genügend geeignete Brutplätze.

„Für Landwirte, die den ökonomischen Druck haben, ist es schwierig, etwas für den Erhalt der Artenvielfalt zu tun“, sagt Landwirt Gerhard Jochen. „Hier müsste der Staat eingreifen und Anreize über Förderung schaffen“, so Jung-Landwirtin Nadine Adrian.

Von Jens Steglich

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