Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Eine kleines, feines Museum für die Feuerwehr
Lokales Potsdam-Mittelmark Eine kleines, feines Museum für die Feuerwehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:11 13.09.2018
Nach 50 Jahren im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr: Werner Gerwenat führt durch das kleine Museum und kann viel erzählen. Quelle: Tobias Wagner
Nahmitz

Mitte in Nahmitz, einem Ortsteil von Kloster Lehnin, befindet sich zwischen der Kirche und dem alten Schulhaus das ehemalige Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr. Seit 2007 beherbergt das Gebäude mit dem markanten Schlauchturm eine Dauerausstellung mit vielen historischen Gerätschaften zur Brandbekämpfung und dokumentiert auf Schrifttafeln und Fotos die Geschichte der Ortswehr Nahmitz.

Im alten Gerätehaus neben der Nahmitzer Kirche befindet sich seit elf Jahren eine Dauerausstellung mit verschiedenen Exponaten zur Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes.

„Die Ausstellungsstücke stammen alle ausnahmslos aus dem Ort“, sagt Werner Gerwenat (74). Er hatte den Nahmitzer Feuerwehrverein zwischen 1994 und 2014 geleitet. Gerwenat stand selbst 50 Jahre im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr und gehört mittlerweile zu deren Alters- und Ehrenabteilung.

Gerwenats lange Karriere im Dienst der Brandbekämpfung umfasst jedoch nur einen kleinen Abschnitt der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr in Nahmitz. Die Anfänge reichen zurück ins Jahr 1821. Aus diesem Jahr stammte eine Handdruckspritze, die in den letzten Kriegstagen 1945 zerstört worden ist. Der Bau des Gerätehauses ist zeitlich jedoch nicht mehr nachzuvollziehen. Historische Bilddokumente von 1930 zeigen den Bau noch ohne den heutigen charakteristischen Schlauchturm.

Nach dem Machtantritt der Nazis 1933 wurden über all in Deutschland freiwillige Feuerwehren gebildet oder vorhandene Strukturen gestärkt. Rund um die Stadt Brandenburg betraf dies 12 Feuerwehren, darunter die Nahmitzer Feuerwehr.

Fotos aus der Vergangenheit

Ein Jahr später, am 1. Oktober 1934, erhielt die Nahmitzer Wehr eine neue Motorspritze. Zu diesem Anlass entstand 1935 eine von etlichen Gruppenaufnahmen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Diese Aufnahmen aus den Jahren zwischen 1935 und 1965 machen die Entwicklung der Wehr nicht nur in der Gruppenstärke deutlich. „Die Feuerwehrmänner sahen damals noch deutlich fescher in ihren Uniformen aus“, sagt Gerwenat und schmunzelt.

Teil der Ausstellung ist die Glocke des Nahmitzer Ausbimmlers Paul Große. Er war ab 1940 Gemeindediener, Nachtwächter und Kirchendiener in der Gemeinde. Zu seinen Aufgaben gehörte als Autoritätsperson die mündliche Verbreitung amtlicher Bekanntmachungen und sonstiger Angelegenheiten durch Ausrufen an festgelegten Stellen im Dorf.

Übermittler amtlicher Nachrichten

Auf seinen Runden kündigte er durch ständiges Läuten dieser Glocke die Mitteilungen an, bevor diese Übermittlung in den 50er Jahren durch Aushänge vor dem Bürgermeisteramt ersetzt wurde.

Ende April 1945 schoss die Rote Armee das Gerätehaus in Nahmitz in Brand, nachdem es als Lager für Panzerfäuste der Waffen-SS herhalten musste. Der Wiederaufbau mit Trockenturm erfolgte 1947. Dieser Turm hat eine Höhe von 10 Metern und dient zum Trocknen der 20 Meter langen Feuerwehrschläuche nach dem Einsatz.

Altes Gerätehaus neu eingedeckt

Mit dem Bau eines neuen Gerätehauses 1973 auf einem Gemeindegrundstück hinter der Kanalbrücke in Nahmitz hatte das ursprüngliche Feuerwehrgebäude im Dorfzentrum fortan keinen Nutzen mehr. Erst 1993, in Vorbereitung der Jubiläen zum 800. Geburtstag der Gemeinde sowie 60 Jahre Feuerwehr, wurde das alte Gerätehaus im Dorfzentrum neu eingedeckt und der Schlauchturm mit neuen Brettern belegt.

Ein Schutzanstrich und die Farbgebung des Tores komplettierten die Instandsetzung. „Alle fünf, sechs Jahre wird der Anstrich erneuert“, sagt Gerwenat. Zudem kümmern sich zwei Feuerwehrmitglieder der Alters- und Ehrenabteilung um die Ausstellung während der Öffnungszeiten. „Das sind die, die nicht mehr bei den Jungen mit rennen können“, sagt Gerwenat.

Im Sommer 2007 hat der Nahmitzer Feuerwehrverein im alten Spritzenhaus eine Dauerausstellung zur Geschichte der örtlichen Feuerwehr eingerichtet. Quelle: Heiko Hesse

Sie sorgen dafür, dass die Gerätschaften der Ausstellung im richtigen Licht erscheinen. Dazu gehören des weiteren technische Ausrüstungsgegenstände wie Sturmhaken, Armaturen, Einsatz- und Dienstkleidung aus DDR-Zeiten sowie Dienstausweise und Einsatzbücher.

Die Lenzpumpe 20/3 von 1961 ist sogar noch voll betriebsbereit. Das Gerät wurde zum Auspumpen von Kellern und bei der Wasserförderung über lange Wegstrecken genutzt. Mehr als ein Jahr restaurierten Kameraden der Feuerwehr das alte Stück.

Ein weiteres Alarmierungsmittel zieht vor allem junge Gäste in seinen Bann. „Am interessanten finden die Kinder das alte Horn aus den 1950er Jahren“, sagt Gerwenat. Das Horn wurde ähnlich wie die Glocke des Ausbimmlers eingesetzt: Kam es zu einem Alarm, fuhr ein Feuerwehrmann auf einem Fahrrad durch das Dorf, blies auf dem Horn und alarmierte so die Einwohner. „Früher war das alles aber nicht so schlimm wie heute“, erinnert sich Gerwenat. „Damals kam es höchstens mal zu einem Wald- oder Stallbrand.“

Das hätte sich mit dem Bau der Autobahn geändert, die direkt an Nahmitz vorbeiführt. Dort knalle es regelmäßig, bedauert Gerwenat. Seinen größten Einsatz hatte der ehemalige Feuerbekämpfer in den 70er Jahren in Netzen. „Bei einem Scheunenbrand kamen Feuerwehren aus Einsatzbereichen wie Trechwitz, Grebs, Prützke und auch wir aus Nahmitz zum Einsatz“, sagt Gerwenat.

Sein jetziger Einsatzbereich ist die Ausstellung im alten Gerätehaus. „Viele Gäste haben wir nicht“, sagt er. „Einige Radfahrer bleiben stehen und schauen hinein – manchmal kommen Schulklassen zu Besuch.“ Dann schallt wieder das Alarmhorn durch Nahmitz. Die Zeiten, in denen man bei diesem Klang jedoch Angst bekommen muss, sind glücklicherweise vorbei.

Adresse und Öffnungszeiten

Die Dauerausstellung „Geschichte der Ortswehr Nahmitz“ befindet sich in 14797 Kloster Lehnin, OT Nahmitz, im alten Spritzenhaus neben der Kirche.

Das Museum ist zwischen Mai und Oktober jeden Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet – nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten.

Der Eintritt ist frei.

Das Museum ist barrierefrei.

Führungen werden nach Voranmeldung angeboten. Anmeldungen sind möglich unter 03382/702612.

Von Tobias Wagner

Die Stadt Teltow hat – wie erwartet – im Hafenstreit mit der Universität Bremen vor Gericht verloren. Damit bleibt Teltow auf den Kosten der Bodensanierung sitzen, die vielleicht gar nicht im getätigten Ausmaß nötig gewesen ist.

12.09.2018

Der alte Mühlenfließ in der Spargelstadt Beelitz wird nicht wiedererrichtet. Das hat jetzt das Landesumweltamt der Stadt mitgeteilt. Offenbar waren die Kosten zu hoch.

12.09.2018

Fallschirmjäger einer Spezialeinheit riskieren Kopf und Kragen. Sie bringen einen Diplomaten aus einer Krisenregion nach Deutschland zurück. Plötzlich fallen Schüsse in der Ortskampfanlage Lehnin. Zum Glück ist alles nur eine Übung.

12.09.2018