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Eine zweite Chance auf den Traumberuf

Beelitz Eine zweite Chance auf den Traumberuf

Ingo Schramm ist einer von drei Jugendlichen, die seit September in Beelitz ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Die Stadtverwaltung hatte sich in diesem Jahr erstmals entschlossen, den Freiwilligendienst in den Schulen beziehungsweise Kindereinrichtungen der Stadt auszuprobieren. Der 20-Jährige unterstützt das Team der Kita Am Park.

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Die Kinder der Beelitzer Kita Am Park haben Ingo Schramm sofort in ihre Reihen aufgenommen.

Quelle: H. Helwig

Beelitz. Ingo Schramm ist einer von drei Jugendlichen, die seit September in Beelitz ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Die Stadtverwaltung hatte sich in diesem Jahr erstmals entschlossen, den Freiwilligendienst in den Schulen beziehungsweise Kindereinrichtungen der Stadt auszuprobieren. Der 20-Jährige unterstützt das Team der Kita Am Park in Beelitz in der täglichen Kinderbetreuung. „Ich wollte schon als Kind gern Erzieher werden“, sagt der Wiesenburger.

Doch in seiner Schulzeit bestärkten ihn seine Lehrer nicht gerade in seinem Berufswunsch. „Mit deinem Zeugnis wird das nie was“, hatten sie Schramm beim Abschluss der zehnten Klasse vorgehalten. Auch Kitaleiterin Marianne Schumach war erst einmal skeptisch, als sie die Bewerbungsmappe mit dem Lebenslauf und den Noten des jungen Mannes in ihren Händen hielt. „Ich wollte aber den Menschen persönlich kennenlernen und mir selbst meine Meinung über ihn bilden.“

Schumach bereut ihre Entscheidung nicht. Ingo Schramm ist bei ihren Kolleginnen und wohl noch mehr bei den Kindern sehr beliebt. „Vom ersten Tag an setzte er sich direkt zu ihnen, beschäftigte sich mit ihnen und wurde von ihnen sofort angenommen“, berichtet die Kitaleiterin. Schramm baut mit den Kindern Buden, malt mit ihnen und liest ihnen aus Büchern vor. Die Drei- bis Sechsjährigen finden ihn „cool, weil er so groß ist“, und mancher fragt ihn, ob er ihn zum Freund haben kann. „Dann muss ich ihnen immer erklären, dass ich der Freund von allen bin“, sagt Schramm. Die Erzieher loben seine Pünktlichkeit, obwohl er einen Arbeitsweg von fast anderthalb Stunden mit dem Zug und dem Bus hat, und seine Zuverlässigkeit – Eigenschaften, die heute unter Jugendlichen längst nicht selbstverständlich sind.

Auch Ingo Schramm lebte einst in den Tag hinein und gab sich mit falschen Freunden ab, erzählt er selbst über sich. Eine begonnene Ausbildung zum Koch in Reetzerhütten brach er bald aus persönlichen Gründen ab. Die Agentur für Arbeit in Bad Belzig vermittelte ihn zum Internationalen Bund (IB), bei dem sich der 20-Jährige für das Freiwillige Soziale Jahr bewarb. „Beelitz war für mich der nächste Ort. Alternativen hätte es nur noch in Potsdam oder in Brandenburg an der Havel gegeben.“

Schramm freut sich über diese zweite Chance, doch noch seinen Traumberuf ergreifen zu können. In den Kindern hat er neue, wirkliche Freunde gefunden, bekennt er. „Sie sind unvoreingenommen und haben keine Vorurteile. Sie sagen ehrlich, was sie denken.“ In Seminarveranstaltungen des Internationalen Bundes, die an einzelnen Tagen sowie in zwei Wochenblöcken hauptsächlich in Potsdam stattfinden, macht sich der Wiesenburger mit den ersten pädagogischen Grundlagen sowie mit rechtlichen Grundfragen seines künftigen Berufes vertraut. In der zweiten Hälfte seines Freiwilligendienstes will er sich für ein Studium an der Akademie für Sozial- und Gesundheitsberufe in Beelitz-Heilstätten bewerben. Dort wird er sich zunächst zwei Jahre lang zum Sozialassistenten ausbilden lassen, bevor er ein dreijähriges Studium zum Erzieher aufnehmen kann.

„Meine Arbeit in der Kita könnte meine Chancen auf einen Studienplatz vielleicht erhöhen“, erhofft sich Ingo Schramm von seinem Freiwilligendienst. Kitaleiterin Marianne Schumach will seine Bewerbung mit einer Beurteilung unterstützen. „Diesen Beruf muss man mit dem Herzen ausüben. Genau das macht der Ingo“, bestätigt sie dem möglichen künftigen Kollegen.

Die Kita Am Park hat gute Erfahrungen in der Arbeit mit FSJ-lern

In Beelitz arbeiten neben Ingo Schramm in der Kita am Park noch zwei weitere Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in der Kita „Kinderland“ beziehungsweise im Hort der Diesterweg-Grundschule in Beelitz.

Das Freiwillige Soziale Jahr können junge Leute im Alter von 16 bis 27 Jahren absolvieren.

Die Dauer des Freiwilligendienstes kann zwischen sechs und 18 Monaten liegen. In der Regel werden allerdings zwölf Monate vereinbart.

Der Freiwilligendienst von Ingo Schramm endet im August 2018.

Der Stadtverwaltung liegen nach eigenen Angaben bereits drei neue Bewerbungen vor.

Die Kita Am Park in Beelitz hat bereits gute Erfahrungen in der Arbeit mit sogenannten FSJ-lern aus früheren Jahren.

Als Konsultationskita bildet die Einrichtung auch sogenannte Praxisanleiter aus, die wiederum andere Erzieher weiterbilden.

In der Einrichtung betreuen zwölf Erzieher etwa 90 Kinder, davon 61 Kinder in einem Alter von null bis sechs Jahren.

Das pädagogische Konzept orientiert sich am sogenannten Infans-Konzept aus der Schweiz, das von dem Soziologen Hans-Joachim-Laewen und der Erziehungswissenschaftlerin Beate Andres entwickelt wurde. Es setzt bei den Interessen der Kinder an und ermöglicht offene Angebote, statt streng abgeteilter Gruppenarbeit.

Von Heinz Helwig

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