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Einigung und Entrüstung zur Gesamtschule

Brück/Treuenbrietzen Einigung und Entrüstung zur Gesamtschule

Nach Monaten der Diskrepanzen ziehen die Städte Brück und Treuenbrietzen jetzt doch an einem Strang für ein neues Bildungsangebot im Süden Potsdam-Mittelmarks. In Sondersitzungen wurde ein Antrag für eine gemeinsame Gesamtschule mit Abiturstufe an zwei Standorten beschlossen. Dafür sieht jetzt jedoch die Schulaufsicht überraschend Bedenken.

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Brück und Treuenbrietzen ziehen nun an einem Strang für eine gemeinsame Gesamtschule im Süden des Kreises.

Quelle: Thomas Wachs

Brück/Treuenbrietzen. Neue Übereinstimmung und Tatendrang, aber auch allgemeine Enttäuschung herrschen aktuell bei Gremien, die sich in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren in Brück und Treuenbrietzen um den Aufbau einer Gesamtschule mit Abiturstufe für den Süden des Kreises Potsdam-Mittelmark bemüht haben. Vertreter von Verwaltungen, Schulen sowie Eltern und Stadtverordnete sind entrüstet. Anlass sind Signale aus dem Staatlichen Schulamt. Demnach werden dort sowie im Bildungsministerium des Landes nun überraschend Probleme gesehen, die sich aus einer gemeinsamen Schule beider Nachbarkommunen ergeben würden. Auf diese Kooperation haben sich die Städte Brück und Treuenbietzen nämlich nun geeinigt. Ein Schule mit zwei Trägern sei jedoch laut Schulgesetz nicht genehmigungsfähig, heißt es jetzt vom Schulamt.

Diese Variante zur Kooperation des Gymnasiums „Am Burgwall“ in Treuenbrietzen mit der Oberschule Brück war nach Monaten der gescheiterten Bemühungen um je eigene Gesamtschulen Anfang März vom Kreistag als Bedingung für eine Änderung des Schulentwicklungsplanes beschlossen worden. Als Frist zur Entscheidung war der 1. Juni gesetzt. Nun haben die Vertreter aus Brück und Treuenbrietzen ihre von beiden Seiten eingeräumten Differenzen überwunden. Das bekräftigten Vertreter beider Orte am Dienstagmorgen bei einem gemeinsamen Gespräch gegenüber der MAZ.

Kooperation hat nun Priorität

Am Abend zuvor hatten sowohl die Brücker als auch die Treuenbrietzener Stadtverordneten in Sondersitzungen beschlossen, einen gemeinsamen Antrag für eine Gesamtschule an zwei Standorten zu stellen. Sie soll möglichst zum Schuljahr 2018/19 gleichzeitig in der Sekundarstufen I und II starten. Der Antrag werde am Freitag persönlich im Bildungsministerium übergeben. Dort muss schließlich über den landesweit bislang noch ungewöhnlichen Weg der Kooperation entschieden werden.

Insgesamt soll es das Konzept ermöglichen, allen Schülern der Region wohnortnah ein breites Bildungsangebot zu machen, das nun auch die allgemein im Land immer beliebter werdende Gesamtschule mit 13 Jahren bis zum Abitur ermöglicht, betonen die Akteure. Damit sollen Schüler im ländlichen Raum die gleichen Chancen erhalten, wie im Norden des Landkreises.

Zum gemeinsamen Konzept fanden seit April vier Beratungen statt – auch mit Vertretern aus Schulamt und Bildungsministerium.

Basierend auf der Empfehlung des Kreistages soll es die Sekundarstufen I ab der siebten Klasse an beiden Orten geben. Die Sekundarstufe II von der 11. bis 13. Klasse soll in Treuenbrietzen unterrichtet werden.

Beschlossen haben beide Städte auch Verträge zum gemeinsamen Betrieb der Schule sowie die Leitungsstrukturen. Sie sehen für das neue Modell auch einen zusätzlichen Schulmanager vor, der die Projektphase koordinieren und Probleme lösen soll.

Allgemein anerkannt sind die Schülerzahlen, die für beide Standorte langfristig jeweils mindestens eine Zweizügigkeit ermöglichen.

Erfolgt für den gemeinsamen Antrag bis zum 1. Juli keine Genehmigung, will die Stadt Treuenbrietzen ihren Antrag zur Einrichtung einer Gesamtschule allein am jetzigen Schulstandort des Gymnasiums „Am Burgwall“ aufrecht erhalten.

Kritik an formalem Vorgehen

„Die gemeinsame Gesamtschule ist ein Kompromiss, aber einer, der sich an den Bedürfnissen der Schüler orientiert und darauf kommt es an“, sagte Barbara Neupauer, amtierende stellvertretende Leiterin der Oberschule Brück in der SVV. „Es sei ein emotionaler Prozess der Annäherung gewesen „in dem uns klar wurde, dass eine Schule allein es nicht können wird.“

„Wir werden nun alle gemeinsam kämpfen“, sagte Michael Klenke (SPD), der die Brücker Arbeitsgruppe geführt hatte. Lothar Koch (SPD) schlug in der SVV vor, das Innenministerium als Aufsichtsbehörde einzuschalten. „Es könnte ein vorzeigbares Modell für den ländlichen Raum werden. Es ist gut durchdacht“, sagte der ehemalige Landrat. Er lobte das gemeinsame Konzept und kritisierte das formale Vorgehen aus dem Ministerium.

Kritik gab es auch in der Treuenbrietzener SVV. „Warum werden erst jetzt die vermeintlichen Probleme aus den Entfernung beider Standorte thematisiert“, sagt CDU-Fraktionschefin Anja Schmollack. Die angestrebte neue Schulform als Kooperationsmodell sollte beim Land in der Novellierung des Schulgesetzes berücksichtigt werden.

Frank Leopold (BIV) aus Marzahna sieht eine Gesamtschule mit der Möglichkeit zum Abitur in Wohnortnähe „als wichtigen Standortfaktor für die ganze Region“. Das dabei Reisekosten für Lehrer als Problem thematisiert werden, sei unangebracht. „Wer fragt denn die Schüler von unseren Dörfern, die schon heute lange Wege zu ihren Schulen haben“, bekräftigte Werner Schlunke (BIV). „Hier tragen oft Eltern und Großeltern die Kosten für einige Fahrten“, so der Abgeordnete aus Feldheim.

Bürgermeister Michael Knape (parteilos) hofft darauf, zum Herbst mit klaren Signalen in die Schüler-Werbung für das neue Schuljahr gehen zu können: „Das sind wir allen Eltern und Beteiligten schuldig, die über Jahre engagiert für den Erhalt des Gymnasium-Standortes und nun für die Gesamtschule gekämpft haben.“ Der Erhalt der Schulstandorte in Brück und Treuenbrietzen müsste auch aus finanzieller Sicht Priorität haben, „statt neue Kapazitäten finanzieren zu müssen“.

In Brück wie in Treuenbrietzen stehen auch die Schulkonferenzen hinter dem neuen Kooperationskonzept. Diana Specht engagiert sich als Elternvertreterin der Grundschule Treuenbrietzen aktiv in der Arbeitsgruppe für die Gesamtschule. „Wir sind enttäuscht, dass es keine früheren Rückmeldungen der Schulbehörden zu den Problemen gab, die nun plötzlich gesehen werden. Wenn die Gesamtschule nun schon wieder vertagt werden müsste, ist das eine Katastrophe vor allem für die betroffene Kinder und Familien“, sagte die Mutter zweier Kinder am Dienstag beim gemeinsamen Pressegespräch in Treuenbrietzen.

Aus Sicht des Schulamtes sei es günstiger, wenn die Schulträger in gemeinsamer Abstimmung versuchen, die Oberschule Brück und eine aus dem heutigen Gymnasium hervorgehende Gesamtschule in Treuenbrietzen zu erhalten und dabei kooperieren. Eine gemeinsame Schule an zwei entfernten Standorten werfe Organisationsprobleme und zusätzliche Kosten auf, unter anderem weil Lehrkräfte pendeln müssten, heißt es in protokollierten Antworten auf Anfragen aus der gemeinsamen Konzeptgruppe.

Zügige Entscheidung aus Potsdam erhofft

Diese Argumente lassen die Vertreter aus Brück und Treuenbrietzen nicht gelten. „Es ist ja wohl zumutbarer, zehn Lehrer fahren zu lassen, als 350 Schüler auf lange Wege zu schicken“, sagte Lars Nissen, Sozialamtsleiter im Amt Brück, am Dienstag in der Pressekonferenz. „Für uns hat jetzt der gemeinsame Antrag Priorität, um den demografischen Wandel im Sinne der Kinder der Region zu gestalten“, sagt Matthias Schimanowski (Pro Brück), Bürgermeister der Stadt Brück.

Auch Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape hofft auf eine zügige Entscheidung aus dem Ministerium, „welche die breite Unterstützung für die Gesamtschule in der Region nicht vom Tisch wischen und die diese nach unseren Problemen nun in konstruktiver Atmosphäre erzielte Einigkeit honorieren sollte“. Das Schulgesetz biete Spielraum für das neue Konzept, so Knape. „Das Ministerium legt das Gesetz aber destruktiv aus und uns jetzt plötzlich Steine in den Weg“, sagt Michael Klenke, Stadtverordneter aus Brück. Er sprach von einem „Bewusstseinswandel, für die gemeinsame Variante als bester Lösung für die gesamte Region“. Den Kreis sieht er in der Pflicht, die Mobilität der Schüler angemessen zu organisieren.

Die Vertreter beider Städte sowie auch des Kreises zeigten sich enttäuscht, dass weder das Bildungsministerium noch das Schulamt in den letzten zweieinhalb Jahren der Debatten zu dem Thema signalisiert hatten, dass die Errichtung einer Gesamtschule an zwei Standorten von der Schulaufsicht gar nicht genehmigt werden würde. „Eine klare Positionierung der Schulaufsicht hätte allen Beteiligten viel Zeit und Kraft erspart“, sagte Thomas Schulz, Sozialdezernent des Kreises, kürzlich in einer Beratung der Konzeptgruppe beider Orte.

Der gemeinsame Antrag soll letztlich auch dazu dienen, eine schriftliche Stellungnahme der Behörden zu erhalten. Bisher gebe es nur Sitzungsprotokolle aus den Arbeitsgruppen und telefonische Informationen.

Von Thomas Wachs und Andreas Koska

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