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Potsdam-Mittelmark Alter Sound mit nacktem Schlagzeug-Beat
Lokales Potsdam-Mittelmark Alter Sound mit nacktem Schlagzeug-Beat
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14:50 17.06.2016
Die Band 1967 im Klubhaus „Zum Stahlwerker“ in der Stadt Brandenburg: Uwe Schulz (jung verstorben), Bernd Bültermann, Franz Czaja , Wolf Bunge und Jörg Haseloff (v.l.n.r.). Quelle: privat
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Kleinmachnow

„Den Leuten soll es Spaß gemacht haben. Wir waren sehr stolz, aber wir waren auch geschafft – schon des Alters wegen.“ Dieses kurze, bescheidene Fazit zog Bernd Bültermann nach dem Auftritt der Band „Team 67“ beim diesjährigen Kleinmachnower Schleusenfest. Das Besondere: Bültermann (Rhythmusgitarre und Gesang) ist 67 Jahre alt und auch die anderen vier Männer zählen zur Gruppe 60+. Nach 51 Jahren war es der erste „richtig große öffentliche“ Auftritt, den die Rocker in ihrer alten Formation von 1965 bestanden haben. Davor hatten sie bereits Privatfeiern unterhalten, auf „hemmungslosen Feten“ in der Gartensparte gerockt.

Erst 2013 haben sich die Musikerfreunde aus der Schulzeit in Brandenburg/Havel wiederentdeckt und nach einem „Findungsprozess“ entschieden, langsam wieder mit gemeinsamen Proben zu beginnen. Sie wollen sich weder ihre Renten aufbessern, noch „eine späte Karriere machen“, sagt Bültermann. Die „wandelnden Ersatzteillager“, wie sich die Männer selbst gern nennen, „wollen als Hobby und zum Vergnügen einfach die Musik unserer Zeit machen“. Ohne viele Effekte und Raffinessen, wie sie heute so üblich sind, will man „dem Sound der damaligen Zeit so nah wie möglich kommen. Der nackige Beat soll vom Schlagzeug zu hören sein“, erzählt der gebürtige Brandenburger Bültermann, der 1972 nach Kleinmachnow gezogen ist. Für den langjährigen Lehrer und Leiter der Eigenherd-Schule war der Auftritt an der Schleuse besonders „aufregend“. Dabei sind er und Franz Czaja (Bandchef, Bass, Gesang), der ehemalige Dozent an der städtischen Musikschule in Brandenburg/Havel, die einzigen der Fünf, die seit Mitte der 1960er Jahre nie mehr die Instrumente aus der Hand gelegt und die Stimmbänder geschont haben. „Musik selber machen ist wie ein Virus, den ich in mir trage“, gesteht Bültermann bevor er beginnt, aus der Vergangenheit zu plaudern.

Als Anfang der 1960er-Jahre die Popmusik mit Einflüssen des Blues, des Rock‘n’ Roll und der Countrymusic aufkam, spielte die typische Band drei Gitarren und ein Schlagzeug. Großes Vorbild waren die Beatles. Mit der Musik entwickelte sich eine jugendliche Subkultur, die u. a. mit aggressiven Texten und Rhythmen ihr Unbehagen mit den gesellschaftlichen Zuständen zum Ausdruck brachte, aber auch mit Belanglosem nur einfach „ihre“ Musik machen und hören wollte. Im Gefolge dieser innerhalb kürzester Zeit die Charts erobernden Gruppen wie Small Faces, Alexis Corner und Rolling Stones entstanden weltweit unzählige Amateurbands. In der DDR war es fast unmöglich, an die entsprechenden Schallplatten zu kommen, von Noten und Texten ganz zu schweigen. So hörte man die Titel im Radio oder im TV (NDR-Beatclub) und versuchte – oft mehr schlecht als recht – die Melodien nachzuspielen und die Texte akustisch ähnlich wiederzugeben. So entstanden auch an der damaligen Erweiterten Goethe-Oberschule in Brandenburg mehrere Schülerbands. Die bekannteste war „Team 67“. Zusammengefunden hatten sich die Schüler schon 1965, aber erst 1967 nach der staatlichen Einstufung und damit der Spielerlaubnis für öffentliche Veranstaltungen nannten sie sich „Team 67“. Allen Widerständen zum Trotz wurde die Band mit Bültermann, Czaja, Wolf Bunge (Melodiegitarre, Gesang), Jörg Haselhoff (Sänger), Manfred Mohr (Schlagzeug) und Rolf Wolter (Technik) innerhalb weniger Monate eine feste Größe auf den Jugendtanzveranstaltungen in und um Brandenburg. Die Musik war echtes Handwerk. Die Säle waren ausverkauft, die Stimmung unglaublich.

Die „älteste Schülerrockband Europas“, das „Team 67" beim Schleusenfest: von links Bernd Bültermann (67),Jörg Haseloff (65), Wolf Bunge (65),Franz Czaja (65) und Manfred Mohr (67). Quelle: Bernd Gartenschläger

„Die Uniformen ließen wir uns in Anlehnung an die Beatles nähen“, erzählt Bültermann. Er selbst sei im Gegensatz zu den anderen Jungs „immer schon Stones-Fan“ gewesen. „Ich mag eher die ruppigere Musik“, so der 67-Jährige. Doch habe es bei der Auswahl der Titel „keine Kontroverse“ gegeben. „Die Musiklandschaft war so reich. Wir haben immer ein Programm vollbekommen.“ Wenn die Band zum Tanz gespielt hat, war sie zu dem DDR-typischen 40:60-Verhälnis verpflichtet: Mehr Eigenkompositionen und Ostrock statt zu viel aus dem Nichtsozialistischen Ausland. Da sich die Jungs aber „nie daran gehalten haben, war die Fangemeinde entsprechend groß“. Deshalb sei das Spielen aber auch mit „ständiger Angst“ verbunden gewesen. Irre Spaß gemacht hat’s trotzdem. Kraftfahrer von der damaligen Brandenburger Konsum KG oder Eltern brachten die Jungs mit ihren Instrumenten und den „relativ kleinen Verstärkern“ zur Mucke auf die Dörfer. „Alkohol hat in der Jugend keine Rolle gespielt, aber kräftig gequalmt haben wir alle“, erinnert sich Bültermann und dass „die Schule juckig war, wenn wir zu spät kamen“. 1970 – nach dem Abitur – verstreuten sich die Bandmitglieder in alle Winde und verloren sich aus den Augen. Nachdem dank des Internets alle Adressen wieder gefunden waren, begann Ende 2013 das gemeinsame Musik-Abenteuer von Neuem.

„Auch wenn die Finger etwas steifer sind und noch nicht jeder Griff perfekt sitzt und die Höhen beim Gesang dem Alter Tribut zollen, hier stehen fünf Verrückte auf der Bühne, die sich ihre Naivität bewahrt haben und mit großem Enthusiasmus ihren Jugendtraum vollenden“, sagte Franz Czaja zum Abi-Ball 2015 in Brandeburg. Da waren Bültermann, Bunge, Czaja, Haselhoff, Mohr und Wolter wieder an ihren Ursprung zurückgekehrt.

Bernd Bültermanns ganz persönliche Bandgeschichte führt ohne Unterbrechungen über Potsdam und die Bands „Terra Fox“, „Mladost“ und „Unicum“ durch die letzten Jahrzehnte. Seit 2006 spielt er mit Tochter Ulrike Rühlemann und Dieter Hoffmann in der Kleinmachnower Band „Ulrike und DieBe“. Und natürlich weiter mit den rockenden Rentnern im „Team 67“. Heute raucht übrigens keiner mehr von ihnen!

Info: Die nächsten öffentlichen Auftritte von „Team 67“ finden am 18. Juni in Butzow und am 7. August beim Rempliner Kultursommer statt

Von Claudia Krause

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