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Einwohner kämpfen gegen Schweinemast

Beißender Gestank in Schwanebeck Einwohner kämpfen gegen Schweinemast

Im Bad Belziger Ortsteil Schwanebeck hält der Kampf gegen zwei Schweinemastanlagen an. Anwohner wehren sich gegen beißenden Gestank und störende Geräusche von Lüftungsanlagen. Mittlerweile bröckelt jedoch die Front der Gegner. Denn das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sieht keine Handhabe, gegen die Tierzuchtbetriebe vorzugehen.

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Anwohnern von Schwanebeck stinkt es von zwei Schweinemastanlagen.

Quelle: Foto: Uwe Klemens

Schwanebeck. Nur der Regen ließ viele Schwanebecker Einwohner jetzt kurz auf- und durchatmen. Hat er doch nicht nur die drückende Hitze vertrieben, sondern vor allem den beißenden Güllegestank aus der Luft weggespült. Die Verursacher der Gestanks sind zwei Schweinemastbetriebe im Ort. Direkt an die Wohnbebauung grenzt die Anlage von Dirk Balmer. Dort sollen mehr als 1500 Schweine gemästet werden. Die wesentlich größere Anlage befindet sich zwischen Schwanebeck und Baitz. Dort ist der Agrarbetrieb Van den Borne tätig, der etwa 9000 Tierplätze betreiben soll. Gegen die Mastanlagen kämpft seit mehr als zehn Jahren eine Bürgerinitiative um die Anwohner Eberhardt Boese und Siegfried Spiewok. Die beiden scheinen inzwischen die einzigen zu sein, die immer wieder auf Missstände hinweisen. Eine breite Widerstandsfront ist in Schwanebeck kaum noch spürbar.

Vor allem die Stellungnahmen des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz erzürnen (LUGV) die Aktivisten. „Die Tierzahlen werden regelmäßig überprüft. Die Anzahl der Plätze hat sich in den vergangenen Jahren von ehemals mehr 17 000 zum Zeitpunkt der Altanlagenanzeige im Jahr 2003 auf aktuell  8396 reduziert“, erklärt Thomas Frey auf MAZ-Anfrage. Der Sprecher des LUGV betont, dass aufgrund der Anforderungen der Tierschutz-Nutztierhalterverordnung Veränderungen bei der Haltung der Schweine erforderlich geworden sind. Unter anderem muss den Tieren mehr Platz geboten werden.

Der Agrarbetrieb Van den Borne betreibt etwa 9000 Zuchtplätze in Schwanebeck

Der Agrarbetrieb Van den Borne betreibt etwa 9000 Zuchtplätze in Schwanebeck.

Quelle: Andreas Koska

„Folglich hat der Betreiber der genannten Anlage zwei ehemalige Lagerräume umgenutzt, um die neuen Auflagen erfüllen zu können. Dies ging nicht mit einer Bestandserhöhung einher“, so Frey. Dem widerspricht Boese. „Es wurden schon vor zehn Jahren Lagerräume ohne Baugenehmigung zu Ställen ausgebaut, das ist baugenehmigungspflichtig“, ist der Anwohner überzeugt. Offenbar hat er Recht. Denn Anfang des Jahres hat die Van den Borne Agrarbetrieb GmbH auf Veranlassung des LUGV einen Umnutzungsantrag gestellt. Sowohl die Ortsbeiräte in Schwanebeck und der im benachbarten Fredersdorf, als auch die Stadt Bad Belzig haben sich gegen die Erteilung einer Baugenehmigung ausgesprochen.

Trotzdem sieht Walter Rettig kaum Chancen, gegen den Betrieb vorzugehen. „Uns wurde im Juli bei einem Termin beim LUGV erklärt, dass die Anlage Bestandschutz genießt und die Umbauten rechtens seien“, so der Ortsvorsteher. Er glaubt, dass ihm damit die Hände gebunden seien. „Wir können kämpfen wie wir wollen, haben aber keine Chance“, gibt er sich resigniert. Der Ortschef hofft jedoch, dass demnächst die Güllebecken abgedeckt werden. Doch noch ist bisher nichts von Aktivitäten in diese Richtung zu bemerken. Es ist jedoch nicht nur der Gestank, der viele Anwohner stört. Auch die Lüftungsanlage sorgt für Ärger. „Das ist wie am Flughafen, nur mit Dauerton“, erzählt Bärbel Kraemer, die rund 800 Meter entfernt wohnt und nachts die Geräusche deutlich hört. „Der Betreiber konnte durch ein Gutachten nachweisen, dass mit dem Umbau eine Reduzierung der Geruchs- und Lärmemissionen zu erwarten ist“, entgegnet Frey. Deshalb wolle das LUGV keine weiteren Schritte unternehmen. Anders Eberhardt Boese. „Mein Ziel ist es, den Weiterbetrieb zu verhindern“, sagt der Aktivist. Zudem will er sich auch beim Volksbegehren gegen die Massentierhaltung engagieren. „Ich glaube, dass wir hier etwas erreichen können, denn Minister Vogelsänger ist ein Wolf im Schafspelz, die Verquickung von Umwelt und Landwirtschaft in seinem Ministerium ist verhängnisvoll“, glaubt Boese. Als Mittler will er das Volksbegehren vor Ort bekannt machen und Mitstreiter suchen.

Info: Der Ortsbeirat von Schwanebeck tagt Dienstagabend im Gemeinschaftshaus. Beginn ist dort um 19 Uhr.

 

Von Andreas Koska

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