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Eklat beim Görzker Bankräuber-Prozess

Landgericht Potsdam Eklat beim Görzker Bankräuber-Prozess

Mit einem Eklat ist der Prozess gegen zwei mutmaßliche Bankräuber am Freitag am Potsdamer Landgericht in seinen zweiten Verhandlungstag gestartet. Der zuständige Oberstaatsanwalt beantragte die Abberufung des Pflichtverteidigers von Pavel L., weil er schwere Mängel in dessen Verteidigung sah. Das dürfte in der Justizgeschichte des Landes nahezu einmalig sein.

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Im Justizzentrum Potsdam verhandelt die 4. große Strafkammer des Landgerichts den Überfall auf die Görzker Sparkasse 2012.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam/ Görzke. Mit einem Eklat ist der Prozess gegen zwei mutmaßliche Bankräuber am Freitag am Potsdamer Landgericht in seinen zweiten Verhandlungstag gestartet. Der zuständige Oberstaatsanwalt beantragte die Abberufung des Pflichtverteidigers von Pavel L., weil er schwere Mängel in dessen Verteidigung sah. Das dürfte in der Justizgeschichte des Landes Brandenburg nahezu einmalig sein. Den beiden angeklagten Tschechen wird zu Last gelegt, am 14. Juni 2012 die Sparkasse in Görzke überfallen zu haben. Beide Täter sind mittlerweile geständig.

„Die notwendige Verteidigung des Angeklagten ist nicht gegeben“, begründete der Anklagevertreter seinen Antrag an die 4. große Strafkammer. Noch nie in seiner 25-jährigen Laufbahn habe er sich zu einem solchen Schritt genötigt gefühlt, sagte der Oberstaatsanwalt. Es war eine schallende Ohrfeige für die in den Augen der Anklage lausige Verteidigung des Intensivtäters Pavel L., von dessen Schuld die Staatsanwaltschaft nach wie vor überzeugt ist.

Auch Rechtsanwalt Mario Schink, der den zweiten Angeklagten vertritt, zeigte am Rande des Prozesses offen sein Unverständnis für die Verteidigungsstrategie des Anwaltes Peter Kanev. Einen solchen Schritt seitens der Staatsanwaltschaft habe er in seinen 20 Jahren als Rechtsanwalt noch nicht erlebt, sagte Schink und erteilte dem Anklagevertreter höchstes Lob. Auch Gerichtssprecherin Sabine Dießelhorst bestätigte die Einmaligkeit eines solchen Vorganges. Dass sich Angeklagte über ihre Pflichtverteidiger beschwerten, sei nicht selten. Wohl noch nie dagewesen sei aber am Landgericht, dass sich ein Ankläger um die ordnungsgemäße Verteidigung eines Angeklagten solche Sorgen mache, dass er diesen entpflichtet sehen will.

Tatsächlich trat offen zu Tage, dass Pavel L. anwaltlich schlecht beraten war. Er hatte am ersten Verhandlungstag ein Angebot der Staatsanwaltschaft und des Gerichts auf eine Verfahrensabsprache abgelehnt, die bei einem glaubhaften Geständnis Strafmilderung gebracht hätte. Dieses wollte der Anwalt erst am zweiten Verhandlungstag für seinen Mandanten annehmen, was zu spät war. Auch beschwerte sich der Angeklagte, er hätte sich mangels Sprachkenntnissen eine falsche Gesamtstrafe errechnet und daher die Aussage verweigert. „Er hat ausdrücklich auf eine Übersetzung verzichtet, er könne alles verstehen“, so die Übersetzerin. Die Ironie: Pavel L. wird von einem tschechisch-sprechenden Anwalt verteidigt, doch das schien ihm bisher nicht zu nutzen.

Die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Axel Gerlach lehnte indes den Antrag der Anklage, den Pflichtverteidiger zu entlassen, das Verfahren ruhen zu lassen und einen neuen Pflichtverteidiger zu benennen, ab. Gerlach sprach lediglich von „lückenhafter Verteidigung“. Letztlich machte die Kammer mit einem Angebot an den Angeklagten, dessen Lücken in der anwaltlichen Beratung wieder gut. Sie bot Pavel L. erneut ein Strafmaß an bei glaubwürdigem Geständnis, das zwischen vier Jahren und neun Monaten und höchstens fünf Jahren und drei Monate liege. Für Dienstag wird das Urteil erwartet.

Von Marion von Imhoff

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