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Elf-Uhr-Elf-Club sorgt für Stimmung

Stücken (Potsdam-Mittelmark) Elf-Uhr-Elf-Club sorgt für Stimmung

In Stücken gibt es einen Elf-Uhr-Elf-Club, der nichts mit Karneval zu tun hat und doch für gute Stimmung im Dorf sorgt – etwa beim Knut- oder Straßenfest. Die Clubmitglieder treffen sich jeden Sonntag 11 Uhr 11. Vor dem Haus, in dem das Treffen stattfindet, weht dann immer die Clubfahne. Angefangen hat alles 1992 an einem Gartenzaun punkt 11 Uhr 11...

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Das Bier gehört zum Gründungsmythos des Clubs, weil vor 25 Jahren alles mit einer Bierrunde am Gartenzaun begann.

Quelle: privat

Stücken. Nein, sie haben nichts mit dem Karneval zu tun – die Männer vom Elf-Uhr-Elf-Club in Stücken. Unkundigen muss das immer mal wieder gesagt werden. Dabei könnte es die Truppe in Sachen Humor und Trinkfestigkeit mit vielen Faschingsvereinen aufnehmen. Das Bier war sozusagen schon bei der Geburt mit dabei und gehört zum Gründungsmythos des Clubs, der auch eine eigene Fahne hat – mit gelb-weißem Bierkrug auf blauem Untergrund. Die Clubmitglieder würden freilich vehement widersprechen, würde einer behaupten, es gehe hier vor allem ums Trinken. Stückens Elf-Uhr-Elf-Club ist mehr als eine Bierrunde. Die 15 Mitstreiter organisieren jedes Jahr etwa das Knutfest, damit ausrangierte Weihnachtsbäume von der Straße verschwinden. Es wird gebowlt und Blasmusik gespielt, und ein Straßen- und Kinderfest veranstalten sie auch. Schließlich leben die meisten von ihnen in der Petersiliengasse, die eigentlich Querstraße heißt. „Es ist die kinderreichste Straße im Ort“, sagt Siggi. Warum sie Petersiliengasse genannt wird, weiß keiner so genau.

Die Clubmitglieder haben eigene T-Shirts und Mützen, sprechen sich mit Spitznamen an und treffen sich jeden Sonntag 11 Uhr 11. Wo sie zu der Zeit sind, kann man an der Clubfahne sehen, die immer vor dem Haus gehisst wird, in dem das Treffen gerade stattfindet. Beim Bierchen wird dann erzählt, was man so in der Woche erlebt hat und bekommt obendrein das Neueste aus dem Ort berichtet. Und wer beim nächsten Mal Ausrichter des Treffens ist, bekommt die Flagge sonntags nach dem Vormittagsprogramm gleich mit.

Angefangen hat alles 1992 an einem Gartenzaun in der Petersiliengasse. Die Wiege des Clubs liegt im Flur 7 auf dem Flurstück 123, weiß Siggi. Dort trafen sich vor 25 Jahren drei Petersiliengassen-Bewohner – Siggi, Hardi und Gerhard – am besagten Zaun und verabredeten sich auf ein Bierchen nach getaner Gartenarbeit. Wann wird das sein? Einer von ihnen muss damals gesagt haben: „Wir treffen uns 11 Uhr 11!“ Das war die Geburtsstunde des Elf-Uhr-Elf-Clubs. Vom Treffen am Gartenzaun ist man abgekommen – „im Winter ist das einfach zu kalt dafür“. Die Uhrzeit ist aber bis heute Gesetz: Jeden Sonntag elf Minuten nach elf beginnt das Treffen. „Man plant seine Termine oft so, dass man die Treffen nicht verpasst“, sagt Sandy. Wer körperlich nicht anwesend sein kann, ist in Gedanken bei der Truppe, sagt Blocki, der mit bürgerlichen Namen Andreas Block heißt. Wer nicht dabei ist, hat in der Regel einen guten Grund: 40 Grad Fieber zum Beispiel oder eine Kreuzfahrt in der Karibik. Per Whatsapp wird 11 Uhr 11 aus der Ferne eine Nachricht an die Kollegen geschickt. Willi zum Beispiel sendete vom Bodensee einen Gruß, Blocki vor einigen Wochen aus der Karibik – vom Kreuzfahrtschiff Aida. Er beachtete allerdings die Zeitverschiebung nicht, sagen seine Mitstreiter.

Wer nach dem Zweck des Clubs fragt, bekommt eine einhellige Antwort: „Es geht vor allem darum, sich gegenseitig zu helfen!“ Maiki spricht von einer Solidargemeinschaft, zu der aber nicht jeder Zugang hat. Ungeschriebenes Gesetz ist, dass Clubmitglieder einen direkten Bezug zu Stücken haben müssen. Entweder sie sind dort geboren oder sie haben eine Frau geheiratet, die aus Stücken stammt. Manchmal werden die Regeln flexibel ausgelegt. Willi aus Fresdorf hat zum Beispiel so etwas wie „Bestandsschutz“. Seine Mutter stammt aus Stücken und er ist schon lange beim Club dabei. Im Club gibt es keinen Chef, nur flache Hierarchien: „Wir sind ein freier Club freier Männer“, sagen sie. Trotzdem strengen sie sich jeden Sonntag an, nach dem Elf-Uhr-Elf-Treffen pünktlich zum Mittagessen wieder Zuhause zu sein. Nicht immer und nicht allen gelingt das. Deshalb gab es auch schon Drohungen der Ehefrauen, die ungefähr so lauteten: „Wenn du nicht pünktlich bist, landet das Mittagessen im Hühnerzwinger!“

„Bei der Vorbereitung des Straßenfestes werden wir von unseren Frauen oft unterschätzt“, sagt Blocki. „Es hat bisher aber immer geklappt: Musik, Festzelt und Hüpfburg waren immer rechtzeitig da.“

Im Club sind fast alle Berufsgruppen vereint – vom Maurer, Installateur, Dachdecker, Lokführer, Zimmermann über den Banker, den Spielcasino-Croupier bis hin zum Kreisbauernchef Potsdam-Mittelmarks. Mit Willi haben sie auch einen exzellenten Oberbeleuchter für Film und Fernsehen in ihren Reihen, der schon 1972 bei der Defa arbeitete und heute zum Beispiel für die ARD-Serie „Tierärztin Dr. Mertens“ für die richtige Beleuchtung sorgt.

Bastelstunden gibt es übrigens auch im Elf-Uhr-Elf-Club. Wenn die Männer basteln, steht ein runder Geburtstag vor der Tür. Die Geschenke sind echte Handarbeit. Dieses Jahr wird oft gebastelt: Vier runde Geburtstage stehen an. Und ein Doppeljubiläum: Der Club wird 25 Jahre alt, Stücken feiert 700. Geburtstag. Zum großen Festumzug am 1. Juli ist der Club mit einem eigenen Wagen dabei. Mehr wird noch nicht verraten. Nur so viel: Die Clubfahne ist mit an Bord und wahrscheinlich auch ein Kasten Bier.

Von Jens Steglich

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