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Potsdam-Mittelmark Ende einer Ära: Drogerie Pulz schließt für immer
Lokales Potsdam-Mittelmark Ende einer Ära: Drogerie Pulz schließt für immer
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17:30 10.04.2018
Brigitte und Hans-Dieter Scherz gehen in den Ruhestand. Ihre Drogerie Pulz schließt am Ostersamstag für immer in Niemegk. Quelle: Stefan Specht
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Niemegk

Wenn an diesem Sonnabend die Türen der Drogerie Pulz in Niemegk zu Feierabend verschlossen werden, öffnen sie sich nicht mehr. In der Großstraße 46 endet dann eine Ära im Geschäftsleben der Kleinstadt.

Nach 90 Jahren ihres Bestehens gibt es dort dann kein Drogeriegeschäft mehr. 40 Jahre lang haben Brigitte Scherz als Inhaberin und ihr Mann Hans-Dieter als Angestellter das Geschäft geführt. Nun müssen sie es schließen.

Einer der Gründe ist schlicht das Alter der beiden Niemegker. Auch wenn man es ihnen nicht ansehen mag, Brigitte Scherz mit 68 Jahren und Hans-Dieter Scherz mit 65 Jahren haben bereits das Rentenalter erreicht. Die Kredite für den Umbau ihren Geschäftes zur Währungsunion sind abbezahlt.

Gerne hätten sie es gesehen, wenn die Drogerie Pulz weitergeführt worden wäre. Doch schnell war abzusehen, dass sich niemand dafür findet. Auch ihr Sohn Tobias, immerhin ein gelernter Drogist, hat kein Interesse. „Er hat gesehen, dass es immer schwieriger wird und die Familie dabei ganz schön kurz kommt“, sagt Hans-Dieter Scherz.

Immer wieder mussten sich die Inhaber auf neue Situationen einstellen. Erster Knackpunkt war die Verkleinerung der Robert-Koch-Schule zur reinen Grundschule. „Da hatten wir gemerkt, dass die älteren Schüler immer gute Kunden waren“, erzählt Brigitte Scherz.

Gerne hatten sie sich nämlich bei ihnen mit Deko- und Kosmetikartikeln eingedeckt. Später zog 30 Meter entfernt vom Familienbetrieb ein Filiale der bundesweiten Drogeriekette „Schlecker“ ein.

Pessimisten orakelten damals, dass die Drogerie Pulz nun nur noch sechs Monate bestehen würde. Als aber dann Schlecker überall in Deutschland seine Läden schloss, hatte Hans-Dieter Scherz gesagt: „Seht ihr, wir haben nicht nur den Markt, sondern den ganzen Konzern niedergemacht“, erinnert sich der Geschäftsmann mit seinem typischen Lachen.

Doch es wurde nicht leichter für den Einzelhandel. Seit 18 Jahren haben die Scherzes nun schon die einzige Postfiliale des Ortes in ihren Laden integriert. Zu Anfang, als sie auch die Geschäfte der Postbank abwickeln durften, hatte sich das noch gelohnt. „Das reine Brief- und Paketgeschäft bringt aber nichts ein“, erzählt Hans-Dieter Scherz. Die drei Supermärkte im vergleichsweise kleinen Ort Niemegk sein dem Geschäft auch nicht zuträglich.

Über die Zeit gerettet habe die Drogerie Pulz nach der Wende, dass die Betreiber nicht auf die Berater hörten. „Die hatten uns geraten, nur noch hochwertige Düfte ins Programm zu nehmen. Sonst gar nichts mehr“, erinnert sich Brigitte Scherz. Doch viele Kunden, gerade aus den umliegenden Orten, kamen weiter auch wegen der Farben, Tapeten, Nägeln oder Pflanzenschutzmittelen.

Schon vor einigen Jahren begannen Brigitte und Hans-Dieter Scherz, sich über die Zukunft der Drogerie konkrete Gedanken zu machen. Mit dem Sortiment der Anfangsjahre hatte ihr Geschäft kaum noch etwas zu tun.

„Zuletzt wurde uns Drogisten das Leben noch Mal erschwert.“ Denn bestimmte Sachen wie pharmazeutische Erzeugnisse dürfen nur noch in Apotheken verkauft werden. Andere Artikel gibt es plötzlich auch in Supermärkten.

„Damit sind Drogerien eigentlich überflüssig“, sagt Brigitte Scherz. Als ihr Großvater Otto Pulz das Geschäft im Jahr 1928 eröffnete, war das noch ganz anders. Er mischte selbst Salben und Cremes und hatte sogar Lebensmittel im Sortiment.

Seinem Sohn Walter, der die Drogerie 1949 übernahm, halfen zu DDR-Zeiten die guten Kontakte in andere Bezirke weiter. So gab es in Niemegk oft Dinge, die man woanders vergebens suchte. Walters Tochter Brigitte ging 1967 ebenfalls in die Drogistenlehre. Sie arbeitete bis 1972 in Belzig und kam nach Niemegk zurück, als Walter Pulz von der Leiter stürzte und sich schwer verletzte. Am 1. Januar 1978 übernahm sie das Geschäft. Ihr Mann Hans-Dieter ist seitdem ihr Angestellter.

„Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich einmal im weißen Kittel in der Drogerie arbeiten werde“, sagt der gelernte Landmaschinen- und Traktorenschlosser. 1974 wurde Sohn Dominik und 1979 Tobias geboren. Beide haben bereits eigene Familien und freuen sich nun, dass Oma und Opa nun mehr Zeit für ihre Enkel haben werden.

Und was haben sie sich selbst vorgenommen? „Wir wollen uns mehr um unser Grundstück kümmern und endlich gemeinsam in den Urlaub fahren“, sagt Hans-Dieter Scherz.

„Das haben wir nämlich seit der Wende nicht mehr gemacht.“ Einer blieb immer im Laden. Noch können sich Scherzes nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn sie morgens nicht mehr die Ladentür ihrer Drogerie aufschließen.

„Aber daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen“, sagt Brigitte Scherz. Ihre Ladenfläche wollen sie möglichst vermieten. Auch wenn noch kein Mieter gefunden ist, sind sie optimistisch, dass das bald gelingen wird.

Von Stefan Specht

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