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Ende einer Eisenbahngeschichte

Nach 140 Jahren: Trasse von Wiesenburg vor dem Aus Ende einer Eisenbahngeschichte

Fünf Grundstücke aus der Gemarkung Reetzerhütten werden nicht länger für Bahnbetriebszwecke benötigt. Die Trasse ist ab Freitag vom Eisenbahnrecht freigestellt. Über die so genannte Entwidmung ist die Gemeinde Wiesenburg/Mark – wie andere Kommunen an der Strecke nach Güterglück – dieser Tage mit einem Schreiben vom Bundesamt informiert worden.

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Am 9. Juni 1979 befuhr anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Strecke die schnellste betriebsfähige Dampflok der Welt, 18201, den Abschnitt Wiesenburg – Güterglück. Hier beim Halt in Nedlitz.

Quelle: Sammlung J. Krebs

Wiesenburg. verlieren die Flächen ihr Sonderrecht, was für den Eisenbahnverkehr reserviert war“, erklärt Hartmut König. Statt dessen habe die Kommune in Zukunft die Planungshoheit. Nicht nur, weil es vor Ort keine Bestrebungen diesbezüglich gibt, bricht der Vizebürgermeister nicht in Jubel aus. Für die Infrastruktur ist es seinen Ausführungen zufolge eine durchaus weitreichende Entscheidung.

Zwar sind schon seit Langem keine Züge mehr über den betreffenden 40 Kilometer langen Schienenweg gerollt. Zuletzt ist die Trasse gar an ein Unternehmen verkauft worden, das dem Vernehmen nach die Anlagen lediglich zur Schrottgewinnung nutzen will. Doch mit der jetzt vollzogenen formellen Entlassung aus dem Sonderrecht ist quasi das Ende einer der ältesten und bedeutendsten Bahnverbindungen besiegelt. Sie könnte nur noch als Neubau auf den Weg gebracht werden, erklärt der Chef der örtlichen Bauverwaltung.

Im Volksmund wird sie Kanonenbahn genannt. Es ist die etwa 805 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und Metz über Güsten, Wetzlar, Koblenz und Trier. Sie hatte wie es der Ruf erahnen lässt vor allem militärische Bedeutung. Die preußische Staatsregierung hatte 1872/73 beschlossen, Gelder aus den französischen Reparationszahlungen zur Verfügung zu stellen und die Ermächtigung zu Schuldverschreibungen gefasst.

Ab 1875 wurde gebaut und am 15. Mai 1879 wurde der Personenverkehr aufgenommen mit Haltepunkten in Drewitz, Michendorf, Beelitz, Brück, Belzig, Wiesenburg, Nedlitz, Lindau, Güterglück, Barby, Calbe, Neu Gattersleben und Güsten. Erst später ist der Abzweig hinter dem Bahnhof Wiesenburg gebaut worden, auf dem heute der Regionalexpress 7 nach Dessau verkehrt. Schon seit mehr als zehn Jahren herrscht hingegen Ruhe auf dem Gleis gen Güterglück und Güsten.

Für die Deutsche Bahn hat der Abschnitt zwischen Fläming und Elbe keine strategische Bedeutung mehr – weder im Personenverkehr als Umleitungsstrecke zwischen Magdeburg und Berlin, noch im Güterverkehr. Eine Umfrage bei deutschen Transporteuren vor der Ausschreibung habe ergeben, dass es kein Potenzial gebe, hieß es schon vor zehn Jahren bei der Deutschen Bahn-AG.

Jürgen Krebs aus Barby ist anderer Ansicht. Der Verkehrsingenieur bezeichnet die Trasse „international betrachtet als eine der wichtigsten Umleitungs- und Reservestrecken im mitteldeutschen Verkehrsraum“. Er verweist auf die Nutzung in den 90er-Jahren für den ICE-Verkehr, ehe die Strecken im Norden hergerichtet waren. Seine Hoffnung auf Rettung der Kanonenbahn scheint sich nicht zu erfüllen.

Von René Gaffron

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