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Engagiert im Natur- und Brandschutz

Reesdorf Engagiert im Natur- und Brandschutz

Barbara Ral hat nicht nur ihre eigenen Pferde vor dem Tod gerettet. Als Klimamanagerin setzt sie sich im ganzen Kreis Potsdam-Mittelmark für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur ein. In ihrem Garten bietet sie Lebensräume für selten gewordene Tierarten. Nebenbei bildet sie junge Feuerwehrleute aus und lebt den Energiewandel im Privaten vor.

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Barbara Ral setzt sich für die Energiewende ein. Ihr Elektroauto kann sie an jeder normalen Steckdose aufladen.

Quelle: Victoria Barnack

Reesdorf. Barbara Ral stammt aus dem Süden der Bundesrepublik. In Führt geboren, Abitur in Bayern, danach in Saarbrücken gewohnt – mit dem ländlichen Leben in Brandenburg hatte sie lange nichts zu tun. Trotzdem wohnt sie seit fast 20 Jahren in Reesdorf, „ein paradiesischer Ort“ wie sie findet. „Aber man muss das Paradies auch pflegen“, fügt die 47-Jährige an. Als Jugendliche gewann sie einen internationalen Forschungswettbewerb und studierte anschließend Biologie. Ihre Diplomarbeit führte sie schließlich nach Brandenburg. Heute arbeitet sie als Klimamanagerin für den Kreis Potsdam-Mittelmark.

Wie man das Paradies pflegt, weiß die Umweltingenieurin mit Schwerpunkt Gewässerschutz aber nicht nur aus beruflicher Erfahrung. Barbara Ral fährt ein Elektroauto, dass sie an jeder normalen Steckdose laden kann und befreite auch ihren privaten Garten schon von Verschmutzung, um das Wohl ihrer beiden Pferde zu sichern. „Früher habe ich viele Tage damit verbracht, Spargelfolie-Schnipsel von meinen Weiden zu sammeln, damit die Pferde nicht qualvoll an Verstopfung sterben“, erzählt die Reesdorferin, deren Garten an die Spargelfelder von Schäpe grenzt.

Selten gewordene Tierarten im Garten

Mittlerweile hat sich die Situation für sie genauso wie für die anderen betroffenen Einwohner verbessert. Barbara Ral durfte beispielsweise eine Hecke anlegen, die den Wind und damit auch Müll und Sand abhält und ganz nebenbei auch noch gut für die Natur ist. Denn ihr Garten ist zu einem Lebensraum für selten gewordene Tierarten wie am Boden brütende Vögel, Eidechsen und Feldhasen herangewachsen. Viel Aufwand brauchte es dafür gar nicht. „Wenn man ein kleines Stück Natur belässt, reicht das oft schon“, sagt sie.

Wenn Barbara Ral nicht am Arbeitsplatz oder im eigenen Garten ist, engagiert sie sich ehrenamtlich, zum Beispiel in der Reesdorfer Feuerwehr. Fast ein Viertel aller Dorfbewohner gehören zu den Brandschutzhelfern, auch die Kinder zählen dazu. Dafür sorgte Barbara Ral vor fünf Jahren. „Die Flämmchen habe ich 2012 gegründet“, sagt sie. Mit Vorschulkindern habe sie damals angefangen. Heute sind es etwa zehn „Flämmchen“, die sie einmal im Monat die ersten Knoten und das richtige Verhalten im Brandfall lehrt – alles auf spielerische Weise. Immerhin erfordere eine Feuerwehrgruppe von Vorschulkindern andere Herangehensweisen als eine typische Jugendwehr.

Außerdem engagiert sich Barbara Ral ehrenamtlich im Projekt des Brandenburgischen Landesfeuerwehrverbandes „Ohne Blaulicht“, das sich um zwischenmenschliche Probleme unter den Feuerwehrleuten kümmert. Große wie kleine Wehren aus dem gesamten Bundesland würden das Angebot gleichermaßen in Anspruch nehmen. Ral klärt dann Uneinigkeiten zwischen verschiedenen Generationen oder setzt sich für Einzelpersonen ein, die sich im Verband benachteiligt fühlen. Der Tätigkeit ging eine aufwendige Ausbildung als Demokratieberaterin voraus, erklärt die engagierte Reesdorferin.

Pferd Runny mäht – auch zur Entspannung der Nachbarn – den Rasen im Vorgarten

Pferd Runny mäht – auch zur Entspannung der Nachbarn – den Rasen im Vorgarten.

Quelle: Victoria Barnack

Viel Freizeit bleibt Barbara Ral nach den zahlreichen Aktivitäten neben dem Vollzeitjob nicht mehr. Die Kinder werden deshalb zum Helfen bei der Gartenarbeit herangezogen. Die Selbstständigkeit hat sie aufgegeben. Früher verkaufte die 47-Jährige beispielsweise einen Filter zur biologischen Entkeimung von Wasser und ihre „Fliegenfalle“, eine ungiftige Flüssigkeit zum Fangen von Gärfliegen. „Es ist ein tolles Produkt, ich habe nur aktuell kaum Zeit, mich um das Herstellen und Ausliefern zu kümmern“, sagt sie.

Für die nötige Entspannung neben dem vollgepackten Alltag sorgen die beiden Pferde. Eines von ihnen, das ehemalige Rennpferd „Run for Fun“ hat sich sogar als nützliche Hilfe bei der Gartenarbeit und Alternative zum lauten Rasentraktor entpuppt. Ab und an darf es deshalb das Grün im Vorgarten abgrasen und wird nebenbei von Barbara Ral gestriegelt. „So ist Rasenmähen wirklich Erholung und nicht Quälerei der Nachbarn“, sagt sie, „Runny schafft den welligen Boden und die Ecken sowieso viel besser als jedes lärmende Spezialgerät.“

Ein Dorf mit bewegter Geschichte

122 Einwohner leben in Reesdorf, einem der kleinsten Ortsteile von Beelitz. In der ehemaligen Schule befindet sich heute das Dorfgemeinschaftshaus mit großem Garten und Kinderspielplatz.

1375 wurde Reesdorf vermutlich nach einem Familiennamen benannt. Der Historiker gehen jedoch davon aus, dass der Ort wesentlich älter ist und von Slawen gegründet wurde. Historische Schriften und das Fehlen einer Gaststätte weisen darauf hin, dass das Dorf nicht sehr wohlhabend war.

Im 19. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl mit dem Bau der Einrichtungen in Beelitz-Heilstätten und einer Bahnstrecke erstmals enorm auf fast 200 Einwohner an. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Dorf stark zerstört. Durch die Ansiedlung von Flüchtlingen und Vertriebenen lebten 1950 trotzdem über 200 Personen dort.

In der Nachkriegszeit war der Ort landwirtschaftlich geprägt, nachdem sich mehrere LPG gegründet hatten. Diese lösten sich nach der Wende auf. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts halbierte sich die Einwohnerzahl auf nur noch knapp 100 Personen.

Heute ist die Zahl der Bewohner auch entgegen des demografischen Wandels konstant. Vor allem die Freiwillige Feuerwehr und die Kirchengemeinde in Reesdorf erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Jahr 2014 wurde der gesamte Ortskern des Rundlingsdorfes saniert.

Von Victoria Barnack

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