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Er brachte das Oktoberfest nach Niebel

Mittelmark Er brachte das Oktoberfest nach Niebel

Hubertus Baumgartner stammt aus Bayern. Im Gegensatz zu vielen Anderen lebt er jedoch lieber in Brandenburg. Niebel bei Treuenbrietzen ist seit sieben Jahren seine Wahlheimat. Dass es nicht einfach würde, von den alteingesessenen Nieblern akzeptiert zu werden, wusste er. Inzwischen ist er Mitglied im Ortsbeirat und bescherte dem Dorf eine neue Tradition.

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Hubertus Baumgartner – ursprünglich aus Bayern – organisiert das Oktoberfest in Niebel.

Quelle: Andreas Koska

Niebel. Seit mehreren Jahren wird in Niebel bayrisch gefeiert. Weißwurst ist zwar noch immer nicht jedermanns Sache in dem Dorf bei Treuenbrietzen, aber Leberkäse ist beliebt. Ortsvorsteher Andreas Fröhlich hat deshalb gelernt, sie selbst zuzubereiten. „In Folie eingewickelt müssen sie 90 Minuten im Ofen backen“, erzählt er. Für das Oktoberfest am vergangenen Samstag hatte er zwei Stück vorbereitet. Unterstützt wurde er von einem waschechten Bayer, der die Niebler überhaupt erst für das Oktoberfest begeisterte.

Hubertus Baumgartner lebt seit sieben Jahren in Niebel. Ursprünglich stammt er aus Oberbayern. 1992 kam er nach Brandenburg. „Hier sollte ich als Repräsentant meiner Firma tätig sein“, erzählt der gelernte Landschaftsgärtner. Dazu kam es jedoch nie, denn Baumgartner machte sich vorher mit mehreren Partnern selbstständig. Inzwischen sind sie ausgestiegen, sodass Baumgartner die Firma für Dachbegrünungen allein führt.

Von Ferch über Caputh zog sein Betrieb mit ihm 2010 schließlich nach Niebel. Dass das Unternehmen in einem kleinen Dorf ansässig ist, tut seinem Erfolg keinen Abbruch. Die Referenzliste ist lang, angefangen bei Privatprojekten auf Wassergrundstücken in Werder an der Havel über die Britische und Ägyptische Botschaft, das Hotel Adlon und die Humboldt-Universität in Berlin bis zum Millerntorplatz 1 in Hamburg und den Deutschen Pavillon bei der Expo in Hannover – all diese Dächer hat der Bayer, der lieber in Brandenburg lebt, begrünt.

Hubertus Baumgartner stammt aus Oberbayern, lebt aber lieber in Brandenburg

Hubertus Baumgartner stammt aus Oberbayern, lebt aber lieber in Brandenburg. 2009 hat er gemeinsam mit seiner Frau ein Haus in Niebel gekauft.

Quelle: Andreas Koska

Immer mit dabei: Baumgartners Frau Jutta Moorwieser. Sie ist Erzieherin und Heilpraktikerin. „Nach 32 Jahren haben wir im vergangenen Jahr am Krankenbett geheiratet“, erzählt Hubertus Baumgartner. Als die Herzprobleme seiner Frau behoben waren, wurde gefeiert. Die Plakate, die zum Polterabend einluden, hingen im ganzen Dorf aus – und das ganze Dorf kam. „Ein rauschendes Fest“, erinnert sich Ortsvorsteher Andreas Fröhlich. Baumgartner und seine Frau waren da bereits im Dorf angekommen. „Wir haben das Haus im Jahr 2009 gefunden und sind ein Jahr später hierher gezogen“, erzählt er und schwärmt, „es ist hier einmalig schön.“

Hubertus Baumgartner ist in einer Stadt aufgewachsen und zog mit 19 Jahren aufs Dorf. Seitdem kommen nur noch Dörfer für ihn in Frage. Er weiß, dass es schwer ist, von der Gemeinschaft als Zugezogener akzeptiert zu werden. Als zum Treuenbrietzener Sabinchenfest im Jahr 2011 ein Zelt in Niebel aufgebaut werden sollte, packte er mit an. „Da sahen alle, dass ich was kann und fortan war alles gut“, erinnert sich der Neu-Niebler.

Wenige Jahre später bewarb er sich um einen Sitz im Ortsbeirat und wurde prompt gewählt. Nach der konstituierenden Sitzung lud der Ortsbeirat alle Anwesenden zu einem Dankeschön-Umtrunk ein. Dabei wurde die Idee des Oktoberfestes geboren. Denn im Ort gab es kein regelmäßiges Dorffest. 2014 fand das bayrische Volksfest schließlich zum ersten Mal auch in dem Dorf in Brandenburg statt. Die Niebler halten seitdem an ihrer neuen Tradition fest.

Nicht nur Bayern fühlen sich in Niebel wohl

Patrizia Romanazzi war nicht dabei, als Andreas Fröhlich am vergangenem Samstag um Punkt 11 Uhr den Hahn ins Fass schlug und wie sein Münchener Kollege die Worte „O’zapft ist“ rief. „Die Weißwurst und das Ganze liegt mir nicht“, sagt die Tierärztin aus Niebel. Sie freut sich dennoch, dass gemeinsam gefeiert wird. Denn sie merkt, dass es voran geht im Ort. „Die Hallen der ehemaligen LPG sind alle an die Niebler vermietet und auf den Dächern sieht man PV-Anlagen“, sagt sie, „das sind Zeichen für eine positive Entwicklung.“ Vor gar nicht so langer Zeit sollte dort eine Schweinezuchtanlage einziehen. Aus Niebel gab es starken Widerstand, der von Erfolg gekrönt war.

Die Tierärztin blickt zum Kirchturm und schwärmt von ihrer Heimat. „Wir sind ein Vogel-Eldorado“, sagt sie. Die weißen Spuren an den Turmfenstern zeugen ebenfalls davon, dass hier Eule und Falke wohnen und auch Fledermäuse soll es geben. Vor drei Jahren wurde zudem ein Storchenhorst errichtet. So scheinen alle im Dorf zufrieden, in dem jeder die Gemeinschaft auf seine Weise pflegt.

Von Andreas Koska

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