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Er ist der heimliche Herr des Schlossparks

Petzow Er ist der heimliche Herr des Schlossparks

Jörg Schüttler (57) kümmert sich seit acht Jahren um den Lennépark in Petzow. Seine Arbeit als Gärtner stellen sich viele vielleicht monoton vor, doch der Gartenbauingenieur findet immer aufs Neue Gefallen an seinem Beruf. Im Petzower Park sind es nicht nur die Pflanzen und Bäume, die die Vielfalt ausmachen, auch die Tierwelt hat einiges zu bieten.

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Inmitten des Parks in Petzow liegt der Haussee.

Petzow. Nebelschwaden tauchen den Horizont in ein tiefes Grau. Kleine, feine Regentropfen fallen auf den Haussee und lassen den Petzower Schlosspark trist erscheinen. An den vielen Eichen, Kastanien und Strauchweiden entlang des Ufers stechen aber auch einige orange- und rot gefärbte Blätter heraus, die die Schönheit des Herbstes erahnen lassen. Der Herbst ist nicht unbedingt Jörg Schüttlers liebste Jahreszeit. Er mag den Sommer hier lieber, sagt er. Für den Gärtner des Parks bedeuten das Laub und der herannahende Winter vor allem eins: Arbeit.

Schüttler kennt jeden Baum und jeden Strauch im etwa 13 Hektar großen Lenné-Park in Petzow. „Die meisten Arbeiten, die ich erledige, sieht man mit bloßem Auge am Ende meist nicht“, sagt der 57-jährige Mann aus Derwitz. Seit acht Jahren kümmert er sich um die etwa 650 Bäume, die großen Wiesen und das weite Schilf. Hauptsächlich ist er damit beschäftigt, dem Wildwuchs Herr zu werden. „Die Bäume sprießen an allen Ecken und Enden und ich muss aufpassen, dass sie nicht zu groß werden“, erzählt Schüttler. Sonst kann er sie nicht mehr mit bloßer Hand aus der Erde ziehen. Auch aus dem drei Meter hohen Schilf, das einen Großteil des Ufers am Schwielowsee einnimmt, schießen sie heraus.

Jörg Schüttler kümmert sich um den Park

Jörg Schüttler kümmert sich um den Park.

Quelle: Luise Fröhlich

Viele Bäume im Schlosspark sind alt, so der Gartenbauingenieur, der für das Bauamt in Werder arbeitet. Zu DDR-Zeiten sei der Park kaum gepflegt worden und daher zugewuchert. „Leider liegen uns keine konkreten Unterlagen oder Pflanzpläne von Lenné mehr vor“, so Schüttler. Die für seine Landschaftsgestaltung charakteristischen Sichtachsen seien aber definitiv noch zu sehen. Vom kleinen Andenkenhaus der Familie Kaehne, den damaligen Besitzern des Parks und des Schlosses, blickt man über den Haussee hinweg durch eine Schneise auf den Schwielowsee. Vom Fischerhaus aus ist das Herrenhaus zu sehen, das gerade saniert wird.

Wildschweine wühlen die Wegesränder auf

Probleme gibt es unter anderem mit der Kastanienminiermotte. Aber auch das Ulmensterben hat in Petzow Einzug gehalten. Einige Bäume können sich noch selbst gegen Schädlinge und äußere Einflüsse wehren, sind dann aber geschwächt und werden häufig von Pilzen befallen, erklärt der Gärtner. Von der Stadt Werder, die für den Park zuständig ist, wünscht er sich, dass gezielt seltene Baumarten nachgekauft und gepflanzt werden.

Haussee im Petzower Park

Haussee im Petzower Park

Quelle: Bernd Gartenschläger

Herbstzeit bedeutet nicht nur viel Laub, sondern auch Wildschweinzeit. Die Schwarzkittel wühlen regelmäßig die Wegesränder um. „Das Problem ist, dass sie nicht berechenbar sind und ich nie weiß, wann sie wiederkommen“, sagt Schüttler. Die Spuren jedes Mal zu verwischen, schafft er alleine neben seiner alltäglichen Arbeit nicht. Der Gärtner ist nicht nur für die Pflege des Parks verantwortlich, sondern auch für die Sauberkeit auf und neben Petzows Straßen. „Man könnte meinen, dass meine Arbeit furchtbar monoton ist“, meint Schüttler. „Aber sie ist sehr vielfältig und angenehm. Ich mag es, zum Feierabend zu sehen, was ich am Tag geschafft habe.“ Der Derwitzer absolvierte nach der Schule eine Lehre zum Gartenbauingenieur und arbeitete dann im Obstbau in Bochow. 1987 ging er nach Berlin in den Zierpflanzenbau. Nach der Wende war er in verschiedenen Bereichen in Rumänien und Moldawien unterwegs, ehe er als Baumpfleger in den Spreewald und später nach Werder zurückkehrte.

Vielfältige Tierwelt und beliebter Drehort

Schüttler liebt seinen Job im Petzower Park nicht nur wegen der Flora, sondern auch wegen der Fauna. „Wir haben hier Eisvögel, Biber und natürlich auch Rehe, die sich gern im Schilf aufhalten“, berichtet Schüttler. Aber auch an die Dreharbeiten des ZDF für das Märchen „Jorinde und Joringel“ kann er sich noch gut erinnern. Der Park ist in der Vergangenheit oft zur Kulisse für Filme oder Serien geworden. Frischen Wind werden künftig die neuen Bewohner des Herrenhauses bringen. „Ich kann den Umbau nur befürworten. Noch mehr hätten wir uns Gastronomie gewünscht, aber durch die Mieter haben wir auch mehr Publikum im Park“, sagt er.

Das Waschhaus wurde für den Märchen-Dreh zur Kulisse umfunktioniert

Das Waschhaus wurde für den Märchen-Dreh zur Kulisse umfunktioniert.

Quelle: Dorothea Scholz-Janicke

Einer seiner Lieblingsplätze ist der Aussichtspunkt auf dem Hügel am südöstlichen Ende des Parks. Von dort aus blickt man auf den Haussee inmitten der Anlage. Vor mehr als zehn Jahren kippte der Haussee nach einer natürlichen Verunreinigung um und 3,5 Tonnen tote Fischkadaver mussten entsorgt werden. Danach überlegte die Stadt, den See von einem Fischer bewirtschaften zu lassen, so Werders Pressesprecher Henry Klix. Gespräche zur Pacht verliefen im Sande, weil der Haussee für eine Bewirtschaftung zu klein sei. Die Gefahr, dass es nochmal zu einem Fischsterben kommt, besteht, denn jedes Jahr fallen tonnenweise Blätter in den See und verrotten auf dem Grund, so Schüttler.

Beliebter Drehort

1838 hat Peter Joseph Lenné den etwa 13 Hektar großen Schlosspark in Petzow gestaltet. Im Januar fand zum 150. Todestag an der Büste des Gartenkünstlers eine Gedenkveranstaltung ihm zu Ehren statt.

Das Schloss Petzow und der Park wurden 2004/2005 für die erste deutsche Telenovela „Bianca – Wege zum Glück“ als Außendrehort verwendet. Auch die Außenaufnahmen für die Folgeserie „Julia – Wege zum Glück“, die zweite Telenovela im ZDF, entstanden hier. Gedreht wurde bis August 2006 an der Fischerhütte und dem Bootshaus am See. Im Jahr 2011 war der Schlosspark Kulisse für den deutschen Märchenfilm „Jorinde und Joringel“ von Bodo Fürneisen.

Von Luise Fröhlich

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