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Erdfloh lässt Eichen erblassen

Potsdam-Mittelmark Erdfloh lässt Eichen erblassen

In Wäldern westlich von Beelitz sind die Blätter junger Eichen plötzlich leichenblass. Betroffene Waldbesitzer sorgen sich um die Bäume, die beim Waldumbau die Hauptrolle spielen. Schuld an den kreidebleichen Blättern ist ein bei Waldbesitzern noch weitgehend unbekanntes Wesen: der Eichenerdfloh.

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So sehen Eichenerdflöhe aus, die eigentlich zu den blattfressenden Käferarten gehören. Das Hauptproblem sind die Larven der Käfer.

Quelle: Lars Sandred Dalen

Potsdam-Mittelmark. In den Wäldern in der Busendorfer Heide sind junge, vormals vitale Eichen im wahrsten Sinne des Wortes erblasst. Viele Bäume stehen plötzlich mit kreidebleichen Blättern da. Ein Anblick, der Waldbesitzern Sorgenfalten ins Gesicht treibt. „Junge Eichen verlieren ihre Blätter und sehen aus wie Rosskastanien, die von der Miniermotte befallen sind“, berichtet Karl Tempel, der einen Wald zwischen Fichtenwalde und Borkwalde besitzt. Ihn beunruhigt vor allem, dass ausgerechnet die Baumart betroffen ist, auf die beim Waldumbau in der Region vor allem gesetzt wird. „Die Eiche ist der Paradebaum des Waldumbaus“, sagt Tempel. Um Kiefernbestände in Mischwälder zu verwandeln, fördert das Land im südlichen Teil Brandenburgs zum großen Teil die Anpflanzung von Trauben- und Stileichen. Genau diese Bäume sehen plötzlich aus, als würden sie schlapp machen.

In betroffenen Wäldern zwischen Fichtenwalde, Borkheide und Borkwalde sei der Befall erheblich: „Auf den Flächen, die ich mir angeschaut habe, sind 50 bis 60 Prozent der Eichen betroffen“, sagt Förster Martin Schmitt. Schuld daran ist ein bei Waldbesitzern noch weitgehend unbekanntes Wesen: der Eichenerdfloh! Davon geht das Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde aus. Die Waldexperten dort analysierten von Förstern eingesandte Proben und kamen zu dem Schluss, es handele sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit um das Fraßbild des Eichenerdflohs“. Der Name führt etwas in die Irre. Der Floh ist eigentlich ein Blattkäfer, der aber über ein ausgesprochen gutes Sprungvermögen verfügt und deshalb den Namen Eichenerdfloh trägt. Die sprungbegabten blaugrünen Käfer legen ihre Eier im Frühjahr an der Unterseite junger Eichenblätter ab. Die Larven fressen zumeist an den Blattunterseiten und lassen mitunter nur noch die Blattnerven und eine dünne farblose Zellschicht übrig. Auch die im August schlüpfenden Jungkäfer fressen mit Vorliebe an den Blättern von Stil- und Trauben-Eichen.

Kreidebleich  sehen die Blätter befallenen Jungeichen aus

Kreidebleich sehen die Blätter befallenen Jungeichen aus.

Quelle: Martin Schmitt

Größere Schäden sind aus Südeuropa bekannt, teilte Kati Hielscher vom Landeskompetenzzentrum Forst mit. In hiesigen Regionen gehen die Fachleute derzeit nicht von einer flächendeckenden Bedrohung aus, weil der Käfer meist nur Zuwachsverluste verursache. Soll heißen: Ein Befall der Blätter führt zu Vitalitätseinschränkungen, aber nicht zum großflächigen Absterben von Bäumen. „Entscheidend ist, dass die Knospen nicht beschädigt werden“, sagt Förster Martin Schmitt und fügt hinzu: „Wir müssen jetzt weiter beobachten, wie sich die Bäume und die angrenzenden Bestände entwickeln.“

Waldbesitzer Karl Tempel befürchtet, dass ein länger währender Befall durch den Eichenerdfloh doch große Schäden verursachen könnte, „wenn ein über Jahre anhaltender Zuwachsverlust am Ende zum Totalverlust führt“. Dann wäre der Waldumbau im Süden Brandenburgs über den Haufen geworfen.

Förster Martin Schmitt plädiert denn auch dafür, beim geförderten Waldumbau auf eine größere Vielfalt zu setzen. „Wir brauchen mehr Baumarten in der Förderung, um auf Schwankungen und neue Entwicklungen reagieren zu können“, sagt er mit Blick auf die Schwierigkeiten, die Eichen mit Erdfloh und Klimawandel haben. Noch wird auf Kiefernstandorten in Südbrandenburg zum überwiegenden Teil nur die Anpflanzung von Eichen bezuschusst.

Eichenerdfloh hat natürliche Feinde

Fraßschäden an Eichen durch den Eichenerdfloh wurden bislang aus dem östlichen Teil Brandenburgs gemeldet. Jetzt sind auch Wälder westlich von Beelitz betroffen. Der Käfer mit dem irreführenden Namen bevorzugt Stiel- und Traubeneichen, aber auch Roteichen können befallen werden.

Der Eichenerdfloh hat natürliche Feinde: So soll der Pilz mit dem lateinischen Namen „Beauveria bassiana“ Larven und Puppen töten. Es gibt laut Waldexperten auch Marienkäferarten, die Eier und Larven fressen.

 

Von Jens Steglich

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