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Potsdam-Mittelmark Erfolgsgeschichte beim Chef-Dating
Lokales Potsdam-Mittelmark Erfolgsgeschichte beim Chef-Dating
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00:16 16.04.2017
Folker Palm hat Arbeit gefunden in einem Agrar-Unternehmen in Damsdorf. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Damsdorf/Lehnin

Das könnte die Geschichte sein von einem Mann, der nie arbeitslos war und dann plötzlich doch. Von der aussichtslosen Suche eines Langzeitarbeitslosen, der jenseits der 40 ist. Doch es ist eine ganz andere Geschichte, die Folker Palm erzählt und zu der seine Frau sagt, „jetzt beruhige dich, morgen siehst du die Biogasanlage wieder“.

Seit Beginn seiner Arbeitslosigkeit 2015 hat Folker Palm, der Automatisierung der Verfahrenstechnik studiert hat, mehr als 100 Bewerbungen abgeschickt. Bis auf vier Vorstellungsgespräche, die allesamt mit Absagen endeten, kam dabei für den heute 50-jährigen Damsdorfer Diplom-Ingenieur nichts heraus. Seit drei Tagen jedoch hat der Familienvater einen Job. Geschafft hat er das durch ein Chefdating in der Lehniner Schulaula, organisiert von der Agentur für Arbeit.

Mit Tempo zurück ins Berufsleben

„Mit Speed ins Berufsleben“ nennt die Agentur für Arbeit in Potsdam das Prinzip Chef-Dating. Beim Chef-Dating lernen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich bei einem 15 Minuten langen Gespräch kennen. Wenn die Chemie zwischen beiden stimmt, tauschen sie Visitenkarten und Bewerbungsmappen aus.

Eine solche kurze Begegnung bietet nach Angaben der Agentur für Arbeit die Chance zu schauen, ob ein Bewerbungsprozess fortgesetzt werden soll. Es gibt Chef-Datings für Hochschulabsolventen und für Arbeitslose. Das nächste ist in Wiesenburg geplant. Die Teilnehmer werden dafür von der Arbeitsagentur eingeladen.

Sechs Langzeitarbeitslose wie Folker Palm saßen dort je 15 Minuten einem Chef gegenüber. So kam es, dass Folker Palm auf den Agrar-Unternehmer Timo Wessels traf. Der eine links am Tisch, der andere rechts und beide verblüfft, sich dort zu begegnen. Denn im Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirche in Damsdorf sitzen Palm und Wessels seit drei Jahren zusammen. „Doch wir haben nie über Arbeit gesprochen“, sagt Folker Palm.

Ein Anruf morgens um 7.30 Uhr

So hatte der Unternehmer keine Ahnung, dass Palm händeringend auf Arbeitssuche war, und Palm wusste nicht, dass Wessels zu seinen über 100 Angestellten noch eine weitere Arbeitskraft braucht. Beim Chef-Dating nun sprachen sie endlich nicht nur über Gott und die Welt, sondern auch über Arbeit.

Sandro Toht ist der dritte im Bunde in dieser Erfolgsgeschichte. Am übernächsten Werktag nach dem Chef-Dating bekam der Projektleiter bei der Biogas Bau- und Service GmbH, die zur Wessels-Gruppe gehört, von seinem Chef morgens um 7.30 Uhr einen Anruf, es käme ein neuer Mann zur Einarbeitung ins Team. „Herr Palm passt zu unserem Unternehmen wie der Deckel auf den Topf“, sagt Sandro Toht. Er ist Palms direkter Vorgesetzter. Der Diplom-Ingenieur werde nun als Anlagenfahrer für die Biogasanlage eingearbeitet. „Palm ist ein Spezialist für Regel- und Messtechnik und Biogasanlagen sind nichts anderes als Regel- und Messtechnik“, freut sich Toht. „Er kann eine wichtige Rolle hier im Unternehmen spielen und hat gute Perspektiven zum Aufstieg“, ist der Wessels-Mitarbeiter überzeugt.

Der Bürgermeister ist beeindruckt

Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner ist beeindruckt von dem Erfolg des Chef-Datings: Eine Geschichte wie diese „kann nur das Leben schreiben“. Die Begegnung zwischen Langzeitarbeitslosen und Firmen aus der Region hat die Gemeinde Kloster Lehnin zusammen organisiert mit Marko Wilke, dem Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Bad Belzig. Mit dabei war auch Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam. Wilke spricht von einem großen Erfolg dieser Kontaktaufnahme zwischen Arbeitslosen und Chefs. „Sechs Probearbeiten haben sich ergeben.“ Eingeladen waren neun Männer und Frauen zwischen 30 und über 50 Jahren, die langer als zwölf Monate bereits auf Arbeitssuche waren. Auch eine junge Frau mit dreijährigem Kind war dabei.

Die „Kunden“, wie Wilke sie nennt, waren gezielt angesprochen worden, ob sie sich ein solches Chef-Dating vorstellen könnten. „Wir haben solche Menschen eingeladen, deren Bewerbungen von dem Stapel immer runter fallen. Jetzt hatten sie anders die Möglichkeit, zu zeigen, was für tolle Menschen sie sind.“ Das Handicap, das Folker Palm stets die Chancen auf einen Neueinstieg vermasselt hatte, war seine Zuckerkrankheit und Abhängigkeit von der Insulinpumpe. „Wir haben zwei weitere Diabetiker in unserer Firma, es ist keine Problem. Und einer Gefahr wird Herr Palm nicht ausgesetzt“, so Toht.

Folker Palm ist glücklich: „Es ist wie ein Sechser im Lotto.“ Er schwebt auf Wolke 7. Und deswegen sagt seine Frau, wenn der gebürtige Brandenburger von seiner neuem Job schwärmt, auch jenen zarten Satz, „beruhige dich, morgen siehst die Biogasanlage wieder“.

Von Marion von Imhoff

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