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Erinnerung an das Schicksal der Vertreibung

Vor 70 Jahren kamen zahlreiche Bug-Holländer in den Hohen Fläming Erinnerung an das Schicksal der Vertreibung

Eduard Bütow kümmert sich um das Erbe der Siedlergemeinschaft, die über 300 Jahre lang im heutigen Polen zu Hause war und im und nach dem Zweiten Weltkrieges bis in den Hohen Fläming vertrieben worden ist. Dass es Zuspruch für die Thematik gibt, zeigt die jüngste Zusammenkunft der Interessengemeinschaft im Töpferort Görzke.

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Älteste Zeitzeugen beim Treffen in Görzke:Walter Selent, Ottenreuth, mit Cousine Genofeva Boehm, geborene Ryll, aus Jüterbog.

Quelle: S. Zimmermann

Görzke. Womöglich können junge Leute mit Schulprojekten für die Historie der Bug-Holländer interessiert werden. Das wünscht sich jedenfalls Eduard Bütow. Er ist – als Nachfolger von Siegfried Ludwig – jetzt zum Vorsitzenden des Vereins Bugholendry gewählt worden. Jener kümmert sich um das Erbe der Siedlergemeinschaft, die über 300 Jahre lang im heutigen Polen zu Hause war und im und nach dem Zweiten Weltkrieges bis in den Hohen Fläming vertrieben worden ist. Dass es – dank persönlicher Betroffenheit – durchaus Zuspruch für die Thematik gibt, lässt sich nach der jüngsten Zusammenkunft der Interessengemeinschaft im Töpferort Görzke hoffen. Es war das dritte Treffen seiner Art.

„Die Frage, wo jemand seine Wurzeln hat, ist in den 60er-Jahren noch häufig gestellt worden“, bestätigt Walter Selent. „Geboren wurde ich in Czersk, Weißrussland“, berichtet der 85-Jährige. Mit den Eltern kam er 1945 über Rathenow nach Wiesenburg, wo es nach wie vor eine Vielzahl von Namensvettern gibt. Persönlich fand er sein neues Zuhause in Ottenreuth bei Erlangen. Bis zur politischen Wende war es jedoch nicht ganz einfach, Informationen über das Schicksal der anderen Betroffenen zu erfahren.

„Doch mit dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa einerseits und der technischen Entwicklung andererseits konnte das Puzzle maßgeblich zusammen gesetzt werden“, sagt Eduard Bütow, der letztlich darauf aufbauend seit 1990 die Landeskunde der Mutterkolonie Neudorf/Neubruch erforscht.

Dieses Mal war Mikhaylo Kostiuk, Historiker an der Universität Lutsk, angereist, um auf die Familiengeschichten einzugehen, die beispielhaft Regional- und Weltgeschichte spiegeln. „Vor allem der Zusammenhalt war ein großes Pfund, mit dem die Gemeinschaft wuchern konnte“, hat der Experte analysiert. Dies ist nicht zuletzt bei den herzlichen Begegnungen und den intensiven Gesprächen dieser Tage augenscheinlich geworden.

Immerhin schon 1961 und 1964 hatten sich die Familien erstmals in Görzke getroffen. Roman Ludwig – inzwischen verstorben – hatte seinerzeit alle Teilnehmer auf einem Foto abgebildet. Das inzwischen 50 Jahre alte Dokument ist dennoch Impuls für eine Vielzahl und Vielfalt von Erinnerungen, die nicht zuletzt für die Nachfahren festgehalten werden sollen. Gerade 70 Jahre nach dem Kriegsende gibt es noch einige Zeitzeugen, die von den dramatischen Ereignissen berichten können.

Eduard Bütow beispielsweise war damals ins Schloss Dahlen gekommen. Ein Besuch auf dem Friedhof des Gräbener Ortsteils ist immer fester Bestandteil des Programms, wenn ein Besuch hierzulande ansteht. „Indes gehen die Kinder und Enkel von fast allen in aller Welt ihre eigenen Wege“, sagt der Vereinschef mit etwas Bedauern, aber auch nicht ohne Stolz.

„Ich kenne viele dieser Leute bereits seit meiner Kindheit“, sagt Jürgen Bartlog. „Von ihrer Vergangenheit und den persönlichen Erfahrungen wusste ich bislang eher wenig“, räumte der Bürgermeister ein. Immerhin haben sich offenkundig viele im Hohen Fläming eingelebt, neue Wurzeln geschlagen und auch zur Bereicherung beigetragen.

Von Silvia Zimmermann und René Gaffron

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