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Potsdam-Mittelmark Erinnerungen zum Widerstand in Werder
Lokales Potsdam-Mittelmark Erinnerungen zum Widerstand in Werder
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11:23 07.11.2014
Die 2008 angelegte Gedenkstätte auf dem Friedhof an der Heilig-Geist-Kirche in Werder für die 1950 ermordeten Widerständler. Quelle: Privat
Werder

Opi, wie habt ihr Weihnachten gefeiert, als du noch jung warst?“ Nach der Frage seines 13-jährigen Enkels Jon kann sich der einstige Werderaner Schüler Sigurd Blümcke plötzlich noch ganz genau an die winzige, kahle Gefängniszelle in Potsdam erinnern. Dort hatte er vor gut 60 Jahren die Heilige Nacht verbringen müssen und leise ein Lied gesummt.

Vom Verrat bis zur ersten großen Liebe
Der Enkel wollte vom Opa natürlich alles ganz genau wissen – vom Verrat bis zur ersten großen Liebe. „Du musst das alles erzählen“, drängt Jon. Der spätere erfolgreiche Mediziner hat seine Erlebnisse von 1944 bis 1952 dann nicht nur seinem Enkel erzählt, sondern jetzt im berührenden Buch „Wir liebten nur einen Sommer“ im Wagner-Verlag veröffentlicht. Der Wissenschaftler hat ein halbes Jahrhundert gebraucht, um sein Schicksal und das der jungen Werderaner im Widerstand zu verarbeiten.

Tagebucheinträge, Originaldokumente oder Interviews
„Meine Erzählung, die sich auf Tagebuchnotizen und Originaldokumente sowie auf selbst angefertigte Zeichnungen, persönliche Erinnerungen und Interviews stützt, ist als bescheidener Beitrag gegen das Vergessen gedacht“, heißt es im Vorwort des Autors an die Leser. „Möge beim Lesen mein Wunsch erkennbar werden, fröhliche und traurige Erlebnisse, aber auch die Ängste und Probleme, die unsere Jugend damals prägten, aus der Tiefe des Vergessens zu holen.“ Wer den Tatsachenbericht eines der letzten Zeitzeugen des Widerstandes gegen das „SED-Unrechtregime“ bis zur Haft 1950 in Potsdam und der anschließenden Flucht in den Westen liest, könne besser verstehen, was die Jugendlichen damals aus Überzeugung taten. 

Eine Gedenktafel für die ermordeten Widerstandskämpfer
An acht Freunde Blümckes in Werder, die gleichgesinnten tapferen Jugendlichen, erinnert seit 2008 eine Gedenkstätte auf dem Friedhof am Rathaus auf der Insel. Die acht Widerständler waren 1952 in Moskau erschossen worden. Die kleine Gipsfigur, die Blümcke nach seiner Haftzeit geformt hatte, diente als Modell für das neue Denkmal. Acht Urnen mit Erde vom Donskoje-Friedhof wurden damals an der Heilig- Geist-Kirche in Werder beigesetzt. Der Autor hatte die Erde mit Helfern aus Moskau geholt. Sie stammt aus der Stelle, an der sich damals die Grube befand, in die man die Asche der Hingerichteten warf. 

Manchmal besucht Sigurd Blümcke, der heute in Petershagen (Nordrhein-Westfalen) lebt, mit Freunden von damals die Gedenkstätte in Werder zu einer Schweigeminute. „Das Mahnmal sind wir den Freunden schuldig“, sagt Blümcke. Es flüstere allen Besuchern zu : "Wehret den Anfängen!“

Eine unvergessene Tragödie
Der Autor hat die Tragödie um die damals aufrichtigen Werderaner nicht vergessen. „Das hast du alles wirklich erlebt“, hört er seinen Enkel sagen. „Warum kannst du dennoch fröhlich sein?“ Ja, das könne er, sagt Blümcke. „Ich bin nicht zerbrochen, wie viele andere, die dasselbe Schicksal erleiden mussten.“ Aber er weiß dennoch zu gut, wie dramatisch seine Geschichte endet: Den Kampf für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit mussten Freunde mit Haft oder sogar heimtückischer Erschießung in Moskau bezahlen.

Stimmen zum Buch

  • Karin Dietl, geborene Schwalb, schreibt aus Bodman am Bodensee: „.... da ich selbst zu den aktiven Widerständlern gehörte, kann ich die Schilderungen des Autors voll und ganz bestätigen. ..... Wir waren jung und ausgelassen, wollten Recht und Freiheit aber handelten unbedacht und waren dem SED-Regime und seinem Staatssicherheitsdienst gnadenlos ausgeliefert. ..... Alle Gewalt und Unrecht am Deutschen Volk sollte nie vergessen werden! .... Ich gratuliere meinem ehemaligen Schulkameraden zu diesem gelungenen Tatsachenbericht!"
  • Thankmar Freiherr von Münchhausen, ehemaliger FAZ-Auslandskorrespondent: „Dieses Buch mit den vorzüglichen Zeichnungen, Fotos und Dokumenten führt den Leser in das bedrohliche Klima jener Zeit, von dem die Nachgeborenen gerade in diesen Tagen eine Ahnung bekommen. Im letzten Teil des Buches ist die Frage nach des Autors Rettung durch die Einblicke in die Stasi-Akten ein halbes Jahrhundert nach dem Geschehen meisterhaft gelöst. Mehr noch als bei der Beschreibung der Verhörmethoden bekommt der Leser ein Gefühl, mit welcher Doppel-Macht die Menschen in der DDR es bis zuletzt zu tun hatten. In diesem Buch hat der Autor vergangenes Leben aufbewahrt wie im Bernstein."
  • Der Autor Sigurd Blümcke wurde 1932 in Damsdorf geboren, ging dort und in Lehnin und Werder zur Schule. 1950 wurde er wegen aktiven Widerstandes in Potsdam inhaftiert. Ein Jahr später flüchtete er in den Westen, machte dort sein Abitur, studierte Medizin und promovierte in Münster.

Von Regine Greiner

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