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Potsdam-Mittelmark Erneuter Wolfsangriff auf privates Damwild
Lokales Potsdam-Mittelmark Erneuter Wolfsangriff auf privates Damwild
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19:04 22.03.2018
Die Damwild-Herde von Gerhard Kernchen aus Locktow ist einmal mehr dem Wolf zum Opfer gefallen. Etwa zehn Tiere habe der Wolf diesmal gerissen, schätzt der 68-Jährige. Quelle: Josephine Mühln
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Locktow

Der Wolf zwingt Gerhard Kernchen in die Knie. Mehr als zehn tote Tiere hat der 68-Jährige in seinem Damwildgehege bei Locktow am Donnerstagmorgen vorgefunden – allesamt über die neun Hektar verteilt. „Die müssen hier richtig Bambule gemacht haben“, sagt Kernchen und zeigt auf die Spuren, die dort, wo noch Schnee liegt, zu sehen sind. „Ich höre definitiv auf“, sagt er resigniert. „Das ist eine Invasion, die kann man nicht mehr aufhalten.“

Schon bevor Gerhard Kernchen zu seinem alltäglichen Morgenrundgang aufbrechen will, hat ihn per Telefon ein Landwirt über die Situation vor Ort informiert, der mit seinem Traktor am Gehege vorbeigefahren ist. Kernchen habe dann umgehend den für die Region zuständigen Wolfsbeauftragten angerufen. Dieser ist am Nachmittag nach Locktow gekommen, um den Schaden zu begutachten.

Angriff am Donnerstag ist der zweite dieser Art

Er fährt das Gelände ab, notiert Größe und Gewicht der Tiere, macht Fotos. Außerdem dokumentiert er die Rissspuren. Seinen Namen will der Gutachter nicht nennen – er werde wegen seiner Tätigkeit von vielen Menschen angefeindet, erzählt er nur.

„Für mich ist das größte Unglück, dass alle weiblichen Tiere hochschwanger waren“, erzählt Gerhard Kernchen. Er besitzt das Gehege seit 1993. Der Angriff am Donnerstag ist der zweite dieser Art. Zuletzt hat ein Wolf im Februar 2016 fünf Tiere des Bestandes gerissen. Er hat sich damals durch ein flach gegrabenes Loch unter dem Zaun Zugang zum Gehege verschafft.

Wildbret sollte verkauft werden

Die toten Tiere sind am Donnerstagnachmittag sofort abgeholt worden. Sie werden unter anderem an Greifvögel verfüttert.

Nach dem Angriff 2016 hat Gerhard Kernchen pro Tier rund 200 Euro Schadenersatz bekommen.

Ab dem Spätherbst verkauft Kernchen das Wildbret aus seinem Wald- und Wiesengatter zumeist an Privatpersonen.

Die schwangeren und vom Wolf getöteten Tiere hätten im Juni ihre Kälber bekommen sollen.

Auch Gerhard Kernchens Bruder hatte bereits Besuch vom Wolf. Auf seiner Weide in den Belziger Landschaftswiesen bei Brück-Trebitz wurden 2015 aus einer Kuhherde drei Kälber gerissen und weitere verletzt.

Gerhard Kernchen hat aus diesem Vorfall Konsequenzen gezogen und mit Elektrozaun nachgerüstet. „Das hat auch erstmal Wirkung gezeigt“, berichtet er. „Wir haben zwar noch Fährten gesehen, aber dann war Ruhe. Also hat er vermutlich einen Stromschlag bekommen.“ Wie der Wolf diesmal ins Gehege gekommen ist, sei noch nicht klar, erzählt der 68-Jährige nach dem Gespräch mit dem Gutachter.

Das Grundproblem liegt für ihn auf der Hand: „Wie kann man dem Wolf den Schutzstatus eines Heiligen verpassen? Das geht nicht!“ Jedes Tier habe natürliche Feinde, nur der Wolf nicht mehr. „Man kann die Population nicht explodieren lassen. Der Wolf muss die Spielregeln lernen – das würde er auch schaffen, er ist schließlich ein hochintelligentes Tier“, sagt der Rentner.

Gerhard Kernchen hat geahnt, dass etwas passieren würde

Er sei der Letzte, der den Wolf ausrotten wolle, ergänzt Kernchen, aber für ihn gehöre er schlicht ins Jagdgesetz. „Der Wolf muss lernen, dass auch er gefährdet ist, wenn er sich artfremd benimmt, also zum Beispiel sich an Nutztieren vergeht. Sonst wird er uns immer weiter riesengroße Probleme bereiten.“

Als der Wolf 2016 in Locktow zugeschlagen hat, hat Gerhard Kernchen schon Tage vorher Wolfsspuren rund um sein Gehege entdeckt. Das sei diesmal zwar nicht der Fall gewesen, dennoch habe er geahnt, dass etwas passieren würde. „Wenn ich hier meine Runden gedreht habe, war tagelang überhaupt kein Rehwild mehr zu sehen – das ist ein sicheres Zeichen, dass der Wolf unterwegs ist“, erzählt Kernchen.

Auch Stefan Leue in Rottstock hat in der Nacht zum Donnerstag das dritte Kalb in diesem Jahr an den Wolf verloren. Quelle: Frank Bürstenbinder

Elf Tiere habe er auf den ersten Blick gezählt, die den Angriff überlebt haben – ob es doch mehr sind, vermag Kernchen noch nicht zu sagen. Er vermutet, dass junge Wölfe am Werk waren. „Weil sie nur getötet und wenig gefressen haben“, sagt er. Als sofortige Schutzmaßnahme sollen rot-weiße Flatterbänder am Zaun angebracht werden, die abschreckend wirken. Ob er noch weiter aufrüsten will – beispielsweise mit mehr Strom – weiß Gerhard Kernchen nicht. Das sei am Ende auch eine Frage des Geldes.

Dass er die Damwildhaltung auf lange Sicht aufgeben will, steht für den Locktower fest. „Ich hoffe aber, dass ich den Schutz zumindest so lange aufrecht erhalten kann, bis die schwangeren Tiere abgekalbt haben. Denn sie abzuschießen widerstrebt mir“, sagt Kernchen.

Auch Stefan Leue in Rottstock (Amt Ziesar) denkt über die Zukunft seiner Dexter-Rinder nach. Er hat in der Nacht zum Donnerstag das dritte Kalb in diesem Jahr an den Wolf verloren. Leue zeigte der MAZ am Morgen den Kadaver des neugeborenen Kalbes, über den sich schon diverse Greifvögel hermachten.

Von Josephine Mühln

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