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„Caputher Musiken“ starten in die Saison

Schwedischer Cellist und Potsdamer Autor eröffnen Veranstaltungsreihe „Caputher Musiken“ starten in die Saison

Im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Caputh wurden am Samstag die 21. „Caputher Musiken“ eröffnet. In einem gemeinsamen Auftritt spielte der Barockcellist Ludwig Frankmar klassische Stücke zu Lesungen des Autors Stefan aus dem Siepen. In elf Konzerten werden bis November Klassik, Pop und Jazz, Film- und Kinderkonzerte geboten.

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Der Potsdamer Autor Stefan aus dem Siepen las zur Eröfnung der diesjährigen „Caputher Musiken“ aus seinen „Zumutungen des Lebens“.

Quelle: Olaf Möldner

Caputh. Die nun schon 21. Konzertreihe „Caputher Musiken“ steht 2016 unter dem Motto „Die Durchmessung des Lebens“ und wurde am Samstagabend im Gemeindesaal der evangelischen Kirche in Caputh mit einem adäquaten poetischen Ansatz gestartet. „Die Endlichkeit des irdischen Lebens und andere Zumutungen“ nennen der schwedische Barockcello-Spieler Ludwig Frankmar und der Potsdamer Autor Stefan aus dem Siepen ihr Programm.

Lesungen, bei denen zwischen den Textblöcken zur Entspannung Musik zu hören ist, sind wahrlich keine Seltenheit. Frankmar und Siepen aber treten nicht als Ergänzung des jeweils anderen auf. Ihre Auftritte sind eigenständige und gleichberechtigte Beiträge. Der in Berlin lebende Cellist hat sich auf die Interpretation barocker Musik spezialisiert und bemüht sich um eine möglichst historische Aufführungspraxis. Er spielte dabei auf einem Cello von 1756 und baute kurze Ausführungen zur Instrumentengeschichte mit ein. Frankmar spielte zuerst 4 Ricercate aus „Regola Rubertina“ des venezianischen Viola da Gamba-Spielers und Flötisten Silvestro Ganassi, die 1542/43 entstanden. Dem folgten später Passagen aus der um 1720 komponierten Suite Nr. 4 von Johann Sebastian Bach und zum Abschluss drei Stücke aus „Ricercate Passagi et Cadentie“ von Giovanni Bassano (1558-1617).

Schon zu Beginn zeigte sich, wie sehr das einfühlsame Spiel Frankmars die Zuhörer gefangen nahm. Wehmütige und sehnsuchtsvolle Stimmungen wechselten mit solchen, die wie dunkle Ahnungen klangen, und machten längst vergangene Zeiten lebendig. Von der konzentrierten Aufmerksamkeit des Publikums profitierte auch der Vortrag des durch die Arbeit im diplomatischen Dienst weit gereisten Autors. Er las kurze Gedankensplitter und Anekdotisches aus seinem „Buch der Zumutungen“. Selbst ernste Themen, wie die Zumutung der Endlichkeit des Lebens, behandelte er dabei oft mit Ironie und Hintersinn. Siepen beleuchtete die Unwägbarkeiten der irdischen Existenz und philosophierte über den vergeblichen Kampf der Medizin gegen den körperlichen Verfall genauso misstrauisch wie über die ständig steigende Zahl der Kerzen auf unseren Geburtstagstorten. Später erzählte er von der ästhetischen Zumutung, dass er in St. Petersburg in der Eremitage von einem Übermaß an Schönheit fast erdrückt worden wäre und dort erst im schmuddeligen Café Erlösung und Entspannung fand.

Auch die Bildende Kunst wurde Ziel seines Spotts. Siepen witzelte entspannt über die Sinnfreiheit und fehlende Könnerschaft. Natürlich durfte die Episode von der Entsorgung eines zeitgenössischen Ausstellungsobjektes durch eine übereifrige Putzfrau nicht fehlen. Genüsslich hinterfragte er die pseudoanspruchsvollen Alltags-Zumutungen, die uns heute die Werbung beschert. Siepen fand Wunderlichkeiten wie Bäcker, die sich mit dem Titel „Kuchenkultur“ schmücken und Autolackierereien, die sich den Firmennamen „Metamorphose“ zulegen. Ein Glück, dass zum Schluss der Celloklang die Zuhörer schnell wieder 400 Jahre zurück transportierte.

Von Lothar Krone

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