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Erratiker wagen das Außergewöhnliche

Kunst im Fläming Erratiker wagen das Außergewöhnliche

Das Finale des deutsch-skandinavischen Kunstprojektes im Baruther Urstromtal beschäftigte sich mit den Themen Deplatzierung und Heimat. Die norwegische Künstlerin Unn Fahlström präsentierte damit ihre Interpretation der Findlinge – auch Erratiker genannt – zusammen mit dem Projektinitiator Otmar Sattel. Es ist der letzte Teil des Baitzer Kunstpflug-Projektes.

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Die Norwegerin Unn Fahlström erklärt ihre Kunst.

Quelle: Melanie Höhn

Baitz. Das Leben ist mehr als die bloße Aneinanderreihung von Ereignissen. Es gibt keine Chronologie, Irrwege versperren die Sicht, manchmal ist es chaotisch und unübersichtlich. „Wir alle haben uns sicher einmal selbst deplatziert gefühlt, wie ein Findling, der darauf wartet, gefunden zu werden“, sagt die norwegische Künstlerin Unn Fahlström, während sie das Panorama des Naturschutzgebietes der Belziger Landschaften genießt. Mit ihrer Interpretation der Findlinge – auch Erratiker genannt – präsentierte sie am Wochenende zusammen mit Projektinitiator Otmar Sattel den letzten Teil des Baitzer Kunstpflug-Projektes.

Ausgangspunkt des skandinavisch-deutschen Projektes war die Überlegung, dass die Findlinge – geschliffene Steinbrocken – von Gletschermassen vor 25 000 Jahren aus Skandinavien in die Belziger Landschaftswiesen transportiert wurden. An vier Wochenenden ist ein künstlerischer Dialog in der Umgebung des Dorfes Baitz inszeniert worden, bei dem die Untiefen der Eiszeit auf aktuelle Thematiken übertragen wurden.

Fahlström wurde in Korea geboren, eine norwegische Familie adoptierte sie und so wuchs die Künstlerin auf der kleinen Insel Jelöy auf. Nach Stationen in New York und Oslo fand sie schließlich vor acht Jahren ihre Heimat in Berlin. „Deplatzierung ist ein Teil meiner Biografie. Es ist jedoch nur ein Gesichtspunkt von vielen. Der Findling hatte es nie nötig, gefunden zu werden, denn er selbst war niemals verloren oder fehl am Platz. Er ist einfach ein Wanderer, bewegt vom Eis, wandernd durch die Zeit.“

Besucher Tom Magin aus Berlin ist von der Ausstellung begeistert

Besucher Tom Magin aus Berlin ist von der Ausstellung begeistert.

Quelle: Melanie Höhn

Die 39-Jährige, die an der Kunstakademie in Oslo studierte, will mit ihrer Kunst Strukturen erkunden, die auf einzelne Momente des Lebens Bezug nehmen. In zwei großformatigen Stoffwerken visualisiert sie verschiedene Punkte – Momente des Lebens – und führt sie zusammen zu einer Linie. „Man kann meine Werke wie Karten lesen, auf denen man den Weg sucht. Einzelne Punkte ergeben verschiedene Lebenslinien, die parallel verlaufen. Das Leben hat unterschiedliche Ebenen.“ Zudem schuf sie mit zwei übereinander gelegten Fotografien einen Schnappschuss, der zwei Augenblicke visualisiert.

Otmar Sattel, künstlerischer Leiter des Projekts, hüllte den Container am Samstag in schwedische Gardinen. Er wollte das Objekt damit leichter machen und seine Konturen verwischen, denn bald wird es wieder aus der Landschaft verschwinden. Zudem wollte Sattel auf eine Doppeldeutigkeit anspielen: „Wer an schwedische Gardinen denkt, hat ein Gefängnis, etwas Befremdliches, im Kopf,“ erklärt Sattel. Doch hier in der Urstromtal-Landschaft wirken sie ganz leicht, wenn der Wind weht. Und es gibt sie, die Wohlfühlseite der schwedischen Gardinen: Man denke nur an ein Möbelhaus.

Mitinitiatorin Susken Rosenthal hat mit dem vierwöchigen Projekt ihre Vision umgesetzt: „Es war eine spannende Kulisse, ein reizvoller Kontrast. Wir wollten keine Konventionen bedienen, sondern das Außergewöhnliche wagen.“

 

 

Von Melanie Höhn

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