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Potsdam-Mittelmark Erster Stolperstein in der Kreisstadt verlegt
Lokales Potsdam-Mittelmark Erster Stolperstein in der Kreisstadt verlegt
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17:38 01.12.2017
Urenkel Roland Bornheim dankt für den Stolperstein, der am Freitag in Bad Belzig von Künstler Gunter Demnig (3. v. r.) für Dagobert Bornheim verlegt wurde. Initiator und Stifter ist Wolf Thieme (2. v. r.). Quelle: Christiane Sommer
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Bad Belzig

Mehr als 60 Menschen versammeln sich am Freitag zur Mittagsstunde vor dem Wohn- und Geschäftshaus in der Straße der Einheit 8 in Bad Belzig. Jüdische Musik klingt durch die abgesperrte Straße. In unmittelbarer Nähe steht ein Streifenwagen der Polizei. Inmitten der vielen Menschen kniet der Künstler Gunter Demnig. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Bauhofes verlegt er im Granitpflaster des Gehweges eine Messingplatte mit Inschrift. Damit hat die Bad Belzig nun den erste offiziellen Stolperstein. Er ist Dagobert Bornheim gewidmet. Der angesehene Kaufmann hatte bis zur Machtübernahme der Nazis 1933 ein ganz normales Leben in der kleinen Stadt geführt. Dass er Jude war, störte bis zu diesem Zeitpunkt niemanden.

„Ob er hoffte, von der Deportation verschont zu bleiben und mit dem Leben davonzukommen weil er eine arische Ehefrau hatte? Ich weiß es nicht“, sagt Wolf Thieme, der Initiator der örtlichen Stolperstein-Initiative. Mehr als eineinhalb Jahre erforschte er mit einer vierköpfigen Projektgruppe „Jüdisches Leben im Raum Bad Belzig“ im Verein Belziger Forum auch das Schicksal Bornheims.

Der jüdischen Kaufmann Dagobert Bornheim wurde 1942 von Nazis deportiert und ermordet. . Quelle: privat

Den umstehenden Menschen erklärt Thieme, dass am 1. Oktober des Jahres 1942 vor dem Wohn- und Geschäftshaus des Kaufmanns ein Wagen der Gestapo aus Potsdam hielt. An jenem Tag wurde der alte Mann abgeholt und sollte nie wieder nach Belzig zurückkehren. Den Recherchen zufolge soll ihn der damalige Belziger Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Otto Witte denunziert haben. Kurze Zeit darauf war Dagobert Bornheim tot. „Auf der Sterbeurkunde steht: Gestorben in Auschwitz, Todesursache unbekannt. Da war er 70 Jahre alt“, erklärt Thiemes Mitstreiter Benjamin Stamer und ergänzt: „Mit Bornheims Deportation sollte Belzig ‚judenrein’ werden.“

Weitere Steine im Fläming

In Bad Belzig war bereits 2005 auf dem Areal des Zentrums für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (Zegg) ein Stein zum Gedenken an Emma Pohl verlegt worden.

Sie war 1944 von dort ebenfalls nach Auschwitz deportiert und getötet worden. Doch war das ihr gewidmete Andenken nur den Stolperstein-Aktionen von Gunter Demnig nachempfunden und daher nicht im offiziellen Stiftungsregister enthalten.

Anders in Reetz, wo seit 2006 an Israel Rabinowitsch sowie in Treuenbrietzen, wo seit 2005 an Paul und Gertrud Slotowski mit offiziellen Stolpersteinen erinnert wird.

Die arische Ehefrau und die beiden Kinder als „Halbjuden“ führten nach dem Verlust in der furchtbaren Zeit des Nationalsozialismus kein einfaches Leben mehr in der Stadt. „Seine Tochter musste im KZ-Außenlager Roederhof Zwangsarbeit leisten. Sein Sohn, der mein n Vater war, kam 1944 auch noch ins KZ, in die Außenlager Groß Lübars und Zerbst“, erzählt Heidemarie Richter. Gerührt hat die Enkelin Bornheims die Arbeit des Künstlers Gunter Demnig verfolgt. „Von großer Dankbarkeit erfüllt“ habe sie die Worte von Wolf Thieme und Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) verfolgt, erzählt sie der MAZ. „Mein Vater sprach wenig über den Großvater. Sicher auch, weil er selbst betroffen war“, erinnert sich die 72-Jährige.

Aus Jena ist auch Bornheims Ururenkel Roland Bornheim angereist. Er sagt: „Der Stein heißt zwar Stolperstein, dabei erinnert er uns doch viel mehr daran, aufrecht zu leben.“ Den Familien daheim wollen die beiden vom Stolperstein für ihren Vorfahren erzählen. Auch davon, dass Dagobert Bornheim 75 Jahre nach seinem Tod in der Stadt nicht vergessen ist. „Er hat kein Grab. Aber Tote brauchen einen Ort, an dem man sich an sie erinnern kann“, sagt Wolf Thieme zum Grund für sein Engagement.

Im Gehweg vor Dagobert Bornheims einstigem Kaufhaus in der Straße der Einheit 8 in Bad Belzig ist dieser Stolperstein verlegt worden. Quelle: Christiane Sommer

Aktuell arbeite die Projektgruppe an mindestens zehn weiteren Biografien jüdischer Mitbürger, die während des Zweiten Weltkrieges ums Leben kamen. „Wir wollen die Stadt nicht mit Stolpersteinen zupflastern. Aber wir wollen an diese Menschen erinnern“, sagt der Akteur aus dem Ortsteil Werbig.

„Es ist schlimm, dass es immer noch Menschen gibt, die diese Zeit leugnen“, findet Helga Ritscher. Bis zum Frühjahr will die Projektgruppe eine Ausstellung erarbeitet haben, weil das jüdische Leben in Bad Belzig und Umgebung viele Gesichter habe. So wie das von Emma Pohl, die gemeinsam mit ihrem drei Monate altem Sohn deportiert wurde.

Von Christiane Sommer

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