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Erträge gut – Nur Milchpreis drückt aufs Gemüt

Feldheim Erträge gut – Nur Milchpreis drückt aufs Gemüt

Gerade in der Jahreszeit, in der die meisten im Urlaub weilen, schwitzen Landwirte umso mehr. So geht es auch den Beschäftigten der Agrargenossenschaft Feldheim mit ihrem Chef Sebastian Herbst. Der verzeichnet diesen Sommer ordentliche Ernteerträge. Gleichzeitig bereitet ihm ein Thema Magenschmerzen, das viele Kollegen teilen – der Milchpreis.

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Angela Schröter, Leiterin der Milchviehanlage, und Sebastian Herbst vor dem Protest-Transparent, das am Ortseingang Dietersdorf neben der B 2 aufgehängt wurde.

Quelle: Uwe Klemens

Feldheim. Den Dauerregen der vergangenen Tage sieht Sebastian Herbst mit gemischten Gefühlen. Durch den Mix aus Tier- und Pflanzenproduktion ist die von ihm seit eineinhalb Jahren geführte Agrargenossenschaft Fläming e.G. nicht ganz so wetterabhängig wie ein reiner Pflanzenbaubetrieb. Gerade deshalb hofft er auf möglichst gute Ernteerträge.

Auf den insgesamt 1 780 Hektar großen Flächen, die die Genossenschaft in den Gemarkungen Dietersdorf, Schwabeck, Feldheim, Lüdendorf, Treuenbrietzen und Wergzahna bewirtschaftet, ist derzeit wegen des durchfeuchteten Bodens wenig Betrieb. Dass man sowohl bei der Auswahl der Beschäftigten als auch bei der Lehrlingsausbildung Wert darauf legt, dass Pflanzen- und Tierproduktion beherrscht werden, kommt der Genossenschaft in Wetterlagen wie diesen zugute. Einzig der Tankwagen mit den Schleppschläuchen und die Scheibenegge sind unterwegs, um auf den bereits abgeernteten Feldern die Gärreste der Biogasanlage in den Boden einzuarbeiten.

„Die Ernte auf den Weizen-, Gerste- und Rapsschlägen ist inzwischen abgeschlossen“, sagt Herbst, der sich über eine ordentliche Ertragslage beim Weizen freut und die eingebrachte Menge bei Gerste und Raps durchschnittlich nennt. Das Gefälle erklärt sich mit der höheren Bodenqualität der Weizenschläge, die bei der hohen Feuchtigkeit der letzten Wochen länger durchhalten. Bei der Triticale- und Roggenernte rechnet der Landwirte höchstens mit einem durchschnittlichen Ertrag.

Große Hoffnungen hegt man in Feldheim beim Maisertrag, der zwar im Anfangsstadium unter hoher Trockenheit leiden musste, nun aber aufgrund der hohen Niederschlagsmenge von 70 Millimetern je Quadratmeter aufholen kann.

Vielseitigkeit ist Trumpf

Die Feldheimer Agrargenossenschaft Fläming ist eine eingetragene Genossenschaft und wurde 1991 als Nachfolgebetrieb der LPG Feldheim gegründet.

Der Mitarbeiterstamm umfasst 30 Tier- und Pflanzenbauer, Büromitarbeiter, sowie zwei Auszubildende.

Die Tätigkeitsfelder sind der Feldbau, die Aufzucht von Mutterkühen, die Milcherzeugung, die Vermarktung von Zuchtferkeln und Mastschweinen, die Holzvermarktung, sowie die Erzeugung von Strom und Wärme mit der Biogasanlage.

Die Genossenschaftsflächen umfassen 1780 Hektar Acker, sowie 200 Hektar Wald. Der Tierbestand umfasst 500 Sauen, 2 000 Mastschweine und 300 Milchkühe.

So wenig Einfluss die Landwirte auf die Wetterlage haben, so gering ist auch ihr Einfluss auf die marktpolitische Lage. „110 Euro für die Tonne Roggen und 125 Euro bei der Gerste reichen nicht, um wirtschaftlich zu sein. 175 Euro müssten es sein“, rechnet Sebastian Herbst vor. Etwa die Hälfte der Getreideernte wird deshalb in der Hoffnung auf bessere Erlöse am Jahresende eingelagert. Dass der Betrieb über eine Getreide-Trocknungsanlage verfügt, die mit Wärme aus der hofeigenen Biogasanlage betrieben wird, ist eines der Elemente, die helfen, die Produktionskosten zu optimieren.

Das schwierigste Thema für die Genossenschaftler ist unterm Strich die Schieflage zwischen Erzeugerpreis und Erlös bei der Milchproduktion. „Molkereien und Großhandel stopfen sich mit der Erhöhung des Ladenpreises die Taschen voll – bei den Landwirten kommt davon kein einziger Cent an“ klagt Herbst. „33 Cent für den Liter bräuchten wir, 23 Cent werden gezahlt. Das sind pro Kuh im Monat 50 Euro Minus, bei unseren 300 Milchkühen also 180 000 Euro Jahresverlust“, klagt er.

Bestehende Lieferverträge lassen es nicht zu, dass das Milchgeschäft aufgegeben wird. „Vor allem aber können wir doch nicht einfach die Leute, die in diesem Bereich arbeiten, einfach abschaffen . Wir fühlen uns für sie und ihre Arbeitsplätze verantwortlich“, sagt der Agrargenossenschafts-Leiter, der das Unternehmensergebnis noch ausgleichen kann: So hilft der Genossenschaft der Mix aus Milchvieh- und Ferkelvermarktung, vielseitigem Feldanbau sowie Strom-und Wärmeverkauf dabei, das Gesamtergebnis verlustfrei zu halten. Noch.

Von Uwe Klemens

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