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„Es ist ein mulmiges Gefühl“

Bad Belziger lebt derzeit in Brüssel „Es ist ein mulmiges Gefühl“

Der Bad Belziger Stadtverordnete und Lehramtsstudent Tobias Paul (CDU) verbringt aktuell ein Praxissemester in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Im MAZ-Interview spricht er darüber, wie er dort den Alltag unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen erlebt und wie er aus dem Ausland Kommunalpolitik im Hohen Fläming betreibt.

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Tobias Paul lebt derzeit in Brüssel und erlebt die von der Terrorgefahr erschütterte Stadt hautnah.

Quelle: T. Potratz

Brüssel/Bad Belzig. Der Bad Belziger Stadtverordnete und Lehramtsstudent Tobias Paul (CDU) verbringt aktuell ein Praxissemester in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Im MAZ-Interview spricht er darüber, wie er dort den Alltag unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen erlebt und wie er aus dem Ausland Kommunalpolitik im Hohen Fläming betreibt.

MAZ: Herr Paul, wenn Sie aus dem Fenster schauen – was können Sie sehen?

Tobias Paul: Man sieht und hört viele Sirenen. Auch Hubschrauber kreisen ab und zu über den Häusern. Die Razzien der Brüsseler Polizei finden auch in unserem Stadtteil statt. Es gibt wenig Autos und fast keine Menschen auf den Straßen. Die Stimmung in Brüssel ist schon seit den Anschlägen in Paris sehr angespannt. Es ist eine außergewöhnliche Situation zur Zeit.

Wie sieht Ihr Alltag in diesen Tagen aus?

Paul: Ich gehe nur mal eben in den Supermarkt zum Einkaufen. Ansonsten bleibe ich zu Hause. Am Wochenende wollten wir in einer Bar Fußball schauen. Doch es war alles geschlossen. Zumal sich die Bar noch in der Nähe der Europäischen Kommission befand. Die Brüsseler gehen eigentlich sehr gern in Cafés. Doch das ist hier im Moment fast gar nicht mehr zu sehen.

Was ist das für ein Gefühl für Sie, wenn das öffentliche Leben der Anspannung weichen muss?

Paul: Es ist ein mulmiges Gefühl. Die WG, in der ich wohne, befindet sich im Erdgeschoss. Das heißt, es könnte jederzeit jemand reinkommen. Ich wohne mit drei internationalen Mitbewohnern zusammen. Wir sind in den letzten Tagen häufig lange wach und schauen die Pressekonferenzen im belgischen Fernsehen, um zu wissen wie es weitergeht.

Was ist Ihre eigentliche Aufgabe in Brüssel?

Paul: Ich arbeite an der Deutschen Auslandsschule und absolviere dort ein Praktikum für mein Lehramtsstudium. Dort unterrichte ich Politik und Sport. Seit Montag ist die Schule geschlossen. Um dorthin zu kommen, brauche ich die Metro. Auch die ist mit der höchsten Terrorwarnstufe 4 lahmgelegt.

Haben Sie zuvor im Unterricht mit den Kindern über die Anschläge in Paris und Terror gesprochen?

Paul: Ja, natürlich. So verstehe ich Politik-Unterricht. Aktuelle Dinge müssen angesprochen werden. Paris liegt hier ja quasi vor der Haustür. Man fährt nur anderthalb Stunde. Es war interessant, wie die Schüler das aufnehmen. Die Nähe und die persönliche Betroffenheit ist für sie wichtig. Ich habe Ihnen die Aufgabe gegeben, einmal Anschläge und Kriege der letzten zehn Jahre zusammenzutragen. Konflikte aus Afrika kamen da fast nicht vor. Es ging nur um Europa. Auch den Anschlag in Beirut, der kurz vor den Anschlägen in Paris stattfand, hatten sehr wenige mitbekommen.

Noch im Sommer haben Sie einige Wochen im Europäischen Parlament für den Abgeordneten Christian Ehler gearbeitet. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Kollegen?

Paul: Ja, ich habe regelmäßig Kontakt. Aktuell braucht dort keiner ins Büro. Das hat Herr Ehler angeordnet. Die EU ist ja ein potenzielles Anschlagziel. Daher sind auch dort alle sehr angespannt. Dennoch ist es natürlich schwierig, wenn das Parlament nur noch beschränkt arbeitsfähig ist.

Ein paar politische Etagen tiefer läuft derweil die Kommunalpolitik im Hohen Fläming weiter.

Paul: Ganz genau. Ich bin trotz meines Auslandsaufenthaltes in Bad Belzig voll aktiv. Der neue Haushalt steht ja demnächst zur Abstimmung. Das ist dank Internet alles machbar. Ich bearbeite Unterlagen, schreibe viele Mails, stelle Anfragen an die Stadtverwaltung und halte natürlich Kontakt zu den Kollegen aus der Fraktion. Zwischendurch war ich im Oktober für die Stadtverordnetenversammlung in Bad Belzig.

Warum haben Sie sich in diesem Semester für Brüssel entschieden?

Paul: Brüssel ist politisch sehr interessant. Nach einer Studienreise im letzten Jahr habe ich diesen Entschluss gefasst. Es gibt einfach viele Möglichkeiten zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Zum Beispiel konnte ich in den Ferien für die britische Auslandsschule arbeiten und das Hauptquartier der NATO besuchen. Anfang nächsten Jahres werde ich nach Bad Belzig zurückkehren.

Von Tobias Potratz

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