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Es ist noch Platz für Wölfe im Fläming

Potsdam-Mittelmark Es ist noch Platz für Wölfe im Fläming

Torsten Fritz ist nicht nur Wolfsbeauftragter des Kreises Potsdam-Mittelmark sondern auch Jäger. Sorgen und Ängste wegen Wölfen in seiner Heimat kann er deshalb verstehen. Am Freitag informierte er über das Verhalten der ansässigen Rudel und gab eine Bilanz zum zurückliegenden Wolfsjahr im Kreis.

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Torsten Fritz ist Jäger und Wolfsbeauftragter im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Quelle: Andreas Trunschke

Raben/Mittelmark. Seit dem Jahr 2009 ist der Wolf wieder in Potsdam-Mittelmark heimisch. Fünf Rudel sind allein im Naturpark Hoher Fläming ansässig. Dass es inzwischen zu viele Wölfe in der Region geben könnte, befürchten deshalb nicht nur Landwirte. Torsten Fritz, Wolfsbeauftragter des Kreises, erwiderte diese Sorge am Freitag klar. Er informierte im Naturparkzentrum Hoher Fläming in Raben über das zurückliegende Wolfsjahr.

Seit dem ersten Nachweis auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow kamen fast jährlich Wolfsrudel bei Lehnin, Jüterbog und Göritz-Klepzig hinzu. Bei Görzke konnte 2015 erstmals Nachwuchs nachgewiesen werden, anschließend im Jahr 2016 auch bei Dobbrikow. Zu einem Wolfsrudel gehören dabei die Alttiere, die Jährlinge, also der Wurf aus dem Vorjahr, und die Welpen. „Insgesamt sind es durchschnittlich acht Tiere“, berichtete Fritz.

„Laut Vorstellungen der EU sollte eine Population wie die der mittelmärkischen Wölfe 1000 Erwachsene Tiere umfassen“, erklärte Fritz am Freitag. In Deutschland und Westpolen liegt die Anzahl gegenwärtig bei insgesamt 96 Rudeln mit knapp 800 Tieren. Da jedoch noch nicht alle Tiere davon erwachsen seien, erklärte Fritz, bestünde noch Platz für den Wolf in Deutschland.

Brandenburger Wölfe in Bayern und Dänemark gesichtet

Auch außerhalb der genannten Reviere finden sich in Potsdam-Mittelmark vermehrt Spuren von Wölfen. Ein Isegrim aus Altengrabow konnte beispielsweise in einem weitreichenden Streifgebiet gentechnisch nachgewiesen werden. Kein Wunder, können Wölfe doch 40 bis 70 Kilometer in einer Nacht zurücklegen. Junge Wölfe, die ihr Rudel verlassen, um ein neues zu gründen, legen wesentlich weitere Strecken zurück. „Ein Wolf aus Lehnin wurde in Bayern nachgewiesen“, berichtete der Wolfsbeauftragte des Kreises, „einen Klepziger Wolf zog es nach Dänemark.“

Die Faszination des Urvaters aller Hunde ergibt sich für Fritz, der selbst Jäger ist, aus der Biologie und dem Verhalten des Raubtieres. Auch sein Familiensinn und das Vermögen, zum Beispiel mit Raben zu kooperieren, trage dazu bei. „Die Vögel zeigen dem Wolf potenzielle Jagdbeute an und profitieren anschließend vom Jagderfolg“, erklärte Fritz.

Wolf hat kaum Einfluss auf Beute der Jäger

Der Wolfsbeauftragte und Jäger ging auch auf die problematische Seite des Wolfes ein. „In Potsdam-Mittelmark gab es bisher 14 Reißvorfälle mit insgesamt 19 Schafen und Ziegen sowie sieben Kälbern“, berichtete er. „Alle 16 Kalbsrisse, die es bisher in der Region gab, fanden auf nicht fachgerecht gesicherten Koppeln statt“, erklärte er, „man kann also etwas dagegen tun.“ Auf den Belziger Landschaftswiesen hörten die Risse nach den Schutzmaßnahmen 2014 auf. Das Klepziger Rudel wurde trotz Kuhherden in der Nähe noch nicht auffällig.

Zur Beute des Wolfes gehören nach wie vor hauptsächlich Reh-, Dam- und Schwarzwild. Insgesamt reißt ein Rudel etwa 510 Tiere pro Jahr. Trotzdem hat der Wolf laut Fritz „höchstens beim Damwild Einfluss auf die Jagdstrecke der Jäger“, also die jährliche Jagdbeute der Menschen. Umgekehrt wurden bisher 18 tote Wölfe im Landkreis nachgewiesen, zwei von ihnen wurden erschossen.

Von Andreas Trunschke

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