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Es kommt wieder Bewegung in ehemaligen Tontagebau

Niemegk Es kommt wieder Bewegung in ehemaligen Tontagebau

Nachdem auf dem Gelände des früheren Tonabbaugebiets in Niemegk lange Zeit Stillstand herrschte, kann die Rekultivierung nun weitergehen. Es ist eine Ergänzung zum Abschlussbetriebsplan genehmigt worden, die erlaubt, dass der Berg nicht mehr komplett mit reinem Mutterboden abgedeckt werden muss. Bei Investor Ulrich Pietrucha herrscht dennoch Ernüchterung.

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Christian Pietrucha, Sohn von Ulrich Pietrucha, hat gerade die Waage repariert, über die alle Laster fahren müssen, die das Material für die Rekultivierung bringen.

Quelle: Josephine Mühln

Niemegk. Die Rekultivierung des früheren Tonabbaugebietes am Ortsrand von Niemegk kann weiter voranschreiten. Denn wie Bauamtsleiter Thomas Griesbach in der jüngsten Sitzung des städtischen Ausschusses für die Rekultivierung der Tontagebaue mitgeteilt hat, ist nun eine Ergänzung zum Abschlussbetriebsplan genehmigt worden.

„Der alte Plan existiert nach wie vor. Aber jetzt haben wir präzisiert, welche Stoffe verwendet werden dürfen“, erläutert Ulrich Pietrucha, Geschäftsführer der für die Tongruben zuständigen Chris Cat GmbH, den aktuellen Stand. Demnach muss der inzwischen 99 Meter hohe Berg nicht mehr mit einer zwei Meter dicken Schicht aus reinstem Mutterboden – das entspricht der Qualität „Z 0“ – abgedeckt werden. Stattdessen darf für anderthalb Meter Material der Qualität „Z 1.1“ verwendet werden und nur der letzte halbe Meter Deckschicht muss Mutterboden in reinster Form sein.

Für die Nachnutzung gab es einst kreative Ideen

„Die Qualität ’Z 0’ entspricht in etwa destilliertem Wasser, enthält also keine Nährstoffe“, so Pietrucha. „’Z 1.1’ hingegen enthält ein paar Nährstoffe. Die Vorgabe ’Z 0’ stammt vom Landesumweltamt, aber das Bergamt hat sich seit etwa einem halben Jahr dafür eingesetzt, auf ’Z 1.1’ umzustellen.“ Für die Abdeckschicht werden 400 000 Kubikmeter Material benötigt – fast alles komme aus Potsdam oder Berlin. „Die anderthalb Meter mit ’Z 1.1’ bekommen wir sicher im Laufe der nächsten zehn Jahre fertig“, prognostiziert Pietrucha. „Aber so richtig attraktiv wird unser Gelände nicht mehr, das wird niemanden mehr vom Hocker hauen.“

Für die Nachnutzung des Areals hatte es ursprünglich viele Ideen gegeben. Darunter war auch ein Erlebnisparcours für Radsportler und andere. „Der Bad Belziger Landschaftarchitekt Gunnar Lange hatte einen wunderbaren Plan für die sportliche Nutzung gemacht, mit einer sieben Kilometer langen Radstrecke“, erzählt Pietrucha. Dieses Projekt sei für ihn aber mittlerweile gestorben.

Ton liegt bis zu 18 Meter tief

Das Tonabbaugebiet umfasst drei Restlöcher und Seen auf einer Fläche von 45 Hektar.

Die Chris Cat GmbH ist seit Januar 2008 Betreiberin des Areals.

Zwischenzeitlich hatte die Siba Gesellschaft für Kultivierung, Erschließung und Verwaltung von Industriegeländen mbH unter Leitung von Ulrich Pietrucha das Gelände bewirtschaftet.

Ursprünglich hatte die Niemegker Grundstücksverwaltungs GmbH – so hieß die erste Unternehmung von Ulrich Pietrucha – das Bergbaugelände von der Treuhand erworben. Mit seiner endgültigen Höhe von 101 Meter ist der höchste Berg etwa 28 Meter höher als etwa die direkt angrenzende Friedhofsstraße.

Aktuell lagern 1,5 Millionen Kubikmeter Ton auf dem Areal. Dieser liegt bis zu 18 Meter tief.

„Ich gebe es auf, mich für die Kommune zu zerreißen. Meine Vision ist nicht aufgegangen“, sagt der 73-Jährige. „Wir wollten hier etwas für den Tourismus machen, aber man kann nur gemeinsam etwas erreichen. Ich vermisse da auch den Rückhalt vom Bürgermeister.“ Dieser habe bei seiner Wahl 2014 gesagt, er wolle die Gestaltung des Tagebaugeländes maßgeblich voranbringen.

Hans-Joachim Linthe sagt auf MAZ-Nachfrage, dass er alles, was in der Vergangenheit auf dem Gelände passiert sei, eher skeptisch sehe. „Das war nicht zum Wohle der Stadt“, sagt der Sozialdemokrat. „Ulrich Pietrucha hat große Erwartungen geweckt, wollte die Ziegelei wieder in Betrieb nehmen und über 100 neue Arbeitsplätze schaffen. Davon war nichts zu merken, das war nur, um den Schein zu wahren.“

100 Jobs sollten entstehen – viel passiert ist nicht

Außerdem sei eine Menge an Bauschutt herangefahren worden, die in keiner Weise mehr im Einklang mit den früheren Plänen für die Nachnutzung gestanden habe. „Da liegt aber der Fehler sicher auch beim Bergbauamt“, räumt Linthe ein. „Ich bin dennoch skeptisch ob das, was da passieren soll, wirtschaftlich machbar ist.“ Sein Problem sei, dass der Schein, der erweckt wurde, nicht der Realität entsprochen habe.

Um das Gelände tobt seit Jahren ein Rechtsstreit zwischen dem Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) und Investor Pietrucha. Zwischenzeitlich hatten beide Seiten nur noch über Anwälte miteinander kommuniziert. Hauptstreitpunkt war neben der Qualität des zu verwendenden Mutterbodens auch die zulässige Höhe des Berges. Weil dieser immer weiter gewachsen war, hatte das Bergbauamt im Juli 2013 einen zeitweiligen Einlagerungsstopp verfügt.

Von Josephine Mühln

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