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Experiment Milchtankstelle geglückt

Dietersdorf Experiment Milchtankstelle geglückt

Seit November 2016 gibt es sie, die Milchtankstelle in Dietersdorf direkt am Kuhstall. In Selbstbedienung können sich Kunden dort Frischmilch zapfen und Qualitätswurst aus dem „Regiomat“ holen. Mehr als 20.000 Mal wurde das Angebot bereits genutzt. Hinter der Aktion steckt allerdings mehr als wirtschaftliches Interesse.

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Agrarchef Sebastian Herbst und Mitarbeiterin Katja Gärtner sind selbst treue Kunden der Milchtankstelle.

Quelle: Victoria Barnack

Dietersdorf. Die Milchtankstelle am Dietersdorfer Kuhstall ist ein Erfolg. Den hatte sich Sebastian Herbst, Chef der Feldheimer Agrargenossenschaft, zwar erhofft aber nicht wirklich erwartet, wie er heute gesteht. Seit der Inbetriebnahme im November 2016 flossen mehr als 20.000 Liter Milch durch die Zapfsäule. „Das sind etwa 60 Liter pro Tag“, sagt Herbst, „damit sind wir sehr zufrieden.“ Die Idee, frische Milch in einem Kühltank und Fleisch- sowie Wurstwaren aus dem „Regiomat“ zu verkaufen, habe den Standort in Dietersdorf veredelt.

Knapp 50.000 Euro hatte der Agrarbetrieb in die Milchtankstelle investiert. Die frische Milch wird sofort nach dem Melken in einem Tank gekühlt. Sie wird gefiltert, jedoch nicht pasteurisiert oder homogenisiert. Dass sich das Nebengeschäft wirtschaftlich lohnt, sei zwar wichtig aber nicht das alleinige Ziel der neuen Direktvermarktung. „Unser Hauptanliegen ist es, die Menschen für die Landwirtschaft zu sensibilisieren“, sagt Sebastian Herbst.

Experten sagen nächste Milchkrise voraus

Nach der Milchkrise habe der Betrieb zeigen wollen, dass ein Liter Milch mehr wert ist als 20 Cent. Nach einer zwischenzeitlichen Entspannung hat sich die Lage der Milchbauern wieder verschlechtert. Zuletzt fiel der Milchpreis um 3,5 Cent auf knapp 33 Cent. „Das reicht nicht aus zur vollen Kostendeckung. Experten sagen uns schon die nächste Milchkrise voraus“, berichtet Herbst. Vor allem mit dem Blick in die Zukunft sei es wichtig, dass die Wertschätzung für das Produkt steigt.

Wegen der Debatte um Massentierhaltung achten die Feldheimer auch auf die Lebensqualität ihrer Nutztiere. „Unsere Milch ist zertifiziert als GVO-frei“, berichtet Katja Gärtner, die für die Direktvermarktung der Produkte zuständig ist. „Das heißt, die Tiere bekommen ausschließlich Futter ohne Gentechnik“, erklärt Gärtner. Den Großteil davon baut der Betrieb selbst an.

Bockwurst und Wiener sind der Renner

Nun hat sich die Agrargenossenschaft der Kampagne „Tierwohl“ angeschlossen. Schweine haltende Landwirte setzen dabei Tierwohlkriterien um, für die sie eine finanzielle Förderung erhalten. Alle Kriterien liegen über den gesetzlichen Standards. Beispielsweise müssen organische Spielzeuge vorhanden sein und freiwillige Kontrollen zur Qualität des Tränkewassers oder der Menge an Tageslicht durchgeführt werden.

Weil die Milchtankstelle so erfolgreich ist, will die Feldheimer Agrargenossenschaft das Angebot erweitern. „Im Regiomat haben wir die Produktpalette bereits verändert. Im Sommer gab es Grillfleisch, inzwischen sind Bockwurst und Wiener der Renner“, sagt Herbst. Seit einigen Monaten können sich Kunden küchenfertige Boxen mit verschiedenen Produkten vom Rind vorbestellen. Künftig soll es dasselbe Angebot auch als Schweinebox geben. Zehn Kilogramm Schnitzel, Rippchen, Gulasch und andere Fleischwaren kommen dann vom Schlachter über die Agrargenossenschaft direkt in die heimische Gefriertruhe.

Im Gästebuch stehen sogar Kunden aus Lettland

Wie viele Kunden die Milchtankstelle nutzen, können weder Herbst noch Gärtner genau sagen. Denn dort herrscht Selbstbedienung. „Wir haben inzwischen viele Stammkunden“, berichtet Katja Gärtner. Auch Fahrgemeinschaften seien schon gegründet worden, um stets mit frischer Kuhmilch versorgt zu sein. „Aufgrund der Lage an der B 2 halten auch Pendler bei uns an“, sagt sie.

In dem Gästebuch, das in dem kleinen Verkaufsraum ausliegt, haben sich Menschen aus München, Stuttgart und sogar Lettland verewigt. „Vielen Dank, dass man endlich mal wieder Rohmilch bekommen kann und nicht dieses pasteurisierte Zeug“, schreibt ein Kunde aus Wittenberg. Und ein Mann aus Treuenbrietzen vermerkt: „Wie immer sehr lecker. Eure Wurst kann man nur empfehlen.“

Von Victoria Barnack

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