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Potsdam-Mittelmark Warum die Großtrappe noch nicht endgültig gerettet ist
Lokales Potsdam-Mittelmark Warum die Großtrappe noch nicht endgültig gerettet ist
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16:47 15.03.2018
Erhabenes Tier: die Großtrappe braucht immer noch den Schutz des Menschen. Quelle: MAZ-Archiv
Kuhlowitz

Die ersten Hähne fangen an, sich aufzuplustern. Im Spektiv, einem speziellen Fernglas, sind ihre leuchtenden Federbüsche gut zu erkennen.

Dabei halten sich die besonderen Großvögel in so sicherer Fluchtdistanz, dass sie mit bloßem Auge allenfalls als weiße Punkte in der Fläming-Landschaft bei Freienthal zu erkennen sind. In zwei Wochen wird die Balz der Großtrappen auf den Belziger Landschaftswiesen in vollem Gange sein.

Die Großtrappe zählt zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Die Population ist in prekärer Lage, lange war die Art vom Aussterben bedroht. 75 Großtrappen leben aktuell auf den Belziger Landschaftswiesen.

Aktuell kann Norbert Eschenholz, der Leiter der staatlichen Vogelschutzwarte in Baitz, besondere Gäste auf den Aussichtsturm bei Freienthal führen. Sie kommen vom Seminarhotel „Paulinen Hof“ im Bad Belziger Ortsteil Kuhlowitz.

Dort beraten Experten aus 13 Ländern diese Woche über Strategien zum Schutz der Großtrappe, die sie natürlich auch selbst beobachten wollen. Organisator der Konferenz ist das Verbindungsbüro des UN-Übereinkommens zum Schutz wandernder, wildlebender Arten.

Auch weiterhin muss viel getan werden, um die Art zu erhalten

Der Schutz der in Europa seltenen Vogelart ist noch immer nötig, auch wenn sich die Anzahl der Großtrappen in Deutschland in den letzten 20 Jahren vervierfacht hat. „Gab es damals gerade noch 57 Tiere, so sind es heute 257 und damit immerhin 21 mehr als im Vorjahr“, berichtet der Vorsitzende des Fördervereins Großtrappenschutz, Marcus Borchert.

Die Trappe ist auch als „Märkischer Strauß“ bekannt

In Deutschland ist der „Märkische Strauß“, wie die Großtrappe auch genannt wird, noch in drei Gebieten vertreten: mit 93 Exemplaren im Havelländischen Luch, mit 91 Vögeln im Fiener Bruch und mit 75 auf den Belziger Landschaftswiesen. In Sachsen-Anhalt gibt es außerdem einen Schutzraum auf dem Zerbster Ackerland.

Norbert Eschholz, der Leiter der staatlichen Vogelschutzwarte in Baitz.         Quelle: Trunschke, Andreas

Heute leben dort zwar keine Großtrappen mehr, aber die Landesregierung sei bestrebt, den Schutzstatus aufrecht zu erhalten und vor allem die Zugräume offen zu halten oder wieder zu öffnen.

Das bedeute, sie nicht mit Windrädern zu bebauen. „Vielleicht haben die Großtrappen das Gebiet noch gespeichert“, hofft Staatssekretär Klaus Rehda vom Umweltministerium Sachsen-Anhalts.

Nicht mehr unmittelbar vom Aussterben bedroht

Auch wenn die Großtrappe nach Angaben der Experten nicht mehr unmittelbar vom Aussterben bedroht ist, sei sie aber lange noch nicht gerettet.

Die meisten der imposanten Vögel gibt es heute in Spanien, wo circa 30 000 Exemplare leben. Größere Bestände leben ebenfalls in Ungarn, in Russland und in der Ukraine. „Der ungarische Bestand erleichtert die Arbeit in Österreich“, wie Reiner Raab berichtet, der die erste Großtrappenkonferenz organisiert hat.

Inzwischen gebe es in Österreich wieder 420 Tiere. In Russland und in der Ukraine gehe dagegen in den letzten Jahren der Bestand dramatisch zurück. Zum Verhängnis wird den Tieren dort – wie einst auch in Deutschland – vor allem die wirtschaftliche Entwicklung, die mit einem Verlust natürlicher Freiräume einhergeht.

Tiere brauchen weite Landschaften – im Fläming fühlen sie sich wohl

Großtrappen sind auf weite, unbebaute und vor allem ungestörte Landschaften mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot angewiesen. Immerhin benötigt ein Großtrappenküken in den ersten beiden Wochen etwa 10 000 große Insekten als Nahrung. Das erfordert eine artenreiche Pflanzenwelt, die in der intensiven Landwirtschaft nicht mehr gegeben ist.

Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde betont bei der Großtrappen-Konferenz in Kuhlowitz daher auch, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist. „Sie bleiben die wichtigsten Verbündeten beim Schutz der Trappen.“

Jäger sind gefährlich für den Bestand der Art

Vom Schutz der Großvögel, die immerhin so schwer wie kleines Reh werden können und als größter flugfähiger Vogel der Erde gelten, profitieren auch andere Arten. Tilmann Schneider vom Büro „Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden, wild lebenden Tierarten“ bezeichnet die Trappen daher auch als „Flaggschiff für Biodiversität“.

Auf einer Konferenz haben sich Experten im März 2018 in Bad Belziger Ortsteil Kuhlowitz über die Entwicklung der Großtrappen in Schutzgebieten wie den Belziger Lanschaftswiesen ausgetauscht.          Quelle: Andreas Trunschke

Ein zweites großes Problem stellen die Prädatoren, also die Beutegreifer wie Fuchs, Marder oder Waschbären dar, die Nester räubern. Bei ihrem Besuch auf dem Beobachtungsturm bei Freienthal konnten die Experten miterleben, wie ein Greifvogel Großtrappen aufscheucht, zum Glück aber keine Beute machen konnte.

Umzäunung helfen gegen Fuchs-Angriffe

Als Sicherung vor dem Fuchs werden große Areale von bis zu 30 Hektar eingezäunt. „Auch freilebende Hennen nutzen das Angebot an Sicherheit instinktiv für ihre Brut, wie Torsten Langgemach vom Brandenburger Landesamt für Umwelt berichtet. Er ergänzt: „Es ist gut, dass wir die Tollwut ausgerottet haben, aber jetzt hat der Fuchs kein Korrektiv mehr.“

Noch immer werden deshalb zwei Drittel der Trappenküken eines Jahres künstlich aufgezogen. Außerhalb dieser Einzäunungen sind 2015 nur zwei Jungvögel flügge geworden.

Von Andreas Trunschke

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