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Experten nehmen Lkw und Busse ins Visier

Polizei-Großeinsatz auf Autobahnen und Landstraßen im Fläming Experten nehmen Lkw und Busse ins Visier

Mit verstärkten Kontrollen hat die Polizei in dieser Woche auf Brandenburgs Autobahnen Lastwagen und Busse besonders unter die Lupe genommen. Hintergrund ist die steigende Zahl von Unfällen, die durch Brummifahrer und technische Mängel verursacht werden. Mehrere Großeinsätze der Polizei fanden bis Freitag auch auf der A 9 im Fläming sowie in Bad Belzig statt.

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Alles in Ordnung: Polizist Ronald Trempler kontrolliert den Bus von Klaus Zoller.

Quelle: Thomas Wachs

Mittelmark. Achtung Verkehrskontrolle! Dem Warnschild an der Autobahn 9 in Richtung Süden folgen Tempolimits: 100, 80, 60, 40 — dann geht vor dem Lastzug aus Slowenien die Polizei-Kelle von Frank Kirsch in die Höhe. Ausfahren bitte, signalisiert der Polizeiobermeister aus Luckenwalde am Rastplatz Borker Heide. Dort steht der weiße MAN-Lastzug mit dem dreiachsigen Sattelauflieger dann länger, als es seinem Fahrer lieb sein kann. Ronald Trempler und seine Kollegen von der Sonderüberwachungsgruppe (Sügru) sowie weitere Polizisten aus verschiedenen Regionen nehmen herausgewinkte Lastwagen, Kleintransporter und Busse sowie deren Fahrer genauestens unter die Lupe. Anlass ist eine landesweite Aktionswoche für mehr Sicherheit im Güterverkehr. Seit Montag finden täglich verstärkte Kontrollen statt. So auch an den Autobahnen 2 und 9 im Fläming sowie auf Landstraßen und an der Berliner Straße mitten in Bad Belzig.

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Mit verstärkten Kontrollen hat die Polizei in dieser Woche auf Brandenburgs Autobahnen Lastwagen und Busse besonders unter die Lupe genommen. Hintergrund ist die steigende Zahl von Unfällen, die durch Brummifahrer und technische Mängel verursacht werden. Mehrere Großeinsätze der Polizei fanden bis Freitag auch auf der A 9 im Fläming sowie in Bad Belzig statt.

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Auf dem Autobahnrastplatz rollt Roland Trempler bereits mit seinem Rollbrett rücklings unter den Achsen des slowenischen Lasters umher. Beim Blick hinter die Felgen hatte sich der Verdacht ergeben, dass an einem Rad die Bremssteine komplett abgenutzt sind.

Polizeiobermeister Dirk Stupp vermisst die Bremsbeläge am Sattelauflieger

Polizeiobermeister Dirk Stupp vermisst die Bremsbeläge am Sattelauflieger.

Quelle: Thomas Wachs

Das bestätigt sich, als der LKW-Fahrer eine halbe Stunde später das wuchtige Rad demontiert hat. Nur noch der Eisenträger reibt dort auf der Bremsscheibe. „Mangelnde Wartung oder billige Ersatzteile“, erklärt Polizist Egon Leingang von der Beelitzer Sügru mit Kennerblick. Ein Serviceteam muss die Bremse vor Ort erneuern. So lange steht der Brummi.

Nebenan parkt schon seit mehr als drei Stunden ein polnischer Lastwagen. Dessen Fahrer hat die Beine auf das Lenkrad gelegt. Er macht Zwangspause bis sein Chef per Kurier 420 Euro vorbeigeschickt hat. „Diese Summe muss der Fahrer als Bußgeld löhnen, weil er die Lenkzeit massiv überschritten hatte“, erklärt Polizist Frank Kirsch. Polizeilich verfügte Rast macht auch ein Lastzug aus dem Landkreis Meißen in Sachsen mit polnischem Fahrer. Statt der maximal erlaubten vier Meter, ragt der Auflieger 4,10 Meter in die Höhe. Also muss umgeladen oder eine flachere Zugmaschine vorgespannt werden. All das kann dauern. „Auch wenn die Fahrer immer das letzte Glied in der Kette sind, wollen wir bei ihnen an das Verantwortungsbewusstsein appellieren. Viele messen nicht nach, wenn beladen ist“, erzählt Kirsch. Mitunter sind Brückendurchfahrten — zum Beispiel bei Wartungsarbeiten — aber nur 4,10 hoch. Dann kann es krachen. Schwere Unfälle sind die Folge.

Zahl der Unfälle mit Lastwagen steigt dramatisch

Deren Zahl stieg innerhalb von zwei Jahren zwischen 2012 um 2014 um 21, 6 Prozent. Landesweit ereigneten sich im vorigen Jahr auf Brandenburgs Autobahnen 2059 Unfälle mit Fahrzeugen im Güterverkehr. Dabei waren 129 LKW-Fahrer die Verursacher von Unfällen mit Personenschaden. 17 LKW-Fahrer verloren im Jahr 2014 ihr Leben auf Autobahnen. Grund genug für die Polizei, den Kontrolldruck zu erhöhen. So standen diese Woche bei der Aktion unter dem Motto „Sicher transportieren — sicher ankommen“ Fragen der Ladungssicherung, der Einhaltung von Vorschriften für Tier- und Gefahrguttransporten sowie die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie der technischen Fahrzeugsicherheit im Mittelpunkt der mobilen und stationären Kontrollen auf Landstraßen und Autobahnen.

Falko Ditscher (r) ist Einsatzleiter bei der LKW-Kontrolle

Falko Ditscher (r.) ist Einsatzleiter bei der LKW-Kontrolle. Er kann in seinem mobilen Polizeibüro alle Abfragen machen.

Quelle: Thomas Wachs

Polizisten müssen 285 Verstöße ahnden

Während der Aktionswochen für mehr Sicherheit im gewerblichen Personen- und Güterverkehr vom 20. bis 24. Juli wurden auf den Autobahnen im Bereich der Polizeidirektion West insgesamt 188 Fahrzeuge überprüft. Durch die Beamten wurden neben stationären Kontrollen auch mobile Kontrolle auf den Autobahnen A2 und er A9 durchgeführt.

Im Einsatz waren 40 Polizisten. Sie haben bei 111 Fahrzeugen 285 Verstöße festgestellt. Den größten Anteil machten 215 Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten aus.

Es wurden 36 Verwarngelder erhoben und 48 Ordnungswidrigkeitenanzeigen geschrieben. In 14 Fällen wurde die Weiterfahrt vor Ort versagt.

Während der Kontrollen mit Schwerpunkt auf die Einhaltung der Straßenverkehrsregeln in den vier Polizeiinspektionen wurde 24 Kraftfahrer festgestellt, die den Sicherheitsgurt nicht angelegt hatten. Es handelte sich dabei um 13 Auto und elf LKW-Fahrer. Zudem wurde in 32 Fällen eine Überschreitung der Geschwindigkeitsbeschränkung geahndet.

Erfreulich war für die Polizei, dass keiner der überprüften Kraftfahrer unter dem Einfluss von Alkohol stand.

Gut besucht war eine Informationsstand der Präventionsabteilung der Polizei auf einem Supermarktparkplatz in der Stadt Brandenburg. 135 Bürger ließen sich dort während der Aktionswoche über aktuelle Themen der Verkehrssicherheit —insbesondere zum Bereich Gurt — beraten.

Kein Problem mit der Polizeikontrolle

Unterdessen rollt ein Reisebus aus Lermoos in Österreich in die Kontrollzone. Der Chef chauffiert dort selbst eine Schulklasse auf der Rückreise von Berlin in die Heimat. Klaus Zoller ist für einen ausgefallenen Fahrer eingeprungen. Die Kontrollen findet er in Ordnung. „Ich hatte schon im Radio davon gehört“, sagt der Busunternehmer. „Wer nix zu verbergen hat, muss sie aber nicht fürchten“, so Zoller. Einen schlechten Ruf könne sein Unternehmen sich nicht leisten. „Die Verantwortung ist zu groß“, sagt der Chef mit Blick auf seine jungen Fahrgäste, Also setzt der Chef auf regelmäßige Wartung seiner Busflotte. Polizeihauptmeister Ronald Trempler demonstriert er die korrekte Notfunktion der Ausstiegstür. Auch Verbandkästen und Notfallhämmer zum Zerschlagen von Scheiben sind im Bus korrekt angebracht, bescheinigen die Kontrolleure. Sie wollen nun noch sehen, ob die Radbolzen ordnungsgemäß angezogen sind. Routiniert erledigt Klaus Zoller auch das. Dann geht es weiter in Richtung Tirol.

Kein Problem mit der Zwangspause an der Kontrollstelle hat auch Jens Jankowsky von einer Spedition aus Leipzig. „Das erhöht doch unser aller Sicherheit auf der Piste“, sagt der Fahrer eines Kleinlasters.

Ohne Mängel war der   Truck  von Jens Jankowsky aus Leipzig

Ohne Mängel war der Truck von Jens Jankowsky aus Leipzig.

Quelle: Thomas Wachs

Bei ihm ist alles in Ordnung. Mit einem unguten Gefühl folgt indes die Fahrerin eines großen Lastzuges aus dem brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster den Beamten in ihr mobiles Büro im Kleintransporter. Dort wird die Registrierscheibe des Fahrtenschreibers ausgelesen.

„Insgesamt haben wir hier an der A9 das übliche Bild“, sagt Einsatzleiter Falko Ditscher. Verstöße gegen die Vorschriften für Ruhezeiten sowie technische Mängel werden festgestellt. Außergewöhnliches ist an diesem Donnerstagvormittag nicht dabei. Anders als noch vor Jahren, fallen bei den Kontrollen der Sügru längst nicht mehr nur ausländische Fahrzeuge verstärkt auf. „Auch in Polen fahren inzwischen moderne Lastwagen, die von den Firmen geleast werden und meist in Ordnung sind“, erzählt Falko Ditscher. Die Probleme verlagern sich nach seiner Erfahrung heute „weiter nach Osten und in den Süden Europas“. Bei der mobilen Kontrolle stellen die Beamte in Zivilwagen immer wieder auch Abstandsdelikte fest. „Einige Brummi-Lenker fahren fünf bis zehn Meter dicht auf den Vordermann auf und haben dann noch ein Handy am Ohr“, erzählt Falko Ditscher.

Von Thomas Wachs

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