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Exponate aus der guten alten Zeit

Ragösen Exponate aus der guten alten Zeit

Alle zwei Jahre veranstaltet der Verein der Heimat- und Naturfreunde Ragösen eine Schau zur Ortsgeschichte. Das Interesse ist groß, wie sowohl die Mitwirkung durch Leihgaben als auch der Besuch bei der siebenten Auflage am Wochenende dokumentieren. Für eine Dauerausstellung fehlt es jedoch an Perspektiven.

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Vereinschef Günther Franz und Stellmacher Herbert Kaiser.

Quelle: Christiane Sommer

Ragösen. Einsammeln, was Dachböden, Scheunen und Keller so hergeben. Zum siebten Mal hat der Verein der Natur- und Heimatfreunde um Leihgaben gebeten und am Sonntag Nachmittag eine Raritätenschau veranstaltet. Das Motto diesmal lautete „Handel und Gewerbe“ – die einmalig präsentierten Exponate sorgten für reichlich Erinnerungen bei Einheimischen und Besuchern.

„Aus der Not ist eine Tugend geworden“, antwortet Günther Franz auf die Frage, warum lediglich temporäre Ausstellungen organisiert werden. Abgesehen vom Fußballverein und der Feuerwehr fehlt wie fast allen Vereinen den Heimatfreunden der Nachwuchs“, gesteht er. Der Altersdurchschnitt der 34 Mitglieder beträgt 64 Jahre und lässt Franz zufolge keine Gedanken an eine Dauerausstellung zu. Dessen ungeachtet wollen die Enthusiasten aber an der Idee festhalten und alle zwei Jahre themenbezogene Ausstellungen organisieren.

Der Aufwand ist dann überschaubar und kann mit gebündelten Kräften realisiert werden. Dass die Ragösener Interesse haben, steht außer Frage. Zur besten Kaffeezeit zählte Günther Franz nahezu 60 Einwohner in der großen Halle der Agrargenossenschaft. Sie drängten sich um das Rund in der Mitte, wo einem Herzstück gleich, allerlei Objekte aus dem Alltag der Altvorderen postiert waren – von der Dezimalwaage bis zum Waschbrett, von Holzpantinen bis zum Dreschflegel. Liebevoll arrangiert grüßte die „gute alte Zeit“, die, soviel wurde in den Gesprächen immer wieder deutlich, alles andere als bequem war.

„Günter Broy hat einen Großteil der Exponate beigesteuert und das alles hier aufgebaut“, lobte der Vereinsvorsitzende. seinen Ausführungen zufolge sei der Golzower tragende Stütze der Ausstellung, die jeweils unter der Devise „Sammeln - Bewahren - Erinnern“ organisiert wird, gewesen.

Viele Besucher waren gekommen, um die Raritäten zu sehen

Viele Besucher waren gekommen, um die Raritäten zu sehen.

Quelle: Christiane Sommer

Entlang der Wände spiegelte sich das diesjährige Thema der Schau wieder. Arbeitsgeräte, Lehrbücher, Meisterbriefe und viele andere Ausstellungsstücke verdeutlichen, dass ehemals in Ragösen noch Stellmacher, Schmiede, Schuhmacher und andere Handwerker ihren Lebensunterhalt verdienten.

Herbert Kaiser ließ sich von den Ausstellungsobjekten, die das Berufsbild des Stellmachers erklärten, in den Bann ziehen. „Er war der letzte dieser Zunft im Dorf“, erklärte Günther Franz. Der Senior selbst ergänzte: „Aber nur noch von 1954 bis 1957“. Danach sei das Berufsbild flächendeckend ausgestorben. Hölzerne Räder waren nicht mehr gefragt und die Kenntnisse der Stellmacher, die ab den 1920er-Jahren auch Wagenbauer sein mussten, gingen in anderen Berufszweigen auf.

„Einwandfrei und sehenswert“, bemerkte Herbert Kaiser. „Man staunt, was die Leute noch alles zu Hause haben.“ Nicht minder interessant für ihn war die Fotostrecke, welche die Entwicklung des Dorfes in den vergangenen 100 Jahren dokumentierte. Eine der Aufnahmen weckte besonders sein Interesse. Das vergilbte Bild zeigte, einen Hausschlächter, der seiner Arbeit nachging. „Mein Vater war auch Hausschlächter“, erklärte der 77-Jährige. Das alte Handwerksgerät, welches fast vergessen daheim aufbewahrt wird, wollte er nun zur nächsten Ausstellung beisteuern.

Zwischen 150 und 200 Exponate schätzte Günther Franz indes die Anzahl der Leihgaben, die von den Ragösenern für die diesjährige Exposition beigesteuert wurden. Einige besondere Raritäten, wie ein Bild der Dorfgaststätte mit roter Tanksäule vor der Tür, sind auf jeden Fall dabei gewesen und sollten gewiss noch für Gesprächsstoff ein paar Tage lang sorgen.

Von Christiane Sommer

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