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Potsdam-Mittelmark FDP und AfD sind die Gewinner
Lokales Potsdam-Mittelmark FDP und AfD sind die Gewinner
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22:49 24.09.2017
Auszählung der Briefwahlunterlagen in Kleinmachnow. Quelle: Stephan Laude
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Region Teltow

Auch wenn in Kleinmachnow keine Bürgermeisterwahl stattfand, eine Wahlparty wurde auch hier veranstaltet. Die typische Wahlparty-Atmosphäre bei Verkündung der ersten Prognose der ARD um 18 Uhr – großer Jubel oder bitter enttäuschte Gesichter – stellte sich allerdings gestern nicht ein, da die Übertragung auf dem Großbildschirm zunächst nicht funktionierte. Es gab also nicht nur wegen des Ergebnisses viele enttäuschte Gesichter.

Bürgermeister Michael Grubert (SPD) sagte zu den Ergebnissen der Bundestagswahl: „Ich bin enttäuscht über das Wahlergebnis der SPD und entsetzt über das Wahlergebnis der AfD.“ Grubert teilt die Entscheidung der SPD-Parteispitze, nicht wieder in die Große Koalition zu gehen. „Wir müssen uns jetzt neu aufstellen“, sagte der Bürgermeister. Maximilian Tauscher (CDU), Vorsitzender der Gemeindevertretung, sagte, er sei froh, dass die demokratischen Parteien im Bundestag klar die Mehrheit haben. Tauscher verteidigte nachdrücklich die Haltung der Bundeskanzlerin beim Flüchtlingsstrom 2015. Die Aufnahmebereitschaft in Deutschland sei sehr hoch gewesen. Das Verwaltungssystem sei durch die spontane Belastung aber überfordert worden. Die vielen Stimmen für die AfD in den neuen Ländern führte Tauscher unter anderem darauf zurück, dass sich die Erwartungen an die wirtschaftliche Leistungskraft nicht erfüllt hätten, weil dafür die Basis fehle. Auch dies treibe viele Menschen dazu, den Parolen der AfD zu folgen. Klaus-Jürgen Warnick (Linke) erklärte: „Ich bin schockiert, dass die AfD so hoch gegangen ist. Ich habe die Linke nicht auf dem sechsten Platz gesehen, sondern weiter vorn.“

Während im Fernsehen analysiert und kommentiert wurde, übermittelten die Statistiker in Potsdam im Internet immer mehr Zahlen zu den Ergebnissen in den einzelnen Gemeinden Brandenburgs. Nach dem vorläufigen Endergebnis landete in Kleinmachnow die CDU (29,9 Prozent) bei den Zweitstimmen klar vor der SPD (17,4 Prozent) – noch schlimmer für die Sozialdemokraten ist sicher: Als ihr ärgster Konkurrent um Platz zwei erwies sich während der Auszählung zeitweise neben den Grünen die FDP. Ihr überdurchschnittliches Ergebnis spiegelt zweifellos die Bevölkerungsstruktur in der Gemeinde wider. Schließlich landeten die Liberalen aber doch auf Platz drei (15,6 Prozent). Die Grünen wurden Vierter (14,3 Prozent), gefolgt von den Linken (10,8 Prozent) und der AfD, die mit 8,8 Prozent deutlich unter dem Bundesergebnis liegt.

Bei den Erststimmen holte Saskia Ludwig (CDU) die meisten Stimmen (32,5 Prozent), gefolgt von Manja Schüle (SPD). Sie landete rund sechs Prozentpunkte hinter Ludwig und kann damit auf ein deutlich besseres Ergebnis verweisen als ihre Partei bei den Zweitstimmen. Annalena Baerbock (Grüne) kam auf 11,3 Prozent, Linda Teuteberg (FDP) auf 10,2 Prozent. Norbert Müller (Linke) kam auf 9,3 Prozent.

Für René Springer (AfD) haben 7,5 Prozent der Wähler votiert. Von den „Sonstigen“ war „Die Partei“ am erfolgreichsten. Sie kam auf ein Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag mit 89,2 Prozent noch höher als vor vier Jahren, als Kleinmachnow auf die höchste Beteiligung in ganz Brandenburg verweisen konnte.

Bei den Bundestagswahlen 2013 hatte in Kleinmachnow die CDU die meisten Stimmen erhalten. Sie erreichte 36,7 Prozent und lag damit 13 Prozent vor der SPD. Die Grünen kamen mit 12,9 Prozent auf den dritten Platz.

Auch in Stahnsdorf konnte die FDP einen erstaunlichen Erfolg verbuchen. Sie steigerte ihren Anteil von 3,9 Prozent (2013) auf 11,9 Prozent der Stimmen. Während CDU mit 29,2 Prozent, SPD mit 17 Prozent und Linke mit 12,8 Prozent ähnlich wie in Kleinmachnow abschnitten, legte die AfD in Stahnsdorf deutlich auf 14,8 Prozent zu. Das ist eine Verdopplung des Stimmenanteils. Die Grünen kamen auf 9,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag in Stahnsdorf mit 82,5 Prozent deutlich höher als 2013 (79 Prozent).

In Teltow konnte sich die SPD mit 21 Prozent etwas besser halten (2013: 26,5 Prozent), die CDU verlor von 34,7 Prozent auf 27,9 Prozent deutlich und auch die Linken mussten Federn lassen von 15,5 Prozent auf 12,2 Prozent. Profitieren konnten die AfD, die sich von 6,4 auf 14,2 Prozent steigerte, und die FDP, die von 3,8 auf 10,4 Prozent hochschnellte. Die Grünen erreichten neun Prozent (2013: 7,7 Prozent). Die Wahlbeteiligung stieg von 75,1 auf 77,7 Prozent an.

Von Stephan Laude und Jürgen Stich

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