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Potsdam-Mittelmark Fährkapitän: Ein Rentnerjob, der Spaß macht
Lokales Potsdam-Mittelmark Fährkapitän: Ein Rentnerjob, der Spaß macht
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00:18 21.07.2017
Frank Neumann ist seit diesem Jahr der neue Fährmann auf der Charlotte. Quelle: Marion von Imhoff
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Schmergow

Es rumpelt, die Kette klackert, Charlotte setzt sich in Bewegung. In fünf Minuten wird das 27 Jahre alte Fährschiff das Havelufer bei Schmergow, Gemeinde Groß Kreutz (Havel), erreicht haben. Oben im Steuerhäuschen steht Frank Neumann, seit Januar Fährmeister auf der 180-Meter-Tour Ketzin-Schmergow.

Der 60-Jährige, eine Hand in der Tasche, die andere am Steuer, macht keinen Hehl daraus: „Fährmann ist eigentlich ein Rentnerjob.“ Bis Ende vorigen Jahres war Frank Neumann Kapitän auf einem Potsdamer Wassertaxi. „Meine Tour ist kurz und ich hänge an der Kette“, sagt er jetzt. Dennoch macht Neumann sein neuer Job Spaß, besonders, wenn die Autofahrer nett sind.

Die Fähre pendelt über die Havel zwischen Schmergow und Ketzin. Quelle: Marion von Imhoff

Und das sind sie an diesem Tag. „Eine Kettenfähre ist etwas Schönes“, schwärmt Jürgen Bandow, der aus Richtung Schmergow kommt und in seine Heimatstadt Hamburg fährt.

Auf Charlotte geht es zu wie einst. Fast jedenfalls. Zwar ist der Motor erneuert, doch wenn die Schranke geöffnet wird, legt Neumann einfach einen Hebel um, an dem hängt ein Stahlseil und daran die Schranke. Mechanik trotzt Elektronik.

Bilderbuch-Blicke bieten sich von der Fähre aus auf die Havel. Quelle: Marion von Imhoff

Zwei SUVs fahren auf die Fähre. Im einen sitzt ein Ketziner Wirt, der zu Neumann ins Fährhaus klettert und ein Schwätzchen hält. Im anderen Wagen passiert – gar nichts. Neumann geht zur Fahrertür: „Wir sieht es mit Bezahlen aus“, fragt er freundlich, aber bestimmt. Joachim Liersch entschuldigt sich, natürlich. Er zückt das Portemonnaie. Der Neusser regelt Familienangelegenheiten in Kloster Lehnin. „Wir nehmen die Fähre, weil wir nach Nauen müssen, es ist der kürzeste Weg.“

Die Fähre, von Schmergow zwei gute Kilometer entfernt, ist das Tor der Gemeinde Groß Kreutz nach Norden. Sie verbindet zugleich Potsdam-Mittelmark mit dem Havelland. An diesem Freitagvormittag ist der Anteil Westdeutscher auf Charlotte hoch. Ein Wagen aus Höxter rollt auf die Fähre, ein Münchner und eine Radlertruppe aus Bielefeld, die bis Oranienburg möchte.

Ein Kartenausschnitt zeigt die kurze Strecke, die die Fähre über die Havel nehmen muss. Quelle: Marion von Imhoff

Um 5.30 früh ist Frank Neumanns erste Tour gestartet. Bis zu 40 können es in werden bis zum Schichtwechsel um 13 Uhr. Zwischen 18 000 und 20 000 Radfahrer nehmen die Fähre im Jahr, dazu 4000 Autofahrer und 75 000 Fahrgäste. Drei Fährmeister, alle mit Fährpatent, und zwei Springer vom Wirtschaftshof der Stadt Ketzin, sind für Charlotte eingeteilt. Fahren soll die Fähre noch viele Jahre, „sie hat ja gerade neuen Tüv“, sagt Ketzins Bürgermeister Bernd Lück.

Es ist gut zu tun, doch für Frank Neumann ist das kein Vergleich zu Tagen, an denen die Autobahn gesperrt ist. Nur Feiertage reichen da an den Andrang heran auf der Strecke Schmergow-Ketzin. Sind die Autofahrer geschickt, passen acht Fahrzeuge auf die Fähre. Sind sie es nicht, sind es gerade einmal vier. Gibt es ängstliche Autofahrer? Frank Neumann lacht: „Oh, ja!“ Bleibende Erinnerung hat eine Mercedes-Fahrerin hinterlassen, die darauf bestand, dass die Rampen der Fähre während der Fahrt hochgezogen werden.

So sei es auf Fähren auf hoher See. Da lacht Frank Neumann nur: Die Rampen bleiben unten, es droht kein Wassereinbruch. Dass Autos aber mit der Feststellbremse zu sichern sind auf der Fähre, leuchtete der Dame nicht ein. Ihr Auto habe gar keine Feststellbremse. Bei Unterhaltungen wie diesen ist zu merken: Frank Neumann ist der richtige Mann auf der Charlotte.

Von Marion von Imhoff

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