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Fahrstühle für Fünfgeschosser sind noch Luxus

Bad Belzig Fahrstühle für Fünfgeschosser sind noch Luxus

Zwei Würfelhäuser im Wohngebiet Klinkengrund haben jetzt Aufzüge erhalten. Das ist in Bad Belzig nach wie vor Luxus. Der Bedarf wächst, doch hat die städtische Wohnungsgesellschaft kaum Geld für Investitionen. Die Nachrüstung 45 Jahre nach Errichtung der Gebäude ist obendrein eine Herausforderung und die Lösung ein Kompromiss

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Per Lift geht es in der Hans-Marchwitza-Straße aufwärts: Abfahrt mit Bürgermeister Roland Leisegang (Mitte) an Bord

Quelle: René Gaffron

Bad Belzig. Die Bewohner der Hans-Marchwitza-Straße 2 und 4 haben künftig die Wahl. Entweder geht es in gewohnter Weise treppauf und -ab, was fit hält. Oder sie können neuerdings bequem in den Lift steigen. Ab sofort muss keiner mehr außer Atem geraten, wenn er mit Gehhilfe, Kinderwagen oder Großeinkauf in den beiden Fünfgeschossern seine vier Wände insbesondere in den oberen Etagen erreichen will. Das ist in der Kur- und Kreisstadt noch ein gewisser Luxus.

Denn die Quartiere im Wohngebiet Klinkengrund verfügen – mit Ausnahme der 50 im seit jeher altersgerechten Wohnblock Hans-Marchwitza-Straße 25 – allesamt nicht über einen Fahrstuhl. Bei der Errichtung in den 60er- bis 80er-Jahren war das kein Standard. Selbst während der Sanierung in den 90er-Jahren ist das Manko nicht behoben worden. Doch der Bedarf ist groß und wächst, wie die Stadtväter mit Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) an der Spitze sowie Aufsichtsratschef Herbert Grüneberg (Wir vom Dorf) und Udo Kunze als Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft (Bewog) wissen. Das Trio hat den Aufzug daher nach einer letzten Testfahrt symbolisch zur Nutzung im Alltag freigegeben.

Zugelassen für 675 Kilogramm

Die in der Hans-Marchwitza-Straße 2 und 4 eingebauten Fahrstühle sind zugelassen für maximal neuen Personen oder 675 Kilogramm. Eine Überlastung wird angezeigt.

Die Aufzugkabinen aus Edelstahl und Blechpaneele sind 1,20 Meter breit; 2,10 Meter hoch; und 1,40 Meter tief. An der Rückwand ist ein 60 Zentimeter breiter Spiegel montiert.

Es gibt Weiterfahrtspfeile und Gong auf allen Halteebenen, Stockwerksanzeige und Sprachansage in Kabine.

Im Falle eines Stromausfalls erfolgt eine automatische Evakuierungsfahrt zum nächsten Stockwerk.

Zu dem Zweck ist eine Pufferbatterie installiert. Der Notruf ist per Funkmodul gesichert. Damit erfolgt die direkte Verbindung zwischen Lift und Notrufzentrale.

Rund 200 000 Euro hat die Belziger Wohnungsgesellschaft für das Vorhaben aufgebracht. Nicht einfach: Denn einst bei ihren Investitionen in die wirtschaftliche Schieflage geraten, muss sie heutzutage jegliche Ausgaben dieser Art bei den Gläubiger-Banken genehmigen lassen. Die Hoffnung eine Förderung zu erhalten, hat sich dagegen bislang nicht erfüllt. Doch geht es dem Unternehmen darum, sowohl älteren und in der Bewegung eingeschränkten Menschen wie auch jungen Familien zeitgemäßen Komfort bieten zu können.

Länger als geplant hat die Realisierung freilich gedauert. „Der Anbau von Fahrstühlen ist eine komplexe Aufgabe“, weiß Udo Kunze nunmehr zu berichten. Die wenigsten Kosten verursacht dieser selbst. Abtragen der Fassade für den Anbau, Aufbrechen eines enormen Betonfundaments, Dacharbeiten und Wärmedämmung waren wohl kalkulierbar. Aber auch von gemauerten Außenwänden, die nicht im Lot waren, und von unerwartet montierten Treppenhausplattformen, weiß Bauleiter Edvard Nanut jr. zu berichten. Hinzu kamen Frost und Lieferengpässe, so dass die Inbetriebnahme der Lifte erst mit Verspätung von einem halben Jahr erfolgen konnte.

Mithin ist die allgemein übliche Lösung nicht perfekt, wie die Beteiligten einräumen. Denn aus technologischen Gründen hält der Aufzug immer auf halbem Wege zwischen zwei Etagen. Sechs Stufen bis in die Wohnung bleiben übrig. Alternativ hätte allerdings die Hälfte der 20 Wohnungen umgebaut werden müssen. Die Treppe wäre abgerissen und künftig nur noch einläufig geführt worden. Die dann noch höheren Belastungen während der Bauphase und vor allem die Mehrkosten wären jedoch nicht zu rechtfertigen gewesen, argumentiert Udo Kunze.

Immerhin: Die Wohnwertverbesserung führt unter Einschluss der Modernisierungsumlage zum neuen Mietpreis von 5,30 je Quadratmeter. „Bei Neuvermietung sind je nach Situation höhere Werte möglich“, so der Geschäftsführer. Die angekündigte Steigerung von 75 Cent je Quadratmeter hat schließlich dazu geführt, dass vier Mieter gekündigt haben und die Wohnungen vergeben werden können.

Hinreichend Nachfrage ist wohl vorhanden und weitere Häuser der Gesellschaft, die einen Fahrstuhl erhalten, wird es nach Einschätzung des Chefs wohl in absehbare Zeit nicht geben.

Gleichwohl hätte das Unternehmen schon zwei Gebäude, wo besonders viele Mieter profitieren könnten: Friedrich-Schiller-Straße 27 und Erich-Weinert-Straße 27.

Von René Gaffron

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