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Familienvater beklaut Beelitzer Firma

Aus Geldnot kriminell geworden Familienvater beklaut Beelitzer Firma

Als das Geld immer knapper wurde, bediente sich André W. im Ersatzteillager seines Beelitzer Arbeitgebers. Die Beute, diverse elektronische Bauteile, versteigerte der Familienvater bei Ebay. Drei Jahre lang ging das so – dann wechselte André W. die Firma. Seine Masche flog erst auf, als die ehemaligen Kollegen am Firmen-PC sein Ebay-Konto entdeckten.

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Justitia hat gesprochen: André W. erhielt eine Bewährungsstrafe.

Quelle: dpa

Beelitz. Schnell ein paar Euros dazuverdienen auch ohne Nebenjob – das geht kaum einfacher als auf Ebay. Das dachte sich wohl der Potsdamer André W. (29) und bot von Januar 2011 bis Ende Januar 2014 Elektronik-Bauteile wie Frequenzumkehrer, Vibrationsgrenzschalter und Temperaturfühler im Internet an. Bietet jemand nur zwei, drei Euro, loggt sich André W. als „Engel 1986“ ein, ersteigert die Teile über den Account der Freundin einfach selbst und bringt sie drei, vier Wochen später noch einmal auf den Markt. Sicher, das ist nicht ganz nach den Spielregeln. Das eigentliche Problem aber ist noch viel größer: André W. hat die Ersatzteile an seinem Arbeitsplatz gestohlen. Am Donnerstag stand er deshalb vor dem Potsdamer Amtsgericht.

Januar 2011 und bis Ende Januar 2014 – genau in diesem Zeitraum war André W. bei der Firma Sonac im Beelitzer Ortsteil Elsholz als Elektriker angestellt. Dort soll er die Produktionsanlage auf Trab halten und im Fall der Fälle schnell reparieren. Dass er sich im Lager immer mal selbst bedient, fliegt erst auf, als er die Firma – auf eigenen Wunsch – längst verlassen hat. Ein Sensor musste ausgetauscht werden, doch die Mitarbeiter suchten das Ersatzteil vergeblich. Beim Filzen der Werkstatt durchforsten die Kollegen auch den Computer, der dort steht. Sie entdecken, dass André W. Elektronik-Shops angeschrieben und diverse Teile angeboten hat. Sie sehen sich den Internetverlauf an und stoßen dabei auf W.s Ebay-Konto. „Ich bin vom Glauben abgefallen“, sagt der Werksleiter Holger K. im Prozess. „Das war eine menschliche Enttäuschung. Man geht doch von der Loyalität seiner Mitarbeiter aus.“

Dabei lagen die Kollegen gar nicht so falsch, als sie André W. ihr Vertrauen schenkten. Sein Leben war bisher in geordneten Bahnen verlaufen. Die Kindheit sei schön gewesen, sagt er, das Verhältnis zu den Eltern bis heute sehr gut. Nach dem Realschulabschluss absolviert André W. bei den Potsdamer Stadtwerken eine Lehre zum Energieelektroniker, geht zum Bund, verpflichtet sich für vier Jahre und wird im Einsatzführungskommando in Geltow eingesetzt.

In dieser Zeit lernt er Christina S. kennen. Schnell wird sie schwanger, das Paar zieht zusammen. „Meine Welt war perfekt“, sagt André W. Zu der kleinen Familie gehört auch Christinas Kind aus einer früheren Beziehung. Aus dieser bringt die junge Frau noch etwas mit: Schulden. Zwar habe man verabredet, dass jeder seinen Anteil für die Familienkasse leistet. „Meine Freundin hielt sich aber nicht daran“, so André W. „Es lastete alles auf meinen Schultern. Ich war 24 und musste eine vierköpfige Familie allein ernähren.“ Das habe ihn überfordert.

Als das Geld immer knapper wird, beginnt André W. zu stehlen. „Ich habe keine großen Gewinne erzielt, aber das Geld hat immer wieder geholfen, eine Loch zu stopfen.“ Es sei ihm bewusst, dass er sich an fremdem Eigentum vergriffen hat. „Ich würde das gern ungeschehen machen und möchte mich entschuldigen.“ Der materielle Schaden, den André W. zu verantworten hat, beläuft sich auf etwa 12700 Euro, hätte aber weitaus höher liegen können, wenn wegen eines fehlenden Ersatzteils die Produktionsanlagen ausgefallen wären.

Den Vorschlag des Verteidigers, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, lehnte die Staatsanwaltschaft ab und forderte indes eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung: „Es ist verwerflich, das Vertrauen, das der Arbeitgeber in einen setzt, und die Freiheit, die er bietet, auszunutzen und sich zu bedienen.“ Die Verteidigung plädierte daraufhin für eine Freiheitsstrafe von weniger als einem Jahr. „Die Schuld, die mein Mandant auf sich geladen hat, nimmt nicht mit der Anzahl der Taten zu. Als der erste Diebstahl funktionierte, setzte sich eine unglückliche Spirale in Gang – der Mensch in seinem Tun ist fehlbar.“

Mit einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten fällte das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Bettina Thierfeldt ein Urteil, das in der Mitte beider Forderungen liegt. Von einer Geldauflage sah das Gericht allerdings ab und verhängte stattdessen 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit. In die Frage, ob André W. Rückzahlungen an seinen ehemaligen Arbeitgeber zu leisten hat, wolle man sich „nicht einmischen“, so Richterin Thierfeldt.

„Da soll zivilrechtlich geklärt werden.“ In dieser Hinsicht sei man an den Angeklagten noch nicht herangetreten, sagte Werksleiter Holger K. „Das behalten wir uns vor.“ Die Firma habe jedenfalls aus dem Fall gelernt und verwaltet das Ersatzteillager nun mit einem Warenwirtschaftssystem.

Von Nadine Fabian

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