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Fassade des Deutschen Hauses nicht zu retten

Schwierige Sanierung in Beelitz Fassade des Deutschen Hauses nicht zu retten

Morsche Wände, zerbröselnde Lehmsteine und ein schwieriger Untergrund: Die Sanierung des Deutschen Hauses in der Beelitzer Altstadt erweist sich als kompliziertes Unterfangen. Den Plan, die historische Straßenfassade zu erhalten, haben die Sanierer jetzt aufgegeben.

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Auf der linken Seite klafft eine Lücke. Die Straßenfassade des Deutschen Hauses soll nun nach historischem Vorbild rekonstruiert werden.

Quelle: Heinz Helwig

Beelitz. Die Sanierer des Deutschen Hauses in Beelitz haben mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Altbau hat sich als derart morsch erwiesen, dass sie die historische Straßenfassade nicht wie ursprünglich geplant retten konnten. Der linke Giebel ist komplett weggerutscht und ein Teil der Außenfassade. Projektleiterin Sigrid von der Heiden vom Stadtkontor Potsdam spricht von einer schlechten, über Jahre hinweg vernachlässigten Bausubstanz, „die uns im wahrsten Sinne des Wortes jetzt auf die Füße gefallen ist“. Das Stadtkontor begleitet als Sanierungsträger die Erneuerung der Beelitzer Altstadt.

Ein Großteil der Probleme am Deutschen Haus sei zwar im Vorfeld klar gewesen, „wir waren aber so optimistisch, dass wir die Straßenfassade halten wollten“, sagt die Projektleiterin. Warum dieses Unterfangen nicht geglückt ist, erklärt sie mit einer Reihe von Widrigkeiten. „Wir haben festgestellt, dass die Bausubstanz nicht nur wegen der Witterung Schaden genommen hat. Es wurden einst beim Bau des Hauses auch minderwertige Materialien verwendet.“ Statt gebrannter Ziegel verbargen sich hinter dem Putz ungebrannte Lehmsteine, „die wir mit den Fingern herauskratzen konnten“. Das Deutsche Haus steht zudem auf schwierigem Boden. Ein Gutachter hatte bereits im Vorfeld den schlechten Untergrund festgestellt, auf den man Gebäude nicht einfach so draufsetzen könne. Genau das ist beim Deutschen Haus, in dessen Saal schon 1911 die ersten Stummfilme über die Leinwand flimmerten, einst passiert. „Solange man ein solches Haus nicht anfasst, funktioniert es. Sobald man es anfasst, fangen die Probleme an“, sagt Sigrid von der Heiden. Zudem waren die Innenwände nicht mit den Mauersteinen der Straßenfassade verzahnt. Um dem Deutschen Haus künftig mehr Stabilität zu geben, werden die neuen tragenden Wände auf sieben Meter in die Erde gerammte Pfähle gegründet.

Die zusammengebrochene Straßenfassade soll nun nach historischem Vorbild rekonstruiert werden. Der neue Plan hat den Segen der Denkmalschützer. Ein sogenanntes Messbild war zu erstellen, anhand dessen die Fassade nachgebaut wird. Trotz des dramatischen Sanierungsbeginns rechnet von der Heide nicht mit großen zeitlichen Verzögerungen. „Ich glaube, wir können den Bauverzug an dieser Stelle woanders wieder aufholen.“ Ähnlich sieht sie die Auswirkungen auf die Kosten. „Wir müssen jetzt mehr als geplant rekonstruieren, dafür fällt aber die aufwendige Sanierung der Straßenfassade weg“, sagt sie und fügt hinzu: „Es wird Mehrkosten geben. Sie werden aber nicht erheblich sein und hoffentlich mit Minderkosten in anderen Bereichen ausgeglichen.“ Ziel bleibt es, das Deutsche Haus mit seinem Ensemble in der zweiten Hälfte 2018 fertigzustellen. „Das ist ein realistischer Plan. Wir sind immer noch optimistisch“, so die Projektleiterin. Am ehemaligen Wohnhaus an der Ecke zur Trebbiner Straße sollen die Gerüste schon zum diesjährigen Spargelfest fallen, sagt sie.

In das historische Ensemble werden auch zwei Neubauten integriert. Als Lückenschluss zwischen dem Vorderhaus in der Berliner Straße und dem ehemaligen Wohnhaus an der Ecke zur Trebbiner Straße wird die einstige Klinkermauer wieder aufgebaut. Dahinter ist ein eingeschossiger Flachbau geplant, den die Gastronomen mitnutzen werden, die im Erdgeschoss des Deutschen Hauses das Restaurant betreiben sollen. Nach Stadtangaben gibt es für den Restaurantbetrieb mehrere Bewerber. Die sieben Appartements, die in den Obergeschossen des Vorderhauses und des früheren Wohnhauses entstehen, will ein Beelitzer Hotel übernehmen. Den einstigen Kinosaal mietet die Stadt. Sie hatte das Deutsche Haus aus dem Nachlass der Familie Lintow herausgekauft und danach an die eigenen Stadtwerke zur Entwicklung weiterverkauft.

Der Kraftakt zur Wiedergewinnung des Deutschen Hauses wird nach aktuellen Berechnungen 4,5 Millionen Euro kosten. Für die Gebäudehüllen und die Rekonstruierung des Saals fließen 600 000 Euro Städtebaufördermittel, sagt von der Heide, die betont: „Das Deutsche Haus ist für Beelitz von großer städtebaulicher Bedeutung und für die überwiegende Zahl der Bürger ein Herzensprojekt.“

Von Jens Steglich

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