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Faust wäre gerne ein Internetstar

Bad Belzig Faust wäre gerne ein Internetstar

Bei ihrem traditionellen „Event“ haben die Elftklässler des Fläming-Gymnasiums Bad Belzig in diesem Jahr eine Neuauflage des Goethe-Klassikers von 1808 auf die Bühne gebracht. Live-Musik, temperamentvolle Tanzeinlagen und singende Schauspieler sorgten beim Publikum für minutenlangen Applaus. Dabei war die Probenzeit mehr als sportlich.

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Mephisto (m.) ist skeptisch, ob der von den Hexen gebraute Trank die gewünschte verjüngende Wirkung für Faust (l.) erzielt.

Quelle: Josephine Mühln

Bad Belzig. Die „Ray Ray Jackpots“ sind an allem schuld. Sie und ihre „Tipps von Youtube-Stars für Anfänger“ bringen Faust auf die Idee, selbst eine Berühmtheit der Videoplattform zu werden. „Als Youtube-Star wird alles wahr, mit meinen inhaltslosen Phrasen werd’ ich durch alle Medien rasen“, denkt er sich und hofft auf ebenso viele ekstatische Anhänger, wie die „Ray Ray Jackpots“ sie haben. Der Weg für „Faust reloaded“ – also eine Neuauflage des Goethe-Klassikers – ist geebnet.

Dem Stoff von 1808 in ein moderneres Gewand verholfen haben die Elftklässler des Fläming-Gymnasiums Bad Belzig. Hunderte Zuschauer sind am Freitag zu den beiden Vorstellungen in die Albert-Baur-Halle gekommen und haben die Mühen der Schüler am Ende mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations gewürdigt.

Gretchen ist für den Teufel eine „atmosphärische Störung“

Die Eckpunkte der Geschichte sind auch 2017 geblieben: Mephisto – Rampensau im positivsten Wortsinn und als solche mit Leidenschaft gespielt von Johann Schneider – und Gott (Julius Uhlendorf) schließen eine Wette darüber ab, dass der Teufel es schafft, Faust (The Anh Pham) vom rechten Weg abzubringen, indem er ihm allerlei Gelüste und Ruhm verspricht. Hilfe bekommt er von drei Hexen, die Faust mit einem Zaubertrank verjüngen sollen.

Auch Gretchen (Emma Weber) fehlt in der Neuauflage nicht. Für Mephisto stellt sie jedoch eine „atmosphärische Störung“ dar. Wenn es nach ihm ginge, würde Faust sich in Gretchens Schwester Marthe (Pauline Wolter) verlieben – die mit Birkenstocks an den Füßen und Blumenkranz auf dem Kopf „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“ singt und vor Spiritualität nur so strotzt. Gegen die sprühenden Funken der Verliebtheit zwischen Gretchen und Faust kommt aber auch der Teufel nicht an – und muss sich der dunklen Mächte bedienen, um die Geschichte noch zu seinen Gunsten zu drehen. Da aber hat er seine Rechnung ohne Gott gemacht.

Frenetisch gefeiert

Frenetisch gefeiert: Marthe (Pauline Wolter mit Blumenkranz), Gretchen (Emma Weber), Mephisto (Johann Schneider), Gott (Julius Uhlendorf) und Faust (The Anh Pham, v.l.).

Quelle: Josephine Mühln

Natürlich will sich keiner der beiden am Ende eingestehen, die Wette verloren zu haben. Am Ende müssen die Engel einschreiten und appellieren an die Vielfalt. „Das wahre Menschsein zu Tage zu bringen sollte das Ziel sein“, anstatt nur in gut und böse zu unterteilen.

Dem Klassiker dennoch treu geblieben

„Faust reloaded“ ist dank Live-Band (das Saxofon-Solo von Kevin Bade darf auf keinen Fall unerwähnt bleiben), Chor, einzigartigen Tänzen und singenden Hauptdarstellern ein Schultheater der besonderen Art. Die Schüler haben es geschafft, Goethes Werk in die heutige Zeit zu holen und sind dem Klassiker dennoch treu geblieben – beispielsweise dank einiger unveränderter Textpassagen.

Mephisto (l) bringt Faust in den „Denkerkeller“, um ihn mit Alkohol zu verführen und sein Ziel, Faust vom rechten Weg abzubringen, zu erreichen

Mephisto (l.) bringt Faust in den „Denkerkeller“, um ihn mit Alkohol zu verführen und sein Ziel, Faust vom rechten Weg abzubringen, zu erreichen.

Quelle: Josephine Mühln

„Die Schüler hatten sehr viel Spaß, den Stoff auch ein bisschen lustig umzusetzen“, berichtet Lehrer Sebastian Woye. „Weil ihnen der Inhalt aus dem Unterricht bereits kannt war, war es gefühlt etwas leichter, den Text zu lernen.“ In den vergangenen Jahren seien beim „Event“, das traditionell von den Elftklässlern auf die Beine gestellt wird, eher Eigenproduktionen auf die Bühne gebracht worden, die den Schülern gerecht werden sollten, sagt Woye. Diesmal stand dagegen das Stück selbst im Fokus – und daran soll in den kommenden Jahren mit weiteren Klassikern als Vorlage angeknüpft werden.

Eine Meisterleistung ist „Faust reloaded“ auch mit Blick auf die knapp bemessene Probenzeit von neun Tagen. Alle Gewerke üben zunächst für sich allein, am Mittwoch – zwei Tage vor der Premiere – standen sie erstmals gemeinsam auf der Bühne. „Alle Puzzleteile zusammenzufügen ist immer am schwierigsten“, weiß Musiklehrerin Anke Galle. Aber sie und die anderen Lehrer sind sich auch einig, dass das „Event“ bis zum Abi ein unvergessliches Erlebnis bleibt.

Von Josephine Mühln

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