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Feierlaune trotz klammer Gemeindekasse

Zu Hause in Niederwerbig Feierlaune trotz klammer Gemeindekasse

Am Samstag steigt der „5. Tag der Jeseriger und Niederwerbiger“, obwohl die 140 Einwohner des Doppeldorf Sorgen plagen. Dass die Gemeinde Mühlenfließ in den Schulden steckt, sieht man auf den Spieplätzen der beiden Orte. Was Jeserig und Niederwerbig am Leben hält, sind ihre Einwohner.

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So wie bei den bisherigen Dorffesten soll auch in diesem Jahr wieder zünftig in Niederwerbig gefeiert werden.

Quelle: Uwe Klemens

Niederwerbig. Die Einwohner von Jeserig und Niederwerbig lassen sich nicht unterkriegen. Das Doppeldorf hält zusammen – trotz klammer Gemeindekasse. Was den Ort am Leben hält, sind die Menschen. Und auch wenn nicht alles so läuft, wie sie es sich wünschen würden, feiern sie einmal im Jahr zünftig und kräftig – vor allem sich selbst. Deshalb haben sie ihr Dorffest auf den „Tag der Jeseriger und Niederwerbiger“ getauft.

Und als hätten sie es mit maroden Straßen und alten Spielplätzen nicht schwer genug, wäre ihr Festtag in diesem Jahr wegen eines dummen Zufalls fast ins Wasser gefallen. Das Problem: Die Einschulungen fielen auf das traditionelle Datum. „Es geht nicht, dass nur die Hälfte der Einwohner mitfeiern kann“, erklärt Ortsvorsteher Jens Hinze daraufhin. Er entschied sich für eine Verschiebung. Denn viele der älteren Einwohner waren zu den Einschulungsfeiern ihrer Enkelkinder geladen und auch der Ortsvorsteher selbst hatte eine Einladung vorliegen. So wurden das Dorffest und die damit diesmal zusammenhängende 680-Jahrfeier kurzerhand um einen ganzen Monat verschoben, auf den 7. Oktober.

Eine Traktorparade eröffnet das Dorffest

Niederwerbig und Jeserig teilen sich die Austragung des Dorffestes. Diesmal ist Niederwerbig dran. Auch Gäste von außerorts sind alljährlich eingeladen. Zur Eröffnung um 15 Uhr startet eine Traktorparade der Treckerfreunde aus Dahnsdorf mit Blasmusik. Im Dorfgemeinschaftshaus wird eine Fotoschau mit Aufnahmen der letzten Dorffeste, der Weihnachtsmärkte und von Fastnachten gezeigt.

„Außerdem habe ich die Erlaubnis, den Landschleicher-Film zu zeigen“, erzählt Jens Hinze. Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) das Dorf portraitierte. Auch die Tatortszene, die vor zehn Jahren in Niederwerbig gedreht wurde und ab und an noch immer Gesprächsthema ist, soll gezeigt werden, berichtet der Ortsvorsteher.

Ortsvorsteher Jens Hinze blättert vor dem großen Jubiläum noch einmal in der Chronik

Ortsvorsteher Jens Hinze blättert vor dem großen Jubiläum noch einmal in der Chronik.

Quelle: Andreas Koska

Dabei ist Hinze eigentlich eher bedrückt als fröhlich. Er ist nicht nur Ortsvorsteher im Doppeldorf, sondern auch Bürgermeister der Gemeinde Mühlenfließ, zu der außerdem Schlalach, Haseloff-Grabow und Nichel gehören. Die Gemeinde ist finanziell klamm, steckt seit Jahren und für weitere Jahre im Haushaltssicherungskonzept. Sie darf sogenannte Freiwillige Aufgaben nicht mehr stemmen. Dazu gehören auch die Spielplätze in den Ortsteilen. Zwar wurde im Amt Niemegk beschlossen, dass jeder Spielplatz mindestens vier Spielgeräte haben sollte, Niederwerbig ist davon aber weit entfernt. Eine Schaukel und eine marode Tischtennisplatte, das war’s. Besserung ist vorerst nicht in Sicht, das muss auch der Ortsvorsteher einsehen.

„Zu alledem müssen wir jetzt auch noch die Gewerbesteuer des insolventen Windelherstellers RAD-Medical zurückzahlen“, berichtet Hinze, für dessen Gemeinde es auch in Zukunft nicht besser aussehen wird. Denn in allen sechs Dörfern gibt es nur wenige, kleine Gewerbesteuerzahler. „Von der Einkommenssteuer allein können wir nicht existieren“, sagt der Bürgermeister. Er hofft, dass der Maschinenpark der Firma sowie das Gelände bald verkauft werden können, damit ein neuer Investor angesiedelt werden kann.

Alle Häuser in Niederwerbig-Jeserig derzeit belegt

Aber es gibt auch positive Neuigkeiten aus Niederwerbig-Jeserig: „Das letzte freie Haus, bei dem wir schon Angst hatten, dass es zusammenfällt und ein Schandfleck werden könnte, hat neue Besitzer“, berichtet Hinze. „Sie sanieren das Haus bereits.“ So soll aus der Ruine ein Blickfang werden. In Niederwerbig-Jeserig sind somit jetzt alle Häuser belegt. Zu den 140 Einwohnern könnten sich also bald einige mehr gesellen.

Vielleicht sind dann auch wieder ein paar Künstler unter ihnen. Für sie war das Doppeldorf schon immer ein gutes Pflaster. An die zwei bedeutendsten wird auch während des Dorffestes am Samstagnachmittag erinnert. Amrei Bauer öffnet den einst von ihrer Mutter Annemirl bewohnten Hof. Sie bewahrt den Nachlass der Künstlerin auf und hat ein kleines Museum eingerichtet. Annemirl Bauer lebte seit den 1980er-Jahren in Niederwerbig und wurde nach ihrem Tod als DDR-Regimekritikerin vom Frauenpolitischen Rat Brandenburg geehrt.

Im Gemeindehaus werden außerdem Bilder von Lothar Sell ausgestellt. Der gebürtige Treuenbrietzener Künstler lebte viele Jahre in Niederwerbig. In der Region ist er vor allem für seine Sabinchen-Skulptur vor dem Rathaus der Stadt Treuenbrietzen bekannt.

Von Andreas Koska

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