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Potsdam-Mittelmark Felix bekommt eine Pediküre
Lokales Potsdam-Mittelmark Felix bekommt eine Pediküre
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10:47 13.02.2016
Anstehen für die Hufpflege: Pauline Träger (l.) feilt an der Hornschicht von Felix. Quelle: Christel Köster
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Potsdam-Land

Es ist für ein Pferd nicht leicht, auf drei Beinen zu stehen. So eine unnatürliche Haltung kann weh tun. Felix, ein Mischling, legt seinen Huf trotzdem ohne zu murren in die Hände von Pauline Träger (28). Das Pferd bekommt jetzt eine Pediküre: Es wird viel gefeilt – bei der Barhufpflege, wie es im Fachjargon heißt. Pauline Träger ist Spezialistin darin. Mit dem Messer wird die Sohle gereinigt, mit Pfeile und Zange säubert und bearbeitet sie am Huf vor allem den Tragrand, „damit er nicht wegbricht und gleichmäßig belastet werden kann“.

Die 28-Jährige ist eine ausgebildete Hufbeschlag-Schmiedin, spezialisiert auf Barhufpflege. Mit ihrem T 5 tourt sie übers Land und macht auf Reiterhöfen Station, um die Hufe der Pferde auf Vordermann zu bringen. Im Potsdamer Umland mangelt es nicht an Pferden. Zehn bis 25 Tiere sind es täglich, die von ihr eine Hufpflege bekommen. „Wir haben lange gesucht, bis wir jemanden gefunden haben, der es so gut kann“, sagt Phillippa Hämer. Ihr gehört Felix. Der Name kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt „der Glückliche“. „Wir haben ihn vor dem Schlachter gerettet. Er war fast verhungert“, erzählt Phillippa Hämer, die im einstigen Dorfkrug in Bergholz-Rehbrücke lebt. Am Huf hatte Felix eine schwere Entzündung. „Pauline hat es wieder gut hingekriegt.“

Dass Felix nach seiner Rettung vor dem Schlachter gleich Vertrauen zur Hufschmiedin hatte, dürfte einen einfachen Grund haben. Pauline Träger ist mehr als eine Schmiedin. Sie ist vor allem eine Pferdekennerin. Die Tremsdorferin ist mit Pferden aufgewachsen. Zu ihren schönsten Sommer- und Ferienerlebnissen gehörten Schleppjagden, wenn Reiter und Hunde eine künstliche Duftspur verfolgen. Später wird sie Vielseitigkeitsreiterin und arbeitet auf einer Pferderanch in den USA.

Eigentlich sollte sie ja etwas anständiges lernen. „In der Familie sind sie alle Kaufleute, für die war Hufschmiedin kein richtiger Beruf“, erzählt sie. Pauline Träger macht erst einmal alles so, wie die Familie es will, studiert Journalismus in Irland und in Neuseeland. In Neuseeland hält sie sich dann doch nicht mehr an den Plan: Heimlich lernt sie dort das Hufschmiede-Handwerk. In Neuseeland wäre sie gern geblieben, aus familiären Gründen kehrt sie zurück und zieht nun übers Land, um sich um die Pferde in Sputendorf, Nudow und Bergholz-Rehbrücke zu kümmern. Von Zossen bis nach Angermünde hat sie Kunden, die ihre Tiere zur Hufpflege anmelden. „An den Hufen“, sagt sie, „kann man auch den Gesundheitszustand eines Pferdes erkennen“. Oder welches Saison-Futter gerade auf dem Speiseplan steht. Der Huf ist ein gut durchblutetes, sensibles Körperteil, erklärt die Schmiedin, die sich vor längerer Zeit entschied, Hufe nicht mehr mit Eisen zu beschlagen. Früher, als Pferde als Arbeitstiere dienten, sollten Eisenbeschläge den Hufabrieb mindern. Die Pferde hielten so länger durch. Heute, in einer Zeit, in der sie eher als Freizeitpartner gelten, seien Eisenbeschläge nicht notwendig und ungesund. „Pferde benutzen ihre Hufe auch zum Tasten“, erklärt sie. Mit Eisenbeschlägen sei das deutlich schwerer. „Das ist so ähnlich wie mit Springerstiefeln joggen zu gehen.“ Bei ihr bekommen Pferde nur aus orthopädischen Gründen Beschläge. Sie benutzt keine Nägel, obwohl sie das Eisen gut halten. Nägel im Huf tun aber auch weh. Die Hufschmiedin klebt die Beschläge.

Hufschmied

Der klassische Hufschmied ist ein Spezialist für die Pflege und das Beschlagen von Tierhufen, der die Hufeisen und Hufnägel auch selbst beim Schmieden herstellt.

Zu seinen Aufgaben gehört auch die Behandlung verletzter oder kranker Hufe. Früher war er sogar für die Zahnpflege zuständig, die heute indes vornehmlich von Tierärzten erledigt wird.

Unter den Hufschmieden gibt es die Eisen- und die Naturfraktion. Die Tremsdorfer Hufschmiedin Pauline Träger verzichtet seit längerer Zeit auf Eisenbeschläge.

„Die Ausbildung in Deutschland ist zu sehr auf das Handwerk ausgerichtet“, sagt sie. Hufschmiede wissen oft wenig von Pferden und worum es wirklich geht. Worum geht es ihr? „Ich will, dass weniger Pferde durchs System fallen, die Menschen Freude bereiten könnten.“ Ihr Pferd Buck etwa sollte ein Dressurpferd werden. Gezüchtet wurde es, um Geld zu verdienen. Paulines Mutter entdeckte und kaufte ihn. Er tat ihr leid. „Buck hat nicht ganz so viel Gehirn mitbekommen.“ Man könnte auch sagen: Er ist ein Autist. Aber ein freundlicher Autist, mit dem die 28-Jährige seit zwei Jahren trainiert, um eines Tages gemeinsam zur Schleppjagd zu reiten. Bei ihren Touren übers Land will sie auch ein bisschen Pferdewissen unter Menschen verbreiten. Da gibt es Tipps, diesen etwa: Mensch und Tier sollten zusammenpassen – von der Statur und vom Temperament. „Oft reiten viel zu große Menschen auf viel zu kleinen Pferden.“ Und eine Hausfrau braucht kein Sportpferd. Sie wäre glücklicher, wenn das Tier nur halb so sportlich ist, so die Hufschmiedin. Ist sie glücklich? „Ich habe das Gefühl, dass ich bei meiner Arbeit etwas bewirken kann und mein Geld wirklich verdient habe.“

Felix hat seine Pediküre derweil hinter sich, fürs MAZ-Fotoshooting muss das Pferd noch länger auf drei Beinen aushalten. Am Ende zupft Felix an der Jacke der Hufschmiedin. „So zeigt er mir an: Jetzt ist es genug!“

Von Jens Steglich

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