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Ein ganzes Dorf feiert sein Jubiläum

Ferch Ein ganzes Dorf feiert sein Jubiläum

Mit einem zweitägigen Mittelalterfest feierten etwa 500 Fercher sowie weitere Gäste das 700-jährige Bestehen des einstigen Fischerdorfes. Nach einem Umzug in historischen Kostümen durch den Ort erwartete die Festbesucher anschließend ein vielfältiges Kulturprogramm. Das Dorf „Verch“ war am 5. April 1317 erstmals urkundlich erwähnt worden.

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Auf der Festwiese konnte sich auch der Fercher Nachwuchs richtig austoben. Für Stimmung sorgten diverse Musikbands.

Quelle: Franziska Appelt

Ferch. Angeführt wird der Umzug durch Ferch vom Neuseddiner Fanfarenzug. Danach marschieren die Kinder der Kita Birkenhain. Eifrig pusten sie Seifenblasen in die Luft des ehemaligen Fischerdorfs – eben wie die Fische ihre Luftblasen. Auf einer vom Mini-Traktor gezogenen Kutsche thront das diensthabende Prinzenpaar, Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) und Ortsvorsteher Roland Büchner (Bürgerbündnis), und winkt den Zuschauern am Straßenrand zu. Dahinter das Volk: Jäger, Ritter, Maler, Fischer – sogar Fontane und Hagemeister sind mit von der Partie.

Gemeinsam mit rund 500 Ferchern und Freunden ziehen die heimischen Vereine zu Ehren des 700-jährigen Bestehens des Ortes durch Ferch. Vertreten waren unter anderen der Karnevals-, Angler-, Segel- und Sportverein, das Haus Tilia, die Freiwillige Feuerwehr, die Oldtimer Freunde Schwielowsee, die Grundschule Caputh und der Heimatverein. Letzterer präsentierte stolz die erste urkundliche Erwähnung des Ortes „Verch“ vom 5. April 1317. „Die ganze Dorfgemeinschaft ist zusammen. Das macht das Leben in einem Dorf aus“, sagt Felix Schrandt (29). Und tatsächlich ist ein Großteil der Fercher auf den Beinen, wenn man bedenkt, dass der Ort nur 1833 Einwohner zählt. „Ich hatte Gänsehaut, als wir vom Potsdamer Platz den Mühlengrund hinab blicken konnten und den Zug sahen“, sagt die Bürgermeisterin. Sie kam am Samstag als Fee zur 700-Jahr-Feier. „Sofort verliebt“, hatte sich Hoppe, als sie das Kleid aus rosa und grünem Tüll im Babelsberger Kostümverleih erspähte. In Ferch glaubt man der Sage, dass eine schöne Fee das Dorf erschaffen hatte, weil sie sich in einen Ritter, der sich in den Wäldern verirrt hatte, verliebte. Dieser Ritter wurde dargestellt von Ortsvorsteher Roland Büchner.

Geschmückt waren nicht nur die Teilnehmer in ihren Uniformen und Kostümen, sondern auch die Wagen, die von den Vereinen mit viel Liebe gestaltet worden waren und die jetzt zu Recht stolz präsentiert wurden. Die Parade startete am Morgen am Sportplatz und marschierte entlang des Glindower Weges durch den Mühlengrund, vorbei am Potsdamer Platz zur Festwiese, wo die Ankömmlinge mit beliebten Melodien der Obstkistenbühne und Signalen der Fercher Jagdhornbläser begrüßt wurden. Als es den letzten Hügel hinab ging, verlor die Kutsche des Prinzenpaares jedoch die Kontrolle und konnte mit Manneskraft geradeso noch gebremst werden. Es kam zwar keiner der Insassen zu Schaden, die letzten Meter mussten jedoch zu Fuß zurückgelegt werden.

Ein Jahr lang hatten die Vorbereitungen für den Umzug und das zweitägige Mittelalterfest gedauert, erzählt Roland Büchner: „Schließlich gibt es nur einmal alle 700 Jahre solch ein Event“. Einen Tag zuvor mussten noch die Unwetterschäden auf der geplanten Strecke beseitigt werden. Mit dem Umzug ist der Fercher sehr zufrieden: „Wir wollten die Geschichte Ferchs dokumentieren. Ich denke, das ist uns sehr gut gelungen.“ Einzig das Timing stimmte nicht ganz – der Umzug erreichte die 2,2 Kilometer entfernte Festweise, auf der ein Mittelaltermarkt aufgebaut war, eine Stunde zu früh.

Dort erwartete die Besucher neben „allerley Handwerk“ wie eine Korkerei, ein Seiler und ein Schmied auch „feynstes Eis mit fangfrischen Erdbäären“, Met und Schmalzstullen. Für die Kinder öffnete ein Frettchenzirkus und ein handbetriebenes Karussell drehte seine Runden. In den Dudelsack blies Ralph Rabe, der den Markt organisiert hatte und mit seiner Band „Rabenbrüder“ auftrat. Die Highlights des Abends waren eine Feuershow und die Musik der keltischen Folk-Band „The Sandsacks“, die nach verhaltenem Start für ordentliche Stimmung mit Geige, Gitarre und Flöte am Schwielowsee sorgte. Robert Beuster (30), der inzwischen in Tremsdorf wohnt, besuchte seine ehemalige Heimat und war begeistert vom Angebot des Tages: „Im Herzen bin ich immer Fercher. Es ist wie nach Hause kommen“, sagt der Vater zweier Kinder.

Ferch bedeutet soviel wie „Höhe“ oder „Gipfel“

An der Alten Dorfstelle gab es bereits eine jungbronzezeitliche Siedlung.

Seit Ende des 10. Jahrhunderts bestand an derselben Stelle die slawische Siedlung Oberferch.

Am 5. April 1317 wurde „Verch“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitete sich vermutlich von der slawischen Bezeichnung für Höhe oder Gipfel ab und weist auf den 124,7 Meter hohen Wietkiekenberg hin.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden Kammerode und Ferch zerstört. Nur eine Frau lebte 1648 noch in Ferch.

Ferch, Caputh und Geltow bilden seit Dezember 2002 die Gemeinde Schwielowsee.

Den Namenszusatz „Malerdorf“ erhält das Dorf 2004.

Schönstes Dorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark wird Ferch 2006.

Das Weiße Fest am blauen Band findet am 8. Juli in allen Ortsteilen an der Uferpromenade statt. Angelehnt an das Konzept von Dinner in White, sollen alle Gäste Tische, Stühle und Essen mitbringen und in weißer Kleidung gemeinsam speisen.

Von Franziska Appelt

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